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Hamburg : Sprung nach Wilhelmsburg

Ein Hochhaus, wie es typisch ist für Hamburg-Wilhelmsburg Bild: picture-alliance/ dpa

Der Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg mitten in der Elbe ist Gastgeber der Internationalen Bauausstellung und der Internationalen Gartenschau. Vieles soll in dem Viertel anders werden. Die Namen sind schon erneuert: Innerstädtische Randlagen werden zu „Metrozonen“. Im nächsten Herbst beginnen die Bauarbeiten.

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          Am Anfang stand der Sprung über die Elbe. Durch ihn könnte Hamburg sein Zentrum verdoppeln - nach Süden über die Elbinseln Veddel und Wilhelmsburg, weiter über die Harburger Schlossinsel, auf der schon lange kein Schloss mehr steht, bis nach Harburg.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bis vor einigen Jahren war dort fast überall Hafen. Die Grenzen des Zollhafens aber haben sich verschoben, so dass in der Nähe des heutigen Stadtzentrums auf einmal riesige Flächen die Phantasie der Stadtplaner zu ebenjenem Sprung über die Elbe ansetzen ließen.

          Die Hafencity ist schon ein Stadtteil

          Einiges ist davon schon zu sehen. Vor allem in der Hafencity, der größten Baustelle der Stadt. Seit dem 1. März ist die direkt an der Elbe liegende Hafencity ein eigener Stadtteil, der 105. von Hamburg. Von dort soll irgendwann einmal eine Brücke über die Norderelbe auf die Veddel führen, eine Living-Bridge, eine Brücke mit Wohnhäusern drauf.

          Der Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg hat auch romantische Seiten, zum Beispiel wenn Rallen im nebligen Morgenlicht in der Norderelbe schwimmen
          Der Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg hat auch romantische Seiten, zum Beispiel wenn Rallen im nebligen Morgenlicht in der Norderelbe schwimmen : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Während darüber noch gestritten wird, tut sich auf der Veddel, in Wilhelmsburg und auf der Harburger Schlossinsel schon einiges. In Wilhelmsburg läuft seit dem vergangenen Jahr eine Internationale Bauausstellung (IBA). Derzeit wird vor allem geplant und ausgeschrieben. Um 25 Vorhaben geht es. Im Jahr 2013, am Ende der IBA, soll Wilhelmsburg ein neues Gesicht haben. 2013 öffnet dort außerdem die Internationale Gartenschau (IGS) - auf 110 Hektar, die mitten im knapp 30 Quadratkilometer großen IBA-Gelände liegen.

          Vorbereitung für Bauausstellung und Gartenschau

          Hamburg richtet die achte IBA in Deutschland aus. Die Planer wollen einen fast verlorenen städtischen Raum nicht nur retten, sondern als Teil des Hamburger Zentrums aufwerten. Das ist nicht so einfach, denn die Elbinsel Wilhelmsburg ist durch eine Schnellstraße, die Wilhelmsburger Reichsstraße, sowie durch die Nord-Süd-Bahnstrecke in zwei Teile geschnitten. Die IBA will die Teile wieder zusammenfügen oder doch wenigstens dafür Anregungen geben.

          Der Westen von Wilhelmsburg hat zwar schöne Wohngebiete und Straßenzüge aus der Gründerzeit wie im Reiherstiegviertel, war aber eigentlich seit der Sturmflut von 1962 schon aufgegeben. Die Häuser, die eigentlich abgerissen werden sollten, fanden jedoch neue Bewohner, buchstäblich aus aller Welt. Der Ausländeranteil in Wilhelmsburg liegt bei 37 Prozent. Zählt man jene Wilhelmsburger „mit Migrationshintergrund“ hinzu, kommt man im Westen Wilhelmsburgs auf mehr als 70 Prozent. Hier entstand das, was Uli Hellweg, der Geschäftsführer der IBA, isolierte Parallelgesellschaft nennt.

          Viele Widersprüche im Wilhelmsburger Osten

          Der Osten Wilhelmsburgs hingegen erscheint widersprüchlich. Neben reetgedeckten hübschen alten Häusern erheben sich Großsiedlungen aus den siebziger Jahren, in die jene Hafenarbeiter einzogen, die aus dem aufgegebenen Westen Wilhelmsburgs umzogen.

          Besonders trostlos ist der Berta-Kröger-Platz, wo die IBA in einer Ladenzeile, die leer stand, ihre Vorhaben vorstellt. „Der Ort ist erstaunlich gut besucht, die Leute wollen wissen, was wir hier machen“, sagt Hellweg. Wilhelmsburg wird durch die IBA ein neues Zentrum bekommen, auch einen neuen Berta-Kröger-Platz.

          100 Millionen für die Bauausstellung

          Hamburg gibt für die IBA aus seinem Sondervermögen 100 Millionen Euro aus. 200 Millionen sollen noch einmal dazukommen, teils aus laufenden Haushaltsmitteln, teils durch europäische Förderung. Die drei Schwerpunkte der IBA bekamen bombastische Namen. „Kosmopolis“ lautet der eine Begriff. Er stammt von dem Soziologen Ulrich Beck. Gemeint ist: Die IBA will zeigen, wie vierzig Nationen miteinander auskommen können. Nicht als romantisches Multikulti, sondern als, wie Hellweg sagt, „neue Qualität von Kultur“.

          Auch die Vorhaben dazu haben große Namen. „Weltquartier“ zum Beispiel. Im südlichen Reiherstiegviertel wird eine Häuserzeile aus dem für Hamburg so typischen roten Klinker mit 850 Bewohnern aus dreißig Ländern zum Modell, wie das Zusammenleben aussehen kann. Die IBA-Mitarbeiter gingen in die Wohnungen und fragten die Bewohner, was sie von ihrer Wohnung, ihrem Haus, ihrem Viertel erwarten. Derzeit läuft der international Wettbewerb für den Umbau. Hellweg hofft, dass die Bauarbeiten noch in diesem Jahr beginnen.

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