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Einrichtung : Zurück in die Neunziger

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Der Tavolo con Ruote ist durch Pinterst, Instagram und Co wieder präsent. Bild: Fontana Arte

Glas, Stahl, erdige Töne: Der Minimalismus der Yuppie-Moderne kehrt in den Innenraum zurück und erfindet sich neu.

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          Als Jahrzehnte des guten Geschmacks sind die Achtziger und Neunziger nicht gerade bekannt. Zu viel Farbe, zu viel Plüsch, zu viel Plastik – das sind die Eindrücke, die aus dieser Zeit geblieben sind und die neuerdings wieder auftauchen, etwa im Bachelorette-Anwesen von Popstar Miley Cyrus, das auch mit dem „Carlton“-Regal von Memphis-Begründer Ettore Sottsass von 1981 nicht mehr zu retten ist. So überladen ist die Villa mit Neon und Animal-Print-Dekor.

          Oft vergessen wird, dass in den vergangenen beiden Jahrzehnten des zurückliegenden Jahrhunderts schon eine Gegenbewegung zum Horror Vacui entstand. Ganz anders als der neureiche Neobarock à la Trump, Neon-Pop und Martha Stewarts Landhausstil zeichnete sich der Minimalismus der Yuppie-Moderne mit seinen großzügigen Lofts und Penthäusern durch einen Hang zu Feng Shui und Zen-Buddhismus aus. Was sich in der Mode durch die geradlinigen Entwürfe Jil Sanders, Helmut Langs und Calvin Kleins ausdrückte, das gab es auch in der Architektur und im Interior-Design.

          Schließlich begünstigte der Börsen-Boom dieser Jahrzehnte und die nahende Jahrtausendwende auch die Ära der Star-Architekten, die spektakuläre Monumentalbauten aus Glas, Stahl und Titan schufen. Aus dieser Zeit stammt Frank Gehrys Guggenheim-Museum in Bilbao. Der Bau hat die Stadt so aufgewertet, dass man mit dem Bilbao-Effekt direkt einen Namen für den damit begründeten Architekturtourismus erfand. I.M. Pei entwarf lichte Museumspaläste, unter anderem die Pyramide des Louvre, Peter Zumthor die Term Vals und das Kunsthaus Bregenz, Shigeru Ban baute mit dem Wall-less House ein schwereloses, monochromes Glasgebilde, das aus der Zukunft stammen könnte. Und Architekten wie Renzo Piano, Rem Koolhaas, Zaha Hadid und Axel Vervoordt sind in dieser Zeit zu Ikonen geworden.

          „American Psycho“ verkörpert den Stil

          Je näher die Jahrtausendwende rückte, desto mehr hielt die glatte, perfektionistische Ästhetik auch Einzug in die Innenraumgestaltung. Das Bauhaus kam zurück, ergänzt um neue Materialien wie Polycarbonat und Stahl. Der Stil dieser Zeit wird noch immer im Film-Apartment von Patrick Bateman aus „American Psycho“ am besten verkörpert, das mit seinen klaren Linien und gedeckten Farben, mit „Barcelona“-Sesseln und minimalistischen zeitgenössischen Stücken eine Katharsis vom bisherigen Blümchen-Plüsch-Farben-Kitsch darstellte. Befördert hat diese Entwicklung vielleicht, dass Philippe Starck in den Neunzigerjahren mit seiner Zitruspresse für Alessi oder dem Louis Ghost Chair für Kartell gutes Design massentauglich machte.

          Beistelltisch Distinct: Der cremefarbene Naturstein Travertin erlebt eine Renaissance.
          Beistelltisch Distinct: Der cremefarbene Naturstein Travertin erlebt eine Renaissance. : Bild: ferm living

          Die Yuppie-Moderne lebt gerade wieder auf. Viele Stilelemente aus dieser Zeit kommen nach Jahrzehnten zurück – auch wenn der Minimalismus schon seit Jahren als todgeweiht gilt. Nicht umsonst erinnern die Bilder von Kanye West und Kim Kardashians Haus aus dem vergangenen Jahr – geschaffen vom genannten Axel Vervoordt – an die Monochromie der Neunzigerjahre. Aber nicht nur die weiß-beige Palette, auch Materialien und Entwürfe aus dieser Zeit sind wieder zu sehen.

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