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Zeitgeist trifft Tradition : Gärten zum Essen

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Königliche Kräuterbeete: Der Potager du Roi im französischen Versailles ist der größte Küchengarten seiner Art in Europa. Bild: AFP

Gemüsebeete von königlich bis bürgerlich haben in den letzten Jahrhunderten unsere Esskultur geprägt. Jetzt erlebt der Küchengarten überall in Europa ein Revival. Das hat mit Tradition zu tun, aber auch mit Zeitgeist.

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          Garten und Essen, das gehört seit Urzeiten zusammen. Wenn wir Gemüse und Obst selbst anbauen, ob beim Urban Gardening, im eigenen Garten oder in Töpfen auf dem Balkon, setzen wir damit die alte Tradition des Bauern-, Nutz- und Küchengartens fort. Der berühmteste in Europa ist Villandry an der Loire, ein impressionistisches Gemälde. Gemüsebeete als farblich gemixte Mosaike, Salate stehen stramm Spalier, Kohlköpfe sind ornamental arrangiert. Allerdings – zur Selbstversorgung war und ist der lukullische Luxus an der Loire wenig gedacht. Ganz anders als im Potager du Roi, Europas größter Anlage dieser Art. Der Königliche Küchengarten in Versailles war einst luxuriös gefüllte Speisekammer für Ludwig den XIV. und seinen gigantischen Hofstaat.

          Aus diesen zwei Vorzeigeanlagen trafen sich kürzlich im Gartenreich Dessau-Wörlitz die Chefgärtner zum Erfahrungsaustausch mit Kollegen aus ganz Europa. „Küchengärten zwischen Tradition und Trend“ lautete das Motto. Die Tradition, die aus Notwendigkeit entstand, ist immer noch reich und lebendig. Wie im schwedischen Schloss Gunnebo nahe Göteborg, einem Klassizismus-Kleinod aus dem 18. Jahrhundert. Dort wurde der historische Küchengarten wiederbelebt und wird nun komplett ökologisch beackert. Die Ernte verarbeitet der kochende Gärtner Patrik Sewerin im Schlossrestaurant, vom Spalierobst bis zum Spargel.

          „Ohne Küchengärten hätten wir in den letzten dreihundert Jahren keine Esskultur gehabt“, urteilt Jost Albert. Der Gartendirektor der Bayerischen Staatlichen Schlösser engagiert sich für dieses Erbe in einem Küchengarten-Netzwerk. Dazu gehören neben vielen andern Anlagen im Ausland unter anderem auch der Prinz-Georg-Garten in Darmstadt, Kloster Seligenstadt, Schloss Benrath und Veitshöchheim.

          Klimawandel, Biodiversität und Artensterben

          Wie man die Tradition erhält und dennoch heutigen Anforderungen – Klimawandel, Biodiversität, Arten- und Insektensterben – gerecht wird, erklärte Versailles’ Chefgärtner Antoine Jacobsohn. Der Amerikaner hat seit seinem Antritt 2007 im einst royalen Gourmetgarten einiges umgekrempelt. Es wird konsequent biologisch gegärtnert, Pestizide sind tabu, und unter den endlosen Spalierobstalleen mit alten Sorten wächst Klee, „nicht historisch, aber toller Gründünger und Schutz vor Austrocknung“. Gras zwischen den Rabatten war früher verpönt, heute ist alles „übergrünt“, grinst Jacobsohn, das sei viel besser als nackte braune Erde. Auch damit präpariert er den Prestige-Potager für die Zukunft. Fast hat das etwas von Urban Gardening, liegt er doch inmitten der Stadt und ist öffentlich zugänglich. Die Studenten der angegliederten Hochschule experimentieren in eigenen Beeten, und es gibt zahlreiche praxisnahe Workshops für Kinder und Erwachsene.

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