https://www.faz.net/-gqe-9j53q

Teure Reform

Von JUDITH LEMBKE

28.01.2019 · Die Grundsteuer soll neu berechnet werden, zwei Modelle stehen zur Wahl. Beispiele zeigen: Günstiger wird’s für Mieter und Eigentümer wohl nicht.

G rundsteuer zahlen alle, ob Mieter oder Eigentümer in prosperierender Millionenstadt oder Schrumpfregion. Deswegen hat die Reform der Steuer, über die am kommenden Freitag entschieden werden soll, auch Auswirkungen für jeden, der wohnt. 164 Euro zahlte jeder Haushalt 2017 im Schnitt, die Belastung war in Bremen mit durchschnittlich 293 Euro am höchsten und im Landkreis Bamberg mit 82 Euro am niedrigsten.

Trotzdem fühlte man sich in den vergangenen Wochen ein bisschen wie beim Steuer-Quartett: Flächen- und Ertragswertmodell wurden in der Diskussion gegeneinander ausgespielt, Hebesätze und Steuermesszahlen verglichen, Bodenrichtwerte gegen Nettokaltmieten in Position gebracht. Die wichtigste Frage blieb unbeantwortet: Wie teuer wird es, je nachdem, ob bei der Berechnung künftig vor allem die Fläche eine Rolle spielt, wie von CDU und Immobilienwirtschaft favorisiert, oder ob der tatsächliche Immobilienwert die größte Bedeutung hat, wofür die SPD, angeführt vom Bundesfinanzminister, plädiert? Das Bodenwertmodell, das vor allem Ökonomen befürworten, weil es Anreize für Neubau und Nachverdichtung setzt, spielt in der politischen Entscheidung keine Rolle mehr.

Der Eigentümerverband Haus & Grund hat exklusiv für 17 reale Immobilien durchgerechnet, welche Belastungen je nach Modell auf Eigentümer beziehungsweise Mieter zukämen. Die Annahme war dabei, dass die Hebesätze, die die Kommune zur Ermittlung der Grundsteuerschuld souverän festlegt, konstant bleiben. Bisher gilt die Faustregel, dass die Hebesätze in wirtschaftsstarken Kommunen eher niedrig ausfallen, dafür sind dort die sogenannten Einheitswerte der Immobilien höher, die im Westen 1964 und im Osten 1935 festgelegt wurden. In strukturschwachen Regionen wie dem Ruhrgebiet sind die Einheitswerte niedrig, dafür haben die Kommunen ihre Hebesätze in den vergangenen Jahren aber in die Höhe geschraubt, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Mehrfamilienhaus
Berlin-Neukölln
Baujahr 1895
Wohnfläche 374 m²
Nettokaltmiete 6,15 €/m²

Grundstücksgröße 842 m²
Bodenrichtwert 1.800 €

Grundsteuer
Aktuell 3.733 €
Ertragswertmodell 2.300 €
Flächenmodell 742 €
Bodenwertmodell 12.276 €
Beispiel 1 Der Besitzer eines 1895 erbauten Mehrfamilienhauses in Berlin Neukölln mit vier Wohneinheiten, einer Wohnfläche von insgesamt 374 m², einer Nettokaltmiete von 6,15 Euro pro m², einer Grundstücksgröße von 842 m² und einem Bodenrichtwert von 1.800 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 131.667 Euro eine jährliche Grundsteuer von rund 3.733 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 2.300 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 742 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 12.276 Euro gezahlt werden.
Mehrfamilienhaus
Bottrop
Baujahr 1968
Wohnfläche 357 m²
Nettokaltmiete 5,94 €/m²

Grundstücksgröße 509 m²
Bodenrichtwert 205 €

Grundsteuer
Aktuell 1.183 €
Ertragswertmodell 978 €
Flächenmodell 734 €
Bodenwertmodell 2.004 €
Beispiel 2 Der Besitzer eines 1968 erbauten Mehrfamilienhauses in Bottrop in Nordrhein-Westfalen mit sieben Wohnungen, einer Wohnfläche von insgesamt 357 m², einer Nettokaltmiete von 5,94 Euro pro m², einer Grundstücksgröße von 509 m² und einem Bodenrichtwert von 205 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 49.697 Euro eine jährliche Grundsteuer von rund 1.183 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 978 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 734 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 2.004 Euro gezahlt werden.
Einfamilienhaus
Leipzig
Baujahr 2014
Wohnfläche 319 m²
Nettokaltmiete 5,37 €/m²

