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Brunnenkresse : Kult-Gemüse mit Superkräften

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Die Kressewurzeln benötigen für das Wachstum frisches und vor allem sauberes Wasser, das hier dank der Quellen in der Nähe mineralisch und nährstoffreich ist. So wichtig das Wasser, so beliebig der Untergrund. Brunnenkresse braucht lediglich Halt, und den findet die Pflanze auf Sand oder im Schlamm. Wichtig wiederum ist die regelmäßige Düngung. Fischer nimmt verrotteten Pferdemist, der drei Wochen nach dem Ausbringen der Setzlinge gestreut wird.

Ausdauernde Wasserpflanze

Brunnenkresse gilt als ausdauernde Wasserpflanze, die von Mai bis zum September blüht. Vermehrt wird über Saatgut oder über Stecklinge. Vor Wildenten geschützt wird die Pflanze ganzjährig mit Netzen. „Es gibt einige Pflanzenviren, und auch der Falsche Mehltau macht uns manchmal zu schaffen. 2016 mussten wir die komplette Klinge entleeren und die befallenen Pflanzen vernichten, nachdem der Pilz festgestellt wurde. Das bedeutete keinen Ertrag und keine Einnahmen“, erzählt Fischer. „Ursache war damals das ungepflegte Umfeld um unsere Klinge herum.“

So routiniert Ralf Fischer sich durchs Jahr gärtnert, die Umwelteinflüsse fordern Tribut. Seit gut zehn Jahren häufen sich die Probleme, wenn das Quellwasser verschmutzt ist. „An manchen Tagen stinkt es in der Klinge regelrecht, und ich sehe es den Pflanzen an, dass sie leiden“, erzählt er. „Dann kann man zuschauen, wie die grünen Blätter gelb werden und ich mit der Ernte frühzeitig fertig werden muss.“

Die Brunnenkresse an sich braucht keinen Fürsprecher. Sie hat Super-Kräfte. Der Vitamin-C-Gehalt ist hoch, außerdem ist sie reich an Eisen, Phosphor, Jod und sogar Kalzium. Ihr Anteil an Senfölen hemmt Bakterien und Viren. Die Würze und Schärfe im Geschmack erinnert an Rettich oder Radieschen, mit denen das Kreuzblütengewächs verwandt ist. In Erfurter Mundart wird sie Braunkärsch genannt, andere Namen sind je nach Region Bachbitterkraut, Bornkersch oder Wassersenf.

Für Ralf Fischer ist die Brunnenkresse eine Herzensangelegenheit. Nach der Ernte drückt er mit einem Patschbrett die aus dem Wasser ragenden Wurzeln und Kressespitzen wieder unter die Wasseroberfläche zurück. So werden die Pflanzen vorm Austrocknen und vor Frost geschützt. 2006 wurden 5,5 Hektar des Dreienbrunnengebietes als Landschaftsbestandteil unter Schutz gestellt. Damit sollen die aktiven und die verfallenen Kresseklingen als einzigartige gartenbauliche Nutzungsform erhalten werden. Seit 2013 ist der traditionelle Anbau nach Reichart sogar ins Erfurter Denkmalbuch eingetragen.

Zur Bundesgartenschau 2021 in Erfurt wird die Brunnenkresse auch ein Thema, mit dem keine vorherige Buga aufwarten konnte. Aktuell überarbeitet Ralf Fischer seine Ausstellung auf dem Hof und richtet das kleine Brunnenkresse-Museum mit der Familiengeschichte neu ein. 2021 soll es hier Vorträge geben. „Ich werde im kommenden Jahr die Kresse nicht ganz zurückschneiden, die Leute sollen ja was sehen. Die Brunnenkresse hat eben nicht nur Vergangenheit, sondern soll auch Zukunft haben.“

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