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Gartenreich Dessau-Wörlitz : Ein Schlosspark, der bis heute verzaubert

  • -Aktualisiert am

Gotisches Haus im Park Wörlitz Bild: Janos Stekovics

Mitte des 18. Jahrhunderts schuf ein Fürst in Sachsen-Anhalt ein beachtliches Gartenreich. Spaziert man heute durch dieses Kunstwerk, erwartet einen das gesamte Repertoire des englischen Landschaftsgartens.

          5 Min.

          Gartenreisen nach Großbritannien? Gestrichen in diesem Sommer unseres Missvergnügens. Macht nichts, auf nach Sachsen-Anhalt. Haben wir mit den Wörlitzer Anlagen im Gartenreich Dessau-Wörlitz, Unesco-Welterbe seit zwanzig Jahren, doch den vermutlich ersten englischen Landschaftsgarten auf dem Kontinent. 112 Hektar kunstvoll gestaltete Natur, angereichert mit malerischen Architekturen. Ein Paradies für alle, keine Zäune, kein Eintritt und obendrein, blendet man die das Gartenreich zerteilende Autobahn, zersiedelte Landschaft drum herum und das nahe, stillgelegte Kraftwerk Vockerode aus, größtenteils original erhalten wie seit seiner Entstehung ab 1764.

          Da kehrt der junge Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau von seiner ersten England-Reise zurück. Dort hat er auf einer „Grand Tour“ die berühmte neue Mode der Gärten im „natürlichen“ Stil bewundert, und erschafft in seinem winzigen Herzogtum – 700 Quadratkilometer, 35.000 Einwohner – ein Gartenreich nach diesen Vorbildern. Kongeniale Partner sind der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff und der Hofgärtner Johann Friedrich Eyserbeck. Erdmannsdorff baut nah am Seeufer das erste neoklassizistische Schloss Deutschlands (heute frisch restauriert) und auch fast alle Parkgebäude im Stil der Antike. Drei weitere England-Reisen später ist Wörlitz so perfekt kopiert und komponiert, dass der englische Diplomat Charles Stewart 1813 ausruft: „God dam, ich bin in England!“

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