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Architekturpsychologie : Wenn Kinder planen dürften...

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Kinder planen anders: Größer, bunter, leerer Bild: dpa

Wenn Kinder selbst entscheiden könnten, würden viele Wohnungen anders aussehen. Bisher werden ihre Bedürfnisse beim Wohnungsbau nur wenig berücksichtigt.

          5 Min.

          Ein wenig verblüfft ist Ninas Mama schon. Selbstbewusst, das Springseil in ihrer Hand immer in Bewegung, flitzt die Fünfjährige durch ihr Zimmer in der Erdgeschosswohnung einer Münchner Wohnanlage und verkündet, was sie alles anders machen würde - wenn sie denn dürfte. „Das raus, das raus und das raus“, bestimmt sie und zeigt mit dem Finger auf eine gelbe Kommode, ein altes Puppenhaus und diverse Kisten. Dann wäre da gleich mal mehr Platz zum Seilspringen. Stattdessen dann eine Sprossenwand anbringen und daneben die vielen Bilder, die bisher in der Kommode lagern. „Obwohl..., halt..., nicht sofort“, korrigiert sich die Kleine. Erst müsse die Wand noch gestrichen werden - rosa natürlich.

          Annette Peters, Psychologin aus Regensburg, muss lachen, wenn sie Geschichten wie diese hört. Denn sie ist absolut typisch. „Zumeist“, sagt Peters, „wissen Kinder selbst am besten, was ihnen guttut.“ Und was das ist, ist einfach beschrieben: lichte Räume mit wenig Möbeln und hellen Farben. Und wenn dann noch wie bei Nina und ihren Eltern die äußere Umgebung stimmt, viel Grün, wenig Verkehr und tolerante Nachbarn, dann ist eigentlich schon alles perfekt. Einziges Problem: Nur wenige Kinder in Deutschland leben so.

          Neues Gebiet der Psychologie

          Peters weiß, wovon sie spricht, denn ihre Beratung „toway“, die sie gemeinsam mit einer weiteren Psychologin und einer Planerin betreibt, hat sich auf ein Gebiet spezialisiert, das in Deutschland derzeit noch ziemlich unbekannt ist: Architekturpsychologie. Während beim Haus- und Städtebau im asiatischen Raum und auch in den Vereinigten Staaten schon seit Jahrzehnten psychologische Aspekte erforscht und auch angewandt werden, beschäftigt sich hierzulande gerade einmal eine Handvoll Forscher mit der Frage, wie sich die physische Gestalt von Gebäuden auf das Wohlbefinden der darin lebenden Menschen auswirkt oder wie die Raumgestaltung Stimmungen beeinflusst.

          Dabei sind die Zusammenhänge längst gut erforscht. In Deutschland werden sie allerdings, wenn überhaupt, bestenfalls bei Bürogebäuden berücksichtigt, die so konstruiert und eingerichtet werden, dass „möglichst viele möglichst effektiv arbeiten können“. Im privaten Wohnungs- oder Hausbau, ärgert sich Peters, würden psychologische Aspekte nur sehr selten beachtet, dabei könne dadurch sogar Geld gespart werden. Um bis zu ein Drittel ließen sich Baukosten reduzieren, wenn vorab die Bedürfnisse und Wünsche der künftigen Bewohner analysiert und dann bei der Planung berücksichtigt würden, behauptet die Psychologin.

          Die Bedürfnisse von Kindern

          Doch welche Bedürfnisse haben Kinder überhaupt? Viele Eltern glauben, dass Kinder am besten außerhalb der Stadt aufgehoben sind, „Wohnen auf dem Land ist mit einer Art Sehnsucht verbunden, dass dort dass Leben gemütlicher, natürlicher und ruhiger zugeht“, erklärt der Passauer Wohnberater Uwe Linke. Wie Linke teilen Wohnexperten und Architekturpsychologen diese Meinung jedoch nur eingeschränkt.

          Wenn überhaupt, stellt der Experte klar, gelte diese Aussage für kleine Kinder, die außerhalb der Stadt zumeist mehr Bewegungsfreiheit hätten. Je älter ein Kind dagegen werde, umso mehr strebt es in die Stadt. „Ich hasse Land“, sagt der 13 Jahre alte Fabian, und die zehnjährige Lara fürchtet: „Wenn ich auf dem Land leben würde, könnte ich ja gar nicht alleine meine Freunde besuchen.“

          Bewegungsfreiheit

          Keine falsche Einschätzung, wie auch Antje Flade, ebenfalls Architekturpsychologin, findet. Je älter Kinder werden, umso mehr könne sich der ursprüngliche Pluspunkt „Bewegungsfreiheit“ sogar ins Gegenteil verkehren, berichtet die Buchautorin. Schon seit 20 Jahren befasst sie sich speziell mit dem Aspekt Wohnen mit Kindern. „Wer nach der Schule Freunde besuchen will, braucht Mama oder Papa als Chauffeur, zeitintensive Hobbys oder gar Diskobesuche sind oft vollkommen illusorisch.“

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