Grundstücksgröße 1.857 m²
Bodenrichtwert 125 €

Grundsteuer
Aktuell 102 €
Ertragswertmodell 1.258 €
Flächenmodell 656 €
Bodenwertmodell 1.509 €
Beispiel 3 Der Besitzer eines 2014 erbauten Einfamilienhauses in Leipzig in Sachsen mit einer Wohnfläche von insgesamt 319 m², einer Durchschnittsmiete von 5,37 Euro pro m²*, einer Grundstücksgröße von 1857 m² und einem Bodenrichtwert von 125 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 4.499 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 102 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 1.258 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 656 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 1.509 Euro gezahlt werden. Wenn der Hebesatz von derzeit 650 Prozent auf 60 Prozent gesenkt würde, so wären beim Ertragswertmodell jährlich ca. 116 Euro Grundsteuer zu zahlen, was den derzeitigen 102 Euro sehr nahe kommt. Der Wert des Äquivalenzmodells läge dann bei rund 61 Euro. Erst bei einem Hebesatz von 53 Prozent erreicht das Ertragswertmodell einen Wert von rund 102 Euro. In diesem Fall läge der Wert des Äquivalenzmodells bei gerade einmal rund 53 Euro. Der Hebesatz müsste also um fast 600 Prozent gesenkt werden um dem jetzigen Wert zu entsprechen.
Mehrfamilienhaus
Berlin-Neukölln
Baujahr 1895
Wohnfläche 4393 m²
Nettokaltmiete 6,64 €/m²

Grundstücksgröße 842 m²
Bodenrichtwert 1.800 €

Grundsteuer
Aktuell 3.733 €
Ertragswertmodell 10.670 €
Flächenmodell 7.253 €
Bodenwertmodell 12.276 €
Beispiel 4 Der Besitzer eines 1895 erbauten Mehrfamilienhauses in Berlin Neukölln mit 13 Wohnungen, einer Wohnfläche von insgesamt 4.393 m², einer Nettokaltmiete von 6,64 Euro pro m², einer Grundstücksgröße von 842 m² und einem Bodenrichtwert von 1.800 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 131.667 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 3.733 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 10.670 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 7.253 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 12.276 Euro gezahlt werden. Wenn der Hebesatz von derzeit 810 Prozent auf 285 Prozent gesenkt würde, so wären beim Ertragswertmodell jährlich ca. 3.754 Euro Grundsteuer zu zahlen, was den derzeitigen 3.733 Euro sehr nahe kommt. Der Wert des Äquivalenzmodells läge dann bei rund 2.552 Euro. Der Hebesatz müsste also um rund 525 Prozent gesenkt werden um dem jetzigen Wert zu entsprechen.
Einfamilienhaus
Bremen
Baujahr 1904
Wohnfläche 277 m²
Nettokaltmiete 6,41 €/m²

Grundstücksgröße 150 m²
Bodenrichtwert 480 €

Grundsteuer
Aktuell 192 €
Ertragswertmodell 705 €
Flächenmodell 406 €
Bodenwertmodell 500 €
Beispiel 5 Der Besitzer eines 1904 erbauten Einfamilienhauses in Bremen mit einer Wohnfläche von insgesamt 277 m², einer Durchschnittsmiete von 6,41 Euro pro m²*, einer Grundstücksgröße von 150 m² und einem Bodenrichtwert von 480 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 7.873 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 192 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 705 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 406 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 500 Euro gezahlt werden.
Einfamilienhaus
Bielefeld
Baujahr 1922
Wohnfläche 120 m²
Nettokaltmiete 5,44 €/m²

Grundstücksgröße 644 m²
Bodenrichtwert 330 €

Grundsteuer
Aktuell 211 €
Ertragswertmodell 463 €
Flächenmodell 243 €
Bodenwertmodell 1.403 €
Beispiel 6 Der Besitzer eines 1922 erbauten Einfamilienhauses in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen mit einer Wohnfläche von insgesamt 120 m², einer Durchschnittsmiete von 5,44 Euro pro m²*, einer Grundstücksgröße von 644 m² und einem Bodenrichtwert von 330 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 9.152 Euro eine jährliche Grundsteuer von rund 211 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 463 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 243 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 1.403 Euro gezahlt werden. Wenn der Hebesatz von derzeit 660 Prozent auf 300 Prozent gesenkt würde, so wären beim Ertragswertmodell jährlich ca. 210 Euro Grundsteuer zu zahlen. Dieser Wert kommt der derzeitigen Steuer von 211 Euro sehr nahe. Beim Äquivalenzmodell läge die Grundsteuer auf Basis dieses Hebesatzes dann bei jährlich rund 111 Euro. Der Hebesatz müsste also um 360 Prozent gesenkt werden damit sich die steuerlichen Werte angleichen.
Einfamilienhaus
Bielefeld
Baujahr 1896
Wohnfläche 276 m²
Nettokaltmiete 5,44 €/m²

