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Gentrifizierung : Hamburg pflegt sein Soziotop

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Die geschickt inszenierte „künstlerische Inbesitznahme“ und das konziliante Auftreten machten die Aktion anschlussfähig an das bürgerliche Lager. Die Lokalpresse berichtete anerkennend von den „Künstlern, die für den Erhalt historischer Häuser kämpfen“. Das Gängeviertel wurde zum Symbol für den Kampf gegen Gentrifizierung, Spekulation mit Wohnraum und den Ausverkauf der Stadt.

Friseur, veganes Café und feministischer Sexshop

Zahlreiche ähnliche Initiativen vernetzten sich zur „Recht auf Stadt“-Bewegung. Hamburg musste reagieren und kaufte das Gängeviertel schließlich zurück. Danach begann ein langwieriger Prozess, mit zähen Verhandlungen und der Sanierung erster Häuser noch unter städtischer Regie. Mit dem nun ausgehandelten Erbpachtvertrag geht die Verantwortung an die Genossenschaft über. „Damit geht die Arbeit für uns eigentlich erst richtig los“, sagt René Gabriel, der als Besetzer der ersten Stunde und zunächst als Vereinsvorsitzender und später im Aufsichtsrat der Genossenschaft die Verhandlungen mit der Stadt während der zehn Jahre mitgeführt hat.

Saniert ist schon das Herzstück des Viertels, die „Fabrik“, in der mal Gürtel und Schnallen produziert wurden. Sie ist heute ein soziokulturelles Zentrum. Auf fünf Stockwerken befinden sich unter anderem eine Probebühne, Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Seminarräume. „Das ist ein offenes Haus mit niedrigschwelligen Angeboten“, erklärt René Gabriel die Idee. Dort finden vielfältige kulturelle Veranstaltungen, Seminare und Workshops statt, häufig „in Kooperation mit Schulen und sozialen Trägern“, sagt Gabriel, der gerade sein Studium abschließt und mit Bildungsprojekten sein Geld verdient. Die Kurse sind oft ebenso kostenlos wie die Konzerte und anderen Veranstaltungen, Spenden aber ausdrücklich erwünscht. Auch nebenan, in der vom Gängeviertel-Verein betriebenen „Jupi-Bar“, arbeiten die Mitglieder ehrenamtlich, und Gäste zahlen, was sie wollen.

In den zwei anderen schon sanierten Häusern gibt es neben gewerblichen Nutzern – darunter ein Friseur, ein veganes Café und ein feministischer Sexshop – auch sechzehn öffentlich geförderte Wohnungen mit Eingangsmieten von 5,80 Euro je Quadratmeter. Wer hier wohnen will, braucht einen Wohnberechtigungsschein und muss Mitglied der Genossenschaft sein. Auch René Gabriel wohnt hier mit seiner Freundin und der gemeinsamen Tochter. Weitere 59 geförderte Wohnungen sollen in den neun noch zu sanierenden Häusern entstehen, darunter zahlreiche Atelierwohnungen für Künstler.

Es geht um mehr als nur günstiges Wohnen

„Dabei geht es aber nicht nur um günstiges Wohnen in der Innenstadt“, versichert Gabriel, „die Leute sollen sich einbringen, um das Gängeviertel als soziokulturelles Projekt für die Stadt am Leben zu halten.“ 400 Mitglieder hat die Genossenschaft heute, darunter viele Fördermitglieder, die die Ideen gut finden und sie finanziell unterstützen. Bei allem Idealismus dürfte die Vergabe der Wohnungen in den kommenden Jahren „noch zu Konflikten führen“, wie eine Künstlerin am Rande der Jubiläumsfeier sagt. „Ich bin froh, dass ich das nicht entscheiden muss.“ Auch inwieweit sich der Wunsch nach Freiräumen dauerhaft mit den Zwängen als verantwortlicher Vermieter vereinbaren lässt, muss sich noch beweisen.

Grundsätzlich ist die Zukunft des Gängeviertels aber gesichert, und Hamburg hat dazugelernt, dass „nicht nur Künstler solche Orte brauchen, sondern auch die Stadt selbst“, wie René Gabriel sagt. Kultursenator Carsten Brosda hatte es nach der Einigung ähnlich formuliert: „Im Herzen der Stadt sind hier die für Kunst und Kultur so wichtigen Räume und Freiräume entstanden.“

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