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Bambus : Ein Gras für alle Fälle

  • -Aktualisiert am

Jan Kocourek in seinem Bambuswald Bild: Jens Haentzschel

Mit der Liebe zu Kung-Fu fing es an. Heute betreibt Jan Kocourek in Prag eine in Europa einzigartige Bambusgärtnerei, in der er das vielfältige Süßgras züchtet.

          5 Min.

          Grün ist die Farbe der Natur. Ihre Wirkung gilt als beruhigend. Mit keiner anderen Farbe verbinden sich so viele positive Assoziationen. Kein Wunder, dass die Psychologie auf Grün zurückgreift. So wird die Farbe eingesetzt, um Menschen mit psychischen Problemen im Heilungsprozess zu unterstützen.

          Die Kraft der Farbe Grün spürt Jan Kocourek jeden Tag in seiner Bambusgärtnerei in Prag aufs Neue. Um ihn herum grünt es üppig – und das zu jeder Jahreszeit. Doch während andere auf ein ausgetüfteltes Farbkonzept setzen und akribisch Beete über verschiedene Monate hinweg planen, ist Kocourek tiefenentspannt. Ihm geht es bei seinen Pflanzen um andere Kategorien: Niedrig, halbhoch, groß, riesig sind wesentliche Koordinaten für ihn und seine Kunden. Die immergrüne Pflanze macht sich gut als Gartenbegleiter, denn sie passt zu jeder Anforderung im Garten und ist als Baumaterial so etwas wie ein Wunder. Eine Bambus-Art hat es aufgrund ihres schnellen Wachstums sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Sie wächst bis zu 91 Zentimeter am Tag. Das Süßgras hat mit Blick aufs Klima zudem besondere Qualitäten, bindet es doch Kohlendioxid besser als viele andere Bäume.

          Kocoureks Bambusgärtnerei ist renommiert. Seine Süßgräser wachsen je nach Größe mal als Wald, mal als blickdichte Hecke. Kleinwüchsigere Sorten eignen sich perfekt als Beeteinfassung. Andere wiederum machen sich hervorragend als Solitär im Kübel. Bambus kann alles, da ist sich Jan Kocourek sicher. Die Pflanze umgibt nicht nur in der asiatischen Welt die Aura des Magischen. Längst gibt es in Europa immer mehr Bambus-Liebhaber, für die das Süßgras aus dem Garten nicht mehr wegzudenken ist. Entsprechend verwunschen und geheimnisvoll sieht es in Kocoureks Gärtnerei aus, die nicht weit entfernt vom Botanischen Garten in Prag liegt.

          Die Vielfalt des Bambus

          Die Gärtnerei ist nicht nur Arbeitsort. Das kleine Holzhaus als Wohnort liegt gut versteckt umgeben von Bambushainen. Hier lebt Kocourek mit seiner Frau Laura und den zwei Kindern. Das grüne Labyrinth mit seinen vielen Überraschungen war ein persönlicher Traum von ihm. „Ich habe mich viele Jahre mit Martial Arts beschäftigt und selbst mehr als fünfzehn Jahre intensiv Kung-Fu trainiert“, erzählt er. Alles Asiatische habe ihn in seiner Jugend verzaubert. Dazu gehörte neben grünem Tee auch Bambus. „In meiner Phantasie wollte ich immer ein Martial-Arts-Studio mitten in einem Bambuswald haben.“ Getrieben von dieser Leidenschaft, ist der dichte Wald in den verschiedenen Grüntönen über Jahre gewachsen. Allerdings, für Kung-Fu fehlt dem Gärtner heute die Zeit.

          Bambus kommt mit mehr als hundert Gattungen und knapp 1500 Arten vor. Immerhin rund 260 Varietäten stehen in der Prager Gärtnerei im Stadtteil Troja. Fargesia-Sorten, auch als Schirmbambus bekannt, sind in der Überzahl. Sie sind horstbildend ohne Ausläufer, weshalb die sonst so wichtige Rhizomsperre nicht notwendig ist. Als Klassiker gilt Fargesia ’Blue Lizard‘, der eine Höhe von dreieinhalb Metern erreicht und sich perfekt für eine blickdichte Hecke eignet. Das genaue Gegenteil ist die große Gruppe der Flachrohrbambus-Arten, die Gärtnern mitunter Schweißperlen auf die Stirn treiben. Zu diesen rhizombildenden Süßgräsern zählt neben den zahlreichen Phyllostachys-Sorten auch die Gattung Pseudosasa, die in Jan Kocoureks Bambushain die auffälligsten und dicksten Halme bildet. Hier sind Rhizomsperren aus dicker Polyethylen-Folie mit hoher Dichte dringend nötig, damit nicht ungewollt ein Süßgräserwald im Garten wächst.

          Beim Erzählen gerät Jan Kocourek ins Schwärmen über die Vielfalt. Mit zielsicherer Hand greift er in die Üppigkeit der grünen Blätter und nennt die Vorteile: Da gibt es die sehr beliebten winterharten Bodendeckerarten wie Sasa kurielensis oder den Zwerg-Bambus ’Distichus‘. Dichtes Blattwerk und ein säulenförmiger Wuchs zeichnet hingegen die aus Japan stammende Gattung Semiarundinaria aus. Wer es viel niedriger mag, dem empfiehlt der Experte Fargesia ’Moontears‘. Der wird regelmäßig geschnitten und bleibt dadurch niedrig. Er eignet sich als winterharter und immergrüner Buchsersatz, denn man kann ihn als Hecke oder Kugel schneiden.

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