Grundstücksgröße 990 m²
Bodenrichtwert 200 €

Grundsteuer
Aktuell 490 €
Ertragswertmodell 726 €
Flächenmodell 495 €
Bodenwertmodell 1.307 €
Beispiel 7 Der Besitzer eines 1896 erbauten Einfamilienhauses in Bielefeld in Nordrhein-Westfalen mit einer Wohnfläche von insgesamt 276 m², einer Durchschnittsmiete von 5,44 Euro pro m²*, einer Grundstücksgröße von 990 m² und einem Bodenrichtwert von 200 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 21.200 Euro eine jährliche Grundsteuer von rund 490 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 726 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 495 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 1.307 Euro gezahlt werden. Wenn der Hebesatz von derzeit 660 Prozent auf 445 Prozent gesenkt würde, so wären beim Ertragswertmodell jährlich ca. 489 Euro Grundsteuer zu zahlen, was den derzeitigen 490 Euro sehr nahe kommt. Der Wert des Äquivalenzmodells läge dann bei rund 334 Euro. Der Hebesatz müsste also um 215 Prozent gesenkt werden um dem jetzigen Wert zu entsprechen.
Einfamilienhaus
Pödeldorf
Baujahr 1983
Wohnfläche 143 m²
Nettokaltmiete 6,35 €/m²

Grundstücksgröße 513 m²
Bodenrichtwert 600 €

Grundsteuer
Aktuell 243 €
Ertragswertmodell 288 €
Flächenmodell 140 €
Bodenwertmodell 216 €
Beispiel 8 Der Besitzer eines 1983 erbauten Einfamilienhauses in Pödeldorf in Bayern mit einer Wohnfläche von insgesamt 143 m², einer Durchschnittsmiete von 6,35 Euro pro m²*, einer Grundstücksgröße von 513 m² und einem Bodenrichtwert von 600 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 19.276 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 243 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 288 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 140 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 216 Euro gezahlt werden.
Zweifamilienhaus
Landsberg am Lech
Baujahr 1989
Wohnfläche 200 m²
Nettokaltmiete 5,79 €/m²

Grundstücksgröße 388 m²
Bodenrichtwert 117 €

Grundsteuer
Aktuell 358 €
Ertragswertmodell 461 €
Flächenmodell 177 €
Bodenwertmodell 861 €
Beispiel 9 Der Besitzer eines 1989 erbauten Zweifamilienhauses in Landsberg am Lech in Bayern mit einer Wohnfläche von insgesamt 200 m², einer Durchschnittsmiete von 5,79 Euro pro m²*, einer Grundstücksgröße von 388 m² und einem Bodenrichtwert von 117 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 29.757 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 358 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 461 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 177 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 861 Euro gezahlt werden.
Einfamilienhaus
Jever
Baujahr 1980
Wohnfläche 189 m²
Nettokaltmiete 5,1 €/m²

Grundstücksgröße 740 m²
Bodenrichtwert 95 €

Grundsteuer
Aktuell 172 €
Ertragswertmodell 316 €
Flächenmodell 200 €
Bodenwertmodell 267 €
Beispiel 10 Der Besitzer eines 1980 erbauten Einfamilienhauses in Jever in Niedersachsen mit einer Wohnfläche von insgesamt 189 m², einer Durchschnittsmiete von 5,10 Euro pro m²*, einer Grundstücksfläche von 740 m² und einem Bodenrichtwert von 95 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 17.435 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 172 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 316 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 200 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 267 Euro gezahlt werden. Wenn der Hebesatz von derzeit 380 Prozent auf 207 Prozent gesenkt würde, so wären beim Ertragswertmodell jährlich ca. 172 Euro Grundsteuer zu zahlen, was dem derzeitigen Wert entspricht. Der Wert des Äquivalenzmodells läge dann bei rund 109 Euro. Der Hebesatz müsste also um 173 Prozent gesenkt werden um dem jetzigen Wert zu entsprechen.
Einfamilienhaus
Jena
Baujahr 1936
Wohnfläche 110 m²
Nettokaltmiete 4,94 €/m²

