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Gartengestaltung : Farbenrausch zu Pfingsten

  • -Aktualisiert am

Züchter Steffen Schulze in seinem Schaugarten in Wettin-Löbejün in Sachsen-Anhalt. Bild: Jens Haentzschel

Die Pfingstrose begeistert im Frühjahr Gartenliebhaber. Für den Züchter Steffen Schulze hat sie noch ganz andere Vorzüge als ihre opulente Erscheinung.

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          Dieses Jahr war mal wieder alles etwas anders. Schon Anfang April, als Narzissen und Tulpen noch mit erhobenen Köpfen im Beet ihren Auftritt genossen, zeigten sich in einigen Privatgärten die ersten Knospenansätze bei den Pfingstrosen. Mal zartrosa, mal kräftig rot, drückten sie sich aus dem Blattgrün. Ein Anblick, der Gärtnerherzen höherschlagen lässt. Wie immer wunderschön anzusehen, aber insgesamt zu zeitig. Wenige Wochen später explodierten die einfachen wie gefüllten Knospen dann in den Gärten in einem Farbspektrum, das von Mandelweiß über Chiffongelb bis hin zu Korallenrot reicht.

          Die Pfingstrose, botanisch Päonie, hat eine lange Kulturgeschichte. Benannt ist sie nach Paian, dem Gott der Heilkunde, der mit einer Pfingstrose die Wunden des Gottes Pluton geheilt haben soll. In China wird sie seit mehr als 2000 Jahren kultiviert und zählt zu den betörendsten Pflanzen der kaiserlichen Gärten. Man sagt ihr heilende und magische Wirkungen nach. Sie verzaubert durch Eleganz und Opulenz, gehört zu den schönsten Blühern im Mai. Sie kann die Massen in hysterische Begeisterung versetzen und dennoch dem Einzelnen das stolze Gefühl vermitteln, dass nur er allein versteht, wie grandios diese Pflanzengattung ist.

          Bei allen Geschichten rund um die Pfingstrose fällt dem Züchter Steffen Schulze im sachsen-anhaltischen Wettin-Löbejün ein eher pragmatischer Ansatz ein: Für ihn ist die Päonie eine Pflanze für faule Gärtner. Was irritiert, wenn er in seinem großen Schaugarten rumwirbelt und alles andere als träge wirkt. Denn Arbeit gibt es genug. Den Boden hacken und fräsen, die einzelnen Sorten pflegen und immer mal wieder bewässern. Alles Handarbeit auf mehr als zwei Hektar Fläche.

          Eigenzüchtung „Daniela“

          Der Mai ist für Steffen Schulze nicht nur ein arbeitsintensiver Monat, denn er fühlt sich wonnig wohl inmitten der leuchtenden Pracht: Hier unzählige Staudenpäonien oder die begehrten Intersektionellen, also Kreuzungen zwischen Strauch- und Staudenpäonien, dort Strauchpäonien der Gattungen Lutea- und Rockii-Hybriden oder die beliebten Suffruticosa-Hybriden aus Asien, Europa oder den Vereinigten Staaten mit so wohlklingenden Namen wie ’Chateau de Courson‘, ’Princess Amelie‘, ’Ezra Pound‘ oder ’Leuchtende Verführung‘. Auf letztere Sorte ist Schulze besonders stolz, denn es ist eine seiner vielen eigenen Züchtungen.

          Wenn er übers Züchten spricht, leuchten seine Augen. Dann spürt man die Innigkeit zwischen Gärtner und Kultur. Dabei hat Schulze in den ersten Jahren noch unzählige Pflanzen dazugekauft. Nach und nach wagte er selbst erste Versuche, bevor er dann aus Neugier und mit immer mehr Elan mit der eigene Züchtung begann. Sorten wie ’Daniela‘, ’Friederike‘, ’Verrücktes Zebra‘ oder ’Emisa‘ sind längst Klassiker und lassen Schulze selbst aufblühen. Doch Züchtung kann man schwer planen. Sie braucht Zeit und ist ein Glücksspiel.

          Bei Strauchpäonien vergehen vom Samen bis zur ersten Blüte gut sechs Jahre. „Die erste Blüte ist wie ein Adrenalinrausch“, sagt Steffen Schulze. Wobei er nicht weiß, ob er diesen Rausch auch mit anderen teilen kann, denn vorerst ist die Züchtung noch sein privates Glück. Schon die Vorfreude auf den möglichen Erfolg ist ein Vergnügen. Es folgen Jahre der Beurteilung, des Umpflanzens, der erneuten Beurteilung. Erst nach sechs bis sieben weiteren Jahren kann Schulze dann die Marktreife erkennen, bevor es noch einmal drei Jahre dauert, bis er die ersten Pflanzen verkaufen kann. Bei Staudenpäonien geht das ganze Prozedere etwas schneller.

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