https://www.faz.net/-gz7-aayxi

Was für ein Ding! : Weißer als Weiß

  • -Aktualisiert am

Forscher der Purdue University in Indiana haben eine „ultraweiße“ Farbe entwickelt, die 98 Prozent des Sonnenlichts reflektiert. Bild: Jared Pike/Purdue University

Anstatt Klimaanlagen hilft bei Sommerhitze auch eine besondere Dachfarbe.

          1 Min.

          Im Zuge der Klimakrise wird immer wieder auf das Problem urbaner „Wärmeinseln“ hingewiesen, die durch Gebäude und versiegelte Flächen in den Städten entstehen. Abhilfe schaffen könnte eine Praxis, die seit Jahrhunderten zur Kühlung von Gebäuden verwendet wird: weiße Dächer.

          Ein bemerkenswerter Erfolg ist nun Forschern der Purdue University in Indiana gelungen, die in einem sechsjährigen Forschungsprojekt eine „ultraweiße“ Farbe entwickelt haben. Während handelsübliche Farbe 80 bis 90 Prozent des Sonnenlichts reflektiert, sind es beim „Ultraweiß“ 98 Prozent. Außerdem strahlt sie Infrarotwärme mit einer Wellenlänge ab, die von der Luft nicht absorbiert wird. So können Oberflächen selbst bei starker Sonneneinstrahlung um bis zu 4,5 Grad unter die Umgebungstemperatur abkühlen.

          Grün auf dem Dach hilft auch

          Die Farbe, die die Forscher als „weißestes Weiß aller Zeiten“ bezeichnet, verdankt ihre Wirkung dem Pigment Bariumsulfat, das aus dem Mineral Baryt gewonnen wird. Anders als das in herkömmlichen weißen Farben verwendete Titandioxid absorbiert Bariumsulfat kein UV-Licht. Die Forscher verwendeten unterschiedlich große Pigmentpartikel, um den größtmöglichen Teil des Lichtspektrums zu streuen. Außerdem nutzten sie eine Konzentration von rund 60 Prozent – höher geht es nicht, weil dann die Farbe bricht oder abblättert, so die Forscher. Nach ihren Angaben beträgt die Kühlleistung bei einer gestrichenen Dachfläche von 93 Quadratmetern gut 10 Kilowatt – damit sei die Farbe leistungsstärker als zentrale Klimaanlagen.

          Ihre Erkenntnisse stellten sie in der Fachzeitschrift „ACS Applied Materials & Interfaces“ vor. Dort heißt es, die Farbe könne Bedingungen im Freien standhalten und mit denselben Verfahren wie in der kommerziellen Farbproduktion hergestellt werden. In ein bis zwei Jahren könnte das „Ultraweiß“ zu handelsüblichen Preisen auf den Markt kommen. Ähnlich effektiv ist übrigens noch eine andere Lösung: das Dach einfach mit allerhand Grün zu bepflanzen.

          Die Kolumne „Was für ein Ding!“ erscheint alle zwei Wochen in der F.A.S..

          Weitere Themen

          Merkel sieht Russland als Herausforderung Video-Seite öffnen

          Für die Nato : Merkel sieht Russland als Herausforderung

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht für die Nato neben Russland auch China „in zunehmendem Maße“ als Herausforderung. Wachsende Bedeutung hätten auch hybride Attacken und Cyberattacken, sagte Merkel vor dem Nato-Gipfel in Brüssel.

          Topmeldungen

          Deutsche Nationalmannschaft : „Wembley liegt uns“

          Nach dem fahrigen Auftritt gegen Ungarn mit mehrfachem Blick in den Abgrund des EM-Ausscheidens trifft Deutschland nun im Achtelfinale auf England. Kapitän Neuer hat trotz des Nervenkrimis seinen Optimismus nicht verloren.
          Proben für einen PCR-Test werden von einem Mitarbeiter im Corona-Testzentrum verpackt. Der Anteil der Delta-Variante unter den Neuinfektionen in Deutschland beläuft sich mittlerweile auf 15 Prozent.

          F.A.Z. Frühdenker : Delta breitet sich schnell in Deutschland aus

          Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten über die schwierige Beziehung zu Russland. Wirtschaftsminister Altmaier reist nach Washington. Und Deutschland zittert sich gegen Ungarn ins EM-Achtelfinale gegen England. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.