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Finanzen : Geldanlage in Immobilien immer beliebter

Viele Immobilienfonds müssen immer wieder die Annahme neuer Mittel stoppen, weil sie die zufließenden Mittel gar nicht so schnell wieder wirtschaftlich sinnvoll investieren können. Bild: dpa

Die Immobilienfonds schwimmen im Geld, Immobilienaktien sind gefragt, und neue Unternehmen streben an die Börse. Droht eine Blase?

          4 Min.

          Gut ein Jahr ist es her, dass mit Vonovia erstmals ein Immobilienwert in den Dax aufgenommen wurde. Es ist das sichtbarste Zeichen einer Neubewertung der Anlageklasse Immobilien am Kapitalmarkt. Aber es ist nicht das einzige. Mit der Deutsche Wohnen AG ist ein zweiter Immobilienwert mit knapp 11 Milliarden Euro längst mehr wert als Dax-Konzerne wie Lufthansa (4,5 Milliarden Euro), Commerzbank (rund 7 Milliarden Euro) oder RWE (knapp 9 Milliarden Euro). Der Aufstieg in den Dax dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Mit Officefirst steht nun ein Immobilienwert als einer der größten Börsengänge des Jahres in den Startlöchern. Unter den größten Publikumsfonds des Landes führt der Fondsverband BVI mittlerweile nach dem Aktienfonds DWS Top Dividende mit 16 Milliarden Euro Anlagevermögen auf den folgenden Plätzen vier Immobilienfonds: den Deka Immobilien Europa mit 14 Milliarden Euro und den Hausinvest, den Uni Immo Europa und den Uni Immo Deutschland mit je rund 11 Milliarden Euro.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Viele Immobilienfonds müssen immer wieder die Annahme neuer Mittel stoppen, weil sie die zufließenden Mittel gar nicht so schnell wieder wirtschaftlich sinnvoll investieren können, wie die Anleger sie ihnen zuführen wollen. Aber auch Immobilienspezialfonds für institutionelle Anleger erfreuen sich hoher Beliebtheit. Hinzu kommen vermehrte Direktanlagen in Immobilien von Privatanlegern, Family Offices und Versicherern.

          In Spanien und Amerika gab es viele Jahre heftige Preissteigerungen

          Die dynamische Entwicklung der vergangenen Jahre und der Bedeutungsgewinn von Immobilien als Geldanlage liegt zu einem Gutteil in den niedrigen Kapitalmarktzinsen begründet. Der Kauf von Immobilien kann so wesentlich günstiger finanziert werden. Die Geldanlage rechnet sich deswegen in weit mehr Fällen als zuvor. Dass sich deswegen schon eine Blase bildet, sehen Beobachter nicht. „Wer sich Spanien und die Vereinigten Staaten vor dem Platzen der Immobilienblase anschaut, da ist die jetzige Situation in Deutschland ein Witz dagegen“, sagt Georg Kanders, Immobilienaktienanalyst des Bankhauses Lampe.

          In Spanien und Amerika gab es viele Jahre heftige Preissteigerungen, und die hohen Preise wurden fast ausschließlich mit Fremdkapital gezahlt. „Hierzulande beträgt der Eigenkapitalanteil der Finanzierung oft 50 Prozent, viele Versicherer oder Family Offices verwenden noch weniger Fremdkapital. Die Preise sind zudem im internationalen Vergleich immer noch niedrig“, sagt Kanders. „Bis wir von einer Blase sprechen können, dauert es noch.“ Er rät daher zu beherzten Engagements in Immobilienaktien. „Es wird gerade im unteren und mittleren Wohnungssegment viel zu wenig gebaut in Deutschland, so dass hier mit weiteren Mietsteigerungen kalkuliert werden kann“, sagt Kanders. Die Regulierung führe dazu, dass dies nicht sprunghaft geschehe, sondern in einem jahrelangen Anpassungsprozess mit Mietsteigerungen von 2 bis 4 Prozent. „Einen so nachhaltigen, verlässlichen Anstieg von Mittelzuflüssen, wie ihn viele Wohnimmobilienaktiengesellschaften bieten, schätzen Investoren sehr“, sagt der Analyst. Der Dax-Wert Vonovia zählt zu seinen Favoriten. Neben den Mietsteigerungen machten weitere Zinseinsparungen und Höherbewertungen des Immobilienbestands die Aktie des Bochumer Marktführers mit 400 000 Immobilien attraktiv.

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