https://www.faz.net/-gz7-9x9a9

Leberblümchen : Kostbare Winzlinge

  • -Aktualisiert am

Freude über seltene, vielversprechende Sorten

Händel, der in der Gärtnerei von Karl Foerster gelernt hat, züchtet Leberblümchen wie die ’Blaue Stunde‘ mit dunkelblauer, runder Blüte und weißen Staubfäden oder die noch dunklere, geheimnisvoll violette ’Geisterstunde‘. Er kreuzt vor allem transsilvanische und europäische Leberblümchen. Die erste Blüte sagt meist nur wenig aus, denn der Habitus bildet sich erst nach einiger Zeit heraus. „Ich mache es wie Foerster“, sagt Händel, „ich jage die Pflanze durch den Enttäuschungsfilter jahrelanger Beobachtung. Erst wenn sie mich nicht enttäuscht, gebe ich ihr einen Namen.“ Bis dahin heißen die kleinen Schönen zum Beispiel ’Hx206‘. Nur Vielversprechende werden irgendwann zu einer Sorte wie ’Bergsee‘ oder ’Karpatenhimmel‘.

Durch Jürgen Peters wiederum finden auch asiatische Gene den Weg in neue Leberblümchenhybriden. Seit den 1980er Jahren pflegt er Kontakte nach Japan, wo Hepatica traditionell hoch im Kurs stehen. „Blume unter dem Schnee“ heißt das Pflänzchen dort, allein 25 verschiedene Blütenformen werden klassifiziert. In den japanischen Mischwäldern findet sich eine viel größere und buntere Variationsbreite der Leberblümchen (Hepatica nobilis var. japonica). Da gibt es solche mit spitz zulaufenden Blättern, reinweißen Blüten, gelbliche und zweifarbige. Sie sind etwas empfindlicher als die einheimischen und brauchen mehr Aufmerksamkeit. Wer sie in den Garten holt, wird aber schon im Februar mit einer Blüte belohnt. Peters kreuzt zum Beispiel robuste, wüchsige Hepatica transsilvanica mit japanischen Formen, so entstehen Sorten wie die dunkle ’Blue Alchemist‘ oder ’Blue Fortune‘ mit einem adretten inneren Blütenkränzchen.

Doch dem ungeschulten Auge stehen auch die unbenannten, erschwinglichen Sämlinge, die es zu kaufen gibt, vielen der speziellen Sorten in Schönheit kaum nach. Damit Leberblümchen im Garten gedeihen, sollte der Standort gut ausgewählt sein. Als Waldpflanzen brauchen sie auf jeden Fall Halbschatten oder Schatten, gerne an Nord- oder Ostseite von Haus oder hohen Gehölzen. „Machen Sie erst den Pflanzplatz fertig mit dem gröbsten Kompost, den Sie haben“, rät Peters. „Das europäische wächst im Laubwald. Nehmen Sie im Wald mal eine Handvoll Erde hoch, dann sehen Sie, was die brauchen.“ Auch im Winter ist der Boden dort relativ nass.

Die europäischen Leberblümchen sind unter laubabwerfenden Gehölzen gut aufgehoben. Die asiatischen stammen dagegen aus immergrünen Mischwäldern mit Kiefern und Bambus. „Dort sind die Bodenstrukturen viel gröber, es gibt mehr Luft und keine stauende Nässe.“ Sie brauchen einen gut durchlässigen Standort unter Immergrünen, der aber eine gewisse Feuchtigkeit hat und im Sommer eher trocken ist. Ist der Boden nicht optimal, können sie im Topf mit einem durchlässigen Substrat eingepflanzt werden, teure Sammlerstücke werden am besten im Glashaus kultiviert. Kalk vertragen die Blumen zwar, aber sie sind, entgegen der gängigen Meinung, nicht darauf angewiesen.

Altes Laub liefert Nährstoffe

Auch wenn Leberblümchen in der Pflanzenwelt zu den Langsamen gehören, in ihrer kurzen Vegetationsperiode wachsen sie rasant. Sie nutzen die wenigen Wochen bis zum Austrieb der Bäume, um zu blühen, Samen anzusetzen und neues Laub zu produzieren. Dafür sind sie auf die Nährstoffe aus dem sich zersetzenden Laub der Bäume angewiesen.

Generell bleiben Leberblümchen am liebsten ungestört, doch wenn sie nach Jahren aus der Erde herauswachsen, können sie geteilt und tiefer gesetzt werden, am besten während der Blütezeit im Frühling. Die Bestäubung übernehmen Insekten, der Wind oder der Gärtner, und falls das alles nicht klappt, bestäuben sie sich auch selbst. Bei ihrer Verbreitung sind aber auch Tiere im Spiel. Ameisen mögen das Ölkörperchen, ein Anhängsel an den Samen. Und so verschleppen sie die Körnchen, die dann weit entfernt von der Mutterpflanze keimen. Einmal im Garten, können Leberblümchen einen Bestand bilden wie im Wald. Aber auch dafür brauchen sie Zeit. Immerhin belohnