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Vorgarten-Makeover : Das Seerosen-Glück

Ist der Teich erst angelegt, kommt der tierische Besuch von ganz alleine vorbei. Bild: Ingo Bartussek/Westend61/F1onlin

Aus dem braunen Rasenfleck soll ein blühender Bauerngarten werden. Viel Kapital braucht es nicht, Phantasie und Einsatz umso mehr. Unsere Autorin Ursula Kals über ihr persönliches Vorgarten-Makeover.

          Der Vorgarten war kein Vorgarten, sondern eine rechteckige, zauselige Rasenfläche, größer als so mancher Reihenhausgarten. Dem vermoosten Gras hatte der Tropensommer den Rest gegeben. Die Vormieter, berufstätig und in rascher Folge wechselnd, mähten das leicht abfallende Stück, und gut war’s. Das Gießen hatten sie eingestellt, um Wasser zu sparen und ein bisschen auch aus Faulheit. Was tun mit der braunen Brache? Schnell einigt sich die neu eingezogene Kleinfamilie: Es soll bauerngartenbunt zugehen und auf gar keinen Fall so zubetoniert wie schräg gegenüber in der Nachbarschaft. Dort ist kein Garten, sondern eine anthrazitdüstere Schotterfläche. Die Bewohner sind stolz ob des kargen Betons und finden ihren kümmerlichen Buchsbaum barock. Es sind freundliche Zeitgenossen, die andere Vorstellungen von Schönheit haben und unser Tun seit Herbst misstrauisch verfolgen, wenn sie uns neugierig mit Gebäck verköstigen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Am Küchentisch schmieden wir Pläne, so, wie es Fachleute empfehlen, und kommen uns dabei professionell vor: Welche Funktionen soll der Garten erfüllen? Welche Bedürfnisse stillen? Wollen wir dort sitzen, Ball spielen, ernten, soll er repräsentativ sein, oder ist uns das schnurzpiepegal, möchten wir in ihm regelmäßig viel arbeiten oder eher selten – was mit einem Bauerngarten unvereinbar ist?

          Wir werden uns rasch einig, was ehrlicherweise auch daran liegt, dass es hinter der Wohnung noch ein Gartenstück mit Kaninchengehege inklusive Acht-Fichten-Mini-Wäldchen gibt. Im Vorgarten soll zu jeder Jahreszeit etwas Farbenfrohes zu sehen sein. Wir möchten mit Inseln experimentieren, wünschen uns eine Bank als Blickfang, am Wasser führt kein Weg vorbei, sondern seit kurzem ein Rindenmulchpfad. Im vergangenen Herbst haben wir losgelegt. Zuerst wanderte die weiße Holzbank vor die Hauswand. Das sieht gemütlich aus und lockert die öde Fassade auf. Dahinter rankt Wein, vor 40 Jahren angepflanzt als kleiner Rebstock aus der Pfalz. Die Reben tun dem langweiligen Haus aus den sechziger Jahren gut. Aktuell zeigt sich leider nur dürres Holz. Eine kleine Laube, ein Pavillon, ach, das wär’ was, ist aber aufwendig, als viktorianisches Eisengeflecht teuer und wirkt womöglich zu möbliert. So bleibt vorerst die Bank, die mit Kissen bestückt auch Nachbarskinder und -katzen zum Verweilen einlädt.

          Steinhart, mit Kieseln und Wurzeln

          Und das Wasser? Der Zehnjährige hat Ferien und jede Menge Energie. Im Baumarkt kaufen wir für zehn Euro einen schwarzen Zementbottich, der wird vom Kind eingebuddelt. Das hört sich einfach an, ist aber eine Knochenarbeit, die nur mit Spitzhacke und Einsatzfreude gelingt. Den staubtrockenen Boden hart zu nennen ist eine glatte Untertreibung. Er ist steinhart, mit Kieseln und Wurzeln der Rotbuche des Nachbarn durchsetzt. Endlich klafft das Loch groß genug, der Bottich wird versenkt. Um den Plastik-rand zu verdecken, muss die bunte Keramikfroschsammlung herhalten. Da der Garten – zumindest zunächst – zwergenfrei bleibt, sieht das dermaßen kitschig aus, dass es schon wieder etwas hat. Im Gartencenter wird eine Schwimmpflanze erworben, eine Muschelblume. Die zeigt Blütenrosetten und sieht wunderschön aus. Das Tolle an dem Billigteich – er kostet vor allem Schweiß und macht Kindern Freude. Die bleiben beim Gassigehen mit dem Hund stehen und zählen die Frösche ab. Jedes Mal.

          Profis schaffen Gartenräume, komponieren Symphonien in Rot oder Blau und anspruchsvoll angelegte Themengärten. Von diesem Glück wollen wir ein kleines Stück. Den Auftakt macht ein Steingarten in einer Ecke. Wir pflanzen luftiges Zittergras und Blaukissen, bestücken alte Tontöpfe mit Hauswurz. Lampionblume und Erika leuchten gegen den Winterblues an. Dazu suchen wir interessant geformte Steine und schleppen Felsbröckchen an, der Sammeleifer führt dazu, dass wir quasi nur noch mit der Sackkarre spazieren gehen. Im Baumarkt gönnen wir uns drei große Kiesel, die an der Kasse ausgewogen werden, Kostenpunkt 7,20 Euro. Verrottete, nostalgisch bemooste Feldsteine zu arrangieren und neu zu positionieren macht Spaß. Das Kind findet auf einem Ausflug ein Stück Treibholz und verbaut es. Bewohnt wird es seither von einer Plastikeidechse.

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