Grundstücksgröße 554 m²
Bodenrichtwert 260 €

Grundsteuer
Aktuell 80 €
Ertragswertmodell 260 €
Flächenmodell 164 €
Bodenwertmodell 713 €
Beispiel 11 Der Besitzer eines 1936 erbauten Einfamilienhauses in Jena in Thüringen mit einer Wohnfläche von insgesamt 110 m², einer Durchschnittsmiete von 4,94 Euro pro m²*, einer Grundstücksfläche von 554 m² und einem Bodenrichtwert von 260 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 6.237 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 80 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 260 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 164 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 713 Euro gezahlt werden
Einfamilienhaus
Neulußheim
Baujahr 1982
Wohnfläche 230 m²
Nettokaltmiete 6,14 €/m²

Grundstücksgröße 375 m²
Bodenrichtwert 340 €

Grundsteuer
Aktuell 487 €
Ertragswertmodell 444 €
Flächenmodell 187 €
Bodenwertmodell 446 €
Beispiel 12 Der Besitzer eines 1982 erbauten Einfamilienhauses in Neulußheim in Baden-Württemberg mit einer Wohnfläche von insgesamt 230 m², einer Durchschnittsmiete von 6,14 Euro pro m²*, einer Grundstücksfläche von 375 m² und einem Bodenrichtwert von 340 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 39.727 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 487 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 444 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 187 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 446 Euro gezahlt werden.
Etagenwohnung
Berlin-Neukölln
Baujahr 1907
Wohnfläche 167 m²
Nettokaltmiete 8,03 €/m²

Grundstücksgröße Anteil an insgesamt 900 m²
Bodenrichtwert 3.500 €

Grundsteuer
Aktuell 400 €
Ertragswertmodell 701 €
Flächenmodell 275 €
Bodenwertmodell 797 €
Beispiel 13 Der Besitzer einer Eigentumswohnung in einem 1907 erbauten Mehrfamilienhauses in Berlin Neukölln mit 32 Wohnungen, einer Wohnfläche von insgesamt 167 m², einer Nettokaltmiete von 8,03 Euro pro m², einem Eigentumsanteil von ca. 31,25/1.000 der gesamten Grundstücksfläche von 900 m² und einem Bodenrichtwert von 3.500 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 14.111 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 400 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 701 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 275 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 797 Euro gezahlt werden. Wenn der Hebesatz von derzeit 810 Prozent auf 465 Prozent gesenkt würde, so wären beim Ertragswertmodell jährlich ca. 402 Euro Grundsteuer zu zahlen, was den derzeitigen 400 Euro sehr nahe kommt. Der Wert des Äquivalenzmodells läge dann bei rund 158 Euro. Der Hebesatz müsste also um 345 Prozent gesenkt werden um dem jetzigen Wert zu entsprechen.
Mehrfamilienhaus
Berlin-Steglitz
Baujahr 1903
Wohnfläche 1290 m²
Nettokaltmiete 6,95 €/m²

Grundstücksgröße 892 m²
Bodenrichtwert 2.400 €

Grundsteuer
Aktuell 1.652 €
Ertragswertmodell 4.783 €
Flächenmodell 2.233 €
Bodenwertmodell 17.340 €
Beispiel 14 Der Besitzer eines 1903 erbauten Mehrfamilienhauses in Berlin-Steglitz mit 16 Wohnungen, einer Wohnfläche von insgesamt 1290 m², einer Nettokaltmiete von 6,95 Euro pro m², einer Grundstücksfläche von 892 m² und einem Bodenrichtwert von 2.400 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 58.287 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 1.652 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 4.783 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 2.233 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 17.340 Euro gezahlt werden.
Einfamilienhaus
Berlin-Tempelhof
Baujahr 1982
Wohnfläche 117 m²
Nettokaltmiete 6,93 €/m²

Grundstücksgröße 667 m²
Bodenrichtwert 320 €

Grundsteuer
Aktuell 396 €
Ertragswertmodell 655 €
Flächenmodell 298 €
Bodenwertmodell 1.729 €
Beispiel 15 Der Besitzer eines 1982 erbauten Einfamilienhauses in Berlin Tempelhof mit einer Wohnfläche von insgesamt 117 m², einer Durchschnittsmiete von 6,93 Euro pro m²*, einer Grundstücksfläche von 667 m² und einem Bodenrichtwert von 320 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 13.958 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 396 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 655 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 298 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 1.729 Euro gezahlt werden. Wenn der Hebesatz von derzeit 810 Prozent auf 490 Prozent gesenkt würde, so wären beim Ertragswertmodell jährlich ca. 396 Euro Grundsteuer zu zahlen. Beim Äquivalenzmodell läge die Grundsteuer auf Basis dieses Hebesatzes dann bei jährlich rund 180 Euro. Der Hebesatz müsste also um 320 Prozent gesenkt werden damit sich die steuerlichen Werte angleichen.
Etagenwohnung
München-Ottobrunn
Baujahr 1985
Wohnfläche 86 m²
Nettokaltmiete 7,49 €/m²

Grundstücksgröße Anteil an insgesamt 1.206 m²
Bodenrichtwert 1.600 €

Grundsteuer
Aktuell 163 €
Ertragswertmodell 321 €
Flächenmodell 104 €
Bodenwertmodell 929 €
Beispiel 16 Der Besitzer einer Eigentumswohnung in einem 1985 erbauten Mehrfamilienhauses in München Ottobrunn mit einer Wohnfläche von insgesamt 86 m², einer Durchschnittsmiete von 7,49 Euro pro m², einem Eigentumsanteil von ca. 89,979/1.000 der gesamten Grundstücksfläche von 1206 m² und einem Bodenrichtwert von 1.600 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 8.705 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 163 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 321 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 104 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 929 Euro gezahlt werden.
Einfamilienhaus
Pullach
Baujahr 1992
Wohnfläche 147 m²
Nettokaltmiete 6,24 €/m²

Grundstücksgröße 230 m²
Bodenrichtwert 1.800 €

Grundsteuer
Aktuell 626 €
Ertragswertmodell 363 €
Flächenmodell 77 €
Bodenwertmodell 932 €
Beispiel 17 Der Besitzer eines 1992 erbauten Einfamilienhauses in Pullach Landkreis München mit einer Wohnfläche von insgesamt 147 m², einer Durchschnittsmiete von 6,24 Euro pro m²*, einer Grundstücksfläche von 230 m² und einem Bodenrichtwert von 1800 Euro, zahlt, auf Basis des derzeitigen Einheitswertes von 79.797 Euro, eine jährliche Grundsteuer von rund 626 Euro. Beim Ertragswertmodell fielen ca. 363 Euro und beim Äquivalenzmodell ca. 77 Euro an. Beim Bodenwertmodell müssten jährlich rund 932 Euro gezahlt werden.

*) Für das Ertragswertmodell stellt die Nettokaltmiete eine wichtige Bemessungsgrundlage dar. Da die meisten Ein- und Zweifamilienhäuser jedoch nicht vermietet, sondern vom Besitzer selbst genutzt werden, hat das Bundesministerium der Finanzen eine Mietwerttabelle erstellt. Mit dieser Tabelle können die durchschnittlichen Nettokaltmieten für Ein- und Zweifamilienhäuser geschätzt werden. Auch wir haben uns in den Fallbeispielen von Ein- und Zweifamilienhäusern an dieser Tabelle orientiert.


Auch wenn die Hebesätze nach unten angepasst würden, zeigen die Beispiele deutlich: Kommt das wertabhängige Ertragsmodell zum Zug, wird es vor allem für Großstadtbewohner deutlich teurer. Dabei trifft es den Osten besonders hart, wie die Beispiele aus Jena und Leipzig zeigen, weil die Immobilienbewertung dort seit 84 Jahren nicht angepasst wurde. Gerade in den vergangenen zehn Jahren haben die Immobilienpreise in ostdeutschen Großstädten aber zugelegt. Geht man davon aus, dass das Gesamtaufkommen konstant bei 14 Milliarden Euro bleibt, würde hingegen das Flächenmodell eher zu einer Umverteilung des Aufkommens von Stadt in Richtung Land führen, wo in der Regel auf mehr Platz gewohnt wird.


Redaktion: Judith Lembke
Grafik: Carsten Feig, Jens Giesel
Quellen: Haus & Grund, Bertelsmann Stiftung, Statistisches Bundesamt

Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 28.01.2019 10:11 Uhr