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Einrichtung : Zurück in die Neunziger

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So könnte der Terrazzo-Trend der vergangenen Jahre bald durch Travertin abgelöst werden. Das cremefarbene Naturgestein hat eine ähnlich reiche Geschichte wie Terrazzo und schmückt vom Kolosseum, den Säulen des Petersplatzes über die Pariser Sacré-Cœur de Montmartre und das Shell-Gebäude in Berlin bekannte Bauten durch alle Epochen und Länder hinweg. Ganz verschwunden war der beliebte Baustoff nie, so ziert er zum Beispiel die Fassade des Jüdischen Museums in München, nun aber rückt er in den Innenraum vor. Ob als kleines Accessoire, als Ess- oder Couchtisch, der vielleicht seit dreißig Jahren sein Dasein im Keller gefristet hat, Travertin-Möbel avancieren wieder zu Schmuckstücken bei Design-Liebhabern.

Glas erlebt eine Renaissance

Neben Travertin erlebt Glas eine Renaissance. Würde man die schwebenden Glaskonstruktionen der Neunziger ins Innere übertragen, so fänden sie in Paolo Pivas filigranem „Alanda“-Couchtisch ihr Pendant, dem Tisch, den man auch in „American Psycho“ sieht. Ebenso wie der gläserne „Tavolo con Ruote“ (Tisch mit Rädern) der italienischen Architektin Gae Aulenti wird der Entwurf aus den Achtzigern gerade zu einem Klassiker der Gegenwart, den man in Wohnmagazinen sowie auf Instagram und Pinterest in so mancher Wohnung sieht. Dazu gesellen sich Nachttische, Regale und kleine Möbel aus Plexiglas und dem noch widerstandsfähigeren Polycarbonat – Materialien, die in den Neunzigern hochwertige Formen erschwinglich machten.

 Sofa Togo von Ligne Roset zählt zu den angesagten Klassikern.
Sofa Togo von Ligne Roset zählt zu den angesagten Klassikern. : Bild: Ligne Roset

Dass ausgerechnet diese Materialien und Farben wiederkommen, mag einfach am Trendzyklus liegen, der alle paar Jahrzehnte altbewährte Entwürfe wieder ausspeit. Es hat aber womöglich auch damit zu tun, dass diese lichten, hellen Materialien die Beengtheit der eigenen vier Wände, in denen man dieser Tage mehr Zeit verbringt, ein bisschen aufbrechen. Aber nicht nur Materialien, die mehr Raum suggerieren, sondern auch solche, die mehr Wärme ins Haus bringen, sind im Kommen.

Helles Holz zum Beispiel, das lange nicht gerade als Augenweide galt, komplementiert die Farbpalette aus hellen, erdigen Tönen. So sieht man nicht nur Rattan und Bambus in allen Formen, sondern auch etwa die Sperrholz-Designs von Jasper Morrison, wie den „Plywood Chair“, 1988 als Bote der „neuen Einfachheit“ entworfen.

Das Hauptmöbel aber war damals und ist heute wieder das Sofa. Passend zu einem Zuhause zum Verweilen ist es groß und gemütlich, oft aus Leder oder ausgefallen schräg. „Togo“, der amorphe Klassiker von Ligne Roset, der zwar schon in den Siebzigern entworfen wurde, aber seine Hochphase in den Neunzigern erlebte und in dieser Zeit um Farben, Materialien und Eckelemente ergänzt wurde, wird als Lieblingsstück von Millennial-Yuppies von heute wieder allgegenwärtig.

Die Plissee-Lampe ist zurück

Nicht nur bei den Möbeln, auch in den Details gibt es ein Revival. Nachdem schon erdtonige Keramik in den vergangenen Jahren wieder zum Trend wurde, kommt mit der Rückkehr der Plissee-Lampe das ebenfalls lange als altbacken verschriene Accessoire zurück. Gerade in Stoffvarianten bringt dieses alte Stück, das auch ein Favorit-Dekor des Designers Jasper Conran ist, besonders schönes, leicht gestreutes Licht in dunkle Räume.

Die Zeiten des Minimalismus sind längst nicht vorbei, vielmehr bringt der neue Retro-Minimalismus mehr Textur in das monochrome Bild. Und wer weiß, vielleicht kommt auch der Retro-Futurismus jener Ära bald wieder, mit Lava-Lampen und aufblasbaren Möbeln.

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