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Günstiger Wohnraum : In den Städten fehlt der neue Bauplatz

  • -Aktualisiert am

Neubaugebiet in Frankfurt: Der Platz in der Großstadt ist begehrt. Bild: dpa

Die Preise für Bauland steigen in den Ballungsräumen. Um günstige Flächen zu entwickeln, gehen Städte viele Wege.

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          Der Boden bleibt an vielen Orten begehrt. Auch in Bielefeld ist das angekommen: Dort sind die Preise für Bauland im vergangenen Jahr um etwa 8 Prozent gestiegen. Und je teurer der Bodenpreis, desto mehr steigen auch die Kosten für neue Immobilien – zumal Baukosten in der Regel ebenfalls zulegen. Die nordrhein-westfälische Stadt will daher umso mehr in das Baugeschäft einsteigen und als eine Art Grundstückshändler selbst Boden aufkaufen. Für neue Planungen mit Flächen von mehr als einem Hektar muss Bielefeld mindestens die Hälfte der Flächen kaufen können. Die Kommunalpolitiker haben das mit einer Baulandstrategie im vergangenen Sommer beschlossen und erhoffen sich davon, dass ihr Bodenhandel steigende Immobilienpreise abmildert.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Steigende Wohnungskosten zählen zum urbanen Lebensgefühl dazu, wogegen Politiker in begehrten Ballungsgebieten vorgehen wollen. Doch Eingriffe wie der Bodenhandel in Bielefeld oder die Mietgesetze in Berlin beheben nicht immer den Mangel an Bauland. Städtetags-Präsident Burkhard Jung (SPD) weist dem verfügbaren Bauland eine Schlüsselrolle zu. „Die Städte brauchen dringend Bauland, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, sagte der Leipziger Oberbürgermeister der F.A.Z.

          Bislang verteuern höhere Kosten für Bauland die Immobilienpreise. Der Bodenrichtwert hat sich in Köln von 2012 bis 2018 um mindestens 50 Prozent erhöht, in Berlin innerhalb von fünf Jahren verdoppelt bis verfünffacht und in Frankfurt für den Bau von Mehrfamilienhausgrundstücken in einem Jahr um 40 bis 50 Prozent verteuert. In Wiesbaden ist Wohnbauland von 2014 bis 2017 um die Hälfte angestiegen. In Dortmund gab der Gutachterausschuss im März an, dass Neubaupreise für Ein- und Zweifamilienhäuser rund 20 Prozent über dem Vorjahr liegen. Als Grund dafür nennt der Ausschuss Bau- und Bodenpreissteigerungen in Kombination mit einem geringen Angebot an Baulandflächen.

          Gründe für den Baulandmangel

          Für den Seltenheitswert von neuem Bauland finden sich diverse Gründe. Ein Hauptpunkt ist der Mangel an Personal, der mit dem Bauboom nicht Schritt hält. In der Mainzer Baubehörde wie in anderen Verwaltungen werden Stellen wiederholt ausgeschrieben, weil nur wenige oder unqualifizierte Bewerbungen eingehen. Stellen bleiben meist mehrere Monate vakant, und das verzögert die Bearbeitung. Hierdurch springen auf Bauherrenseite oftmals beauftragte Unternehmen wieder ab, da sie dringend auf anderen Baustellen benötigt werden, heißt es in Mainz. Andere haben schon jetzt zu wenig Personal: Im Kölner Bauaufsichtsamt sind 11,5 von 62,5 Stellen für Ingenieure vakant, die Baugenehmigungen bearbeiten sollen.

          Als Hauptschwierigkeit für den Wohnungsbau sieht Stuttgart eher Engpässe der Bauunternehmen: Architektur- und Fachplaner sind ausgelastet, Unternehmen geben in manchen Fällen kein Angebot mehr für Bauleistungen ab. Selbst wenn die Zahl baufähiger Flächen drastisch steigen würde, wären keine Unternehmen in ausreichendem Maße für die Ausführung vorhanden, ist aus Stuttgart zu hören.

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