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Bäume für Insekten : Darauf fliegen die Bienen

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Heptacodium ­miconioides (Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch) ist einer der attraktiven Spät­sommerblüher – und hierzulande noch wenig bekannt. Bild: Marion Nickig

Es muss nicht nur die Linde sein. Auch andere Baumarten ziehen Insekten an. Wer richtig pflanzt, kann die Tiere bis in den Herbst mit Nahrung versorgen.

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          Sie haben ein großes Herz für Bienen und Hummeln und schon viele entsprechende Stauden in Ihrem Garten? Bravo! Tütchen mit entsprechendem Saatgut bekommt man ja inzwischen selbst an der Tankstelle gratis. Allerdings können Sie noch viel mehr gezielt für die fliegenden Nutztiere tun. Gönnen Sie ihnen etwas ganz Besonderes, pflanzen Sie jetzt Felsenbirne, Blasenbaum oder ein apartes Gehölz mit dem mystischen Namen Sieben Söhne des Himmels!

          Mit diesen und vielen anderen Bäumen und Sträuchern bereiten Sie den für uns so immens wichtigen fliegenden Bestäubern himmlische Nahrung – und zwar von März bis September. Denn: „Eine einzelne Staude kann keinen Bienen- oder Hummelstaat ernähren, eine Linde bringt ihn durch den Juni, aber nicht mehr durch den Juli“, sagt Diplom-Ingenieur Klaus Körber.

          Wer hingegen bewusst bienenfreundliche Bäume und Sträucher pflanze, leiste damit einen wichtigen Beitrag, um den Insekten eine Blüten-Konstanz von Frühling bis Herbst zu ermöglichen. Körber ist langjähriger Experte und Landwirtschaftsdirektor an der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau im bayerischen Veitshöchheim und hat dort eine mehrjährige Studie durchgeführt. Auf 10 Hektar Versuchsgelände wurde ab 2001 über 15 Jahre ein Sortiment von 400 Baumarten und -sorten gepflanzt. Hauptaspekt der Untersuchung waren die Bedingungen des Klimawandels unter spezieller Berücksichtigung des Wertes der Bäume für Bienen und Hummeln. Das Ergebnis ist nicht nur Empfehlung und anregender Ansporn für die stetig steigende Zahl der Hobbyimker. sondern für alle, die einen Garten haben.

          Blütenpracht in leuchtendem Purpurrosa

          Der muss nicht mal groß sein, selbst im Vorgarten und im Kübel auf dem Balkon lassen sich kleinere bienenfreundliche Bäume unterbringen. Hauptsache, nach frühen Zwiebelblühern und neben zahlreichen Stauden gibt es noch zusätzlich reichlich Pollen und Nektar. Das geht schon im April los, der Aufzucht- und Vermehrungsphase der Bienen. Hier liefern sämtliche Obstgehölze Nahrung, vor allem Äpfel und Süßkirschen. Parallel blüht die malerische Felsenbirne (Amelanchier lamarckii), begleitet von ebenfalls für Vorgärten geeigneten Zieräpfeln. „Jeder Zierapfel, der Früchte ansetzt, ist vermutlich eine gute Bienenweide“, die sehr blühstarke Sorte ’Evereste‘ empfiehlt Körber besonders.

          Lockt Insekten:Chaenomeles superba   'Pink Lady' (Zierquitte) kann ganzjährig gepflanzt werden.
          Lockt Insekten:Chaenomeles superba 'Pink Lady' (Zierquitte) kann ganzjährig gepflanzt werden. : Bild: Marion Nickig

          Auch Zierkirschen weisen einen guten Nektar- und Pollenwert auf, im großen Sortiment sollten ungefüllt blühende Sorten bevorzugt werden. Hinzu kommen in der enormen Familie der Rosengewächse etliche Arten und Sorten von Vogelbeere sowie Weißdorn, Glanzmispel oder die Scheinquitte (Chenomeles). Deren Sorten mit Blüten in leuchtendem Zinnoberrot, Dunkelrosa oder Reinweiß sind eine Augenweide und mit einer Höhe bis zu rund einem Meter ideal für kleine Gärten. Gleiches gilt für bienenbegleitende Sträucher wie Schlehe, Mahonie und den Judasbaum (Cercis canadensis). Der ist zum einen nützlich für Tiere. Zum anderen bewundern immer mehr Gartenbesitzer den aus Nordamerika eingewanderten Kleinbaum wegen seines Habitus mit weit ausladenden Ästen und Blütenpracht in leuchtendem Purpurrosa.

          „Mit diesem Trio schafft man wertvolle Bienennahrung“

          Ganz anders die Robinie, die wird wegen ihrer invasiven Vermehrung von manchen inzwischen sogar eliminiert, trotz ihrer süß duftenden flirrenden Blütentrauben in Weiß oder Violett. Ein Fehler, findet Gartenbaufachmann Körber, für ihn ragt sie heraus als einer unserer wichtigsten Bienenbäume. „Der Nektar enthält viel Fructose, deswegen bleibt der Honig lange flüssig.“

          Da Robinien jedoch nicht überall in Deutschland verbreitet sind, dominiert die Linde den Blütenzeitraum der Frühsommertracht. „Bei guter Wasserversorgung produziert ein großer Baum mehrere Kilogramm Nektar pro Tag“, rechnet Körber vor. Der „klassische Menschenbegleiter“ sei in unseren Städten und Gemeinden der wichtigste Bienenbaum.

          Wer Bienen, Wildbienen und Hummeln besonders verwöhnen will, pflanzt die zuerst blühende Sommerlinde, zudem die zehn Tage später blühenden Winterlinden und die noch später blühenden Silberlinden. „Mit diesem Trio schafft man wertvolle Bienennahrung.“ Und selbst in kleinere Gärten passen Linden, wenn „man sie scharf zu Kugeln schneidet“. Oder als Hausbaum die kleinkronige Heinrichslinde (Tilia henryana) pflanzt. Diese blüht erst Anfang September und beendet den Lindenreigen.

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