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Kinder-Design : Minimöbel, ganz groß

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Servierwagen mit Flow und Phantasie: Wie sich Kinder ihre Möbel vorstellen, zeigen sie in eigenen Kreationen. Bild: Sanna Hjelte

Design für Kinder kann vieles sein: geschrumpfte Klassiker, Spielmöbel oder Räuberleiter in die Welt der Erwachsenen. Eine Ausstellung zeigt die Innovationen im Kinderzimmer. Spannend wird’s, wenn die Kleinen selbst entwerfen.

          „Factory“ klebt in großen Buchstaben auf dem Boden der Terrasse vom Felleshus, dem öffentlich zugänglichen Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften in Berlin. Ein Dutzend Kinder von acht bis zwölf Jahren sitzen an Tischen dieser Pop-up-Werkstatt und arbeiten konzentriert. Um sie herum dickes Leder, Moosgummi, Kabelbinder, Klebeband und Heißklebepistolen. Man hört nichts außer einem schwedischen Song aus den Siebzigern in Endlosschleife, dazu das Klacken der Lochzangen. In der Rolle des Fabrikbesitzers: Samir Alj Fält. Er hat sich heute zum Schweigen verpflichtet, hilft nur mit Gesten. Ein Mittel, um sich besser raushalten zu können, denn das ist der Sinn.

          Der Schwede hat in Stockholm das Design Lab S gegründet, in dem Kinder in Workshops zu Designern werden. Denn er will von ihnen lernen, nicht umgekehrt. Um was der Zweiundvierzigjährige sie beneidet: „Sie haben noch so viel Phantasie“ und diesen Flow, den er als Profi verloren habe: einfach machen, nicht nachdenken. Er hat sie schon vieles entwerfen lassen – etwa einen Servierwagen für die Kaffeepause oder eine Ladenkasse. Mit seiner temporären Berliner Belegschaft möchte er heute Schuhe fabrizieren. Sollten seine temporären Mitarbeiter aber mit Lampenschirmen rauslaufen, freut ihn das umso mehr.

          Der Workshop bei Samir und seiner Mitarbeiterin Alicia gehört zum Rahmenprogramm einer Ausstellung, die drinnen im Gebäude zu sehen ist: „Century of the Child“, in der es um nordisches Design für Kinder von 1900 bis heute geht. Anders als im Workshop steht das Endprodukt im Fokus, und die Exponate wurden durchweg von erwachsenen Designern entworfen, die darüber hinaus zu den Großen zählen: Da ist „Peter’s Chair“ von Hans J. Wegner, den Kinder allein, ohne Werkzeug zusammen- und wieder auseinanderbauen können. Und gleich noch der passende Tisch. In den Vierzigern für den Sohn eines Freundes entwickelt, für den er nichts Passendes in den Shops fand, war Wegner fast ungewollt ganz früh dran, wenn es um Möbel geht, die auch zum Spielen taugen.

          Kinderleicht zusammengebaut: „Peter’s Chair“ von Hans J. Wegner

          Alvar Aalto konzipierte in den Dreißigern ganze Schulen samt Mobiliar. Auch seinen Bugholzstuhl 65 brachte er zeitgleich in einer Kindergröße heraus (N65). Ebenfalls anwesend: das Bett „Juno“, entworfen von Viggo Einfeldt, über Jahrzehnte Standard in dänischen Kinderzimmern, war es das erste mitwachsende Bett. Zu sehen sind Hochsitze, Wippen und Wiegen, Spielmöbel, Spielsachen und Kleidung – Design für Kinderzimmer, das Geschichte geschrieben hat, zumindest für seine Zeit wegweisend war.

          Was tragen Möbel zur Inklusion von Kindern bei?

          Ausgangspunkt war eine Ausstellung, die das Museum of Modern Art (MoMA) in New York vor fünf Jahren erarbeitete, damals mit internationalem Blick. Der Titel „Century of the Child“ ist aber auch der Titel eines Buchs der Schwedin Ellen Key. Sie war leidenschaftlich überzeugt von gutem Design, Frauenrechten und sozialer Gerechtigkeit. Sie kämpfte für das Recht auf eine Kindheit frei von Druck, in endlosem Spiel. Sie wollte die Anerkennung des Kindes als ebenbürtiges Mitglied der Familie und der Gesellschaft. Doch was können Möbel dazu beitragen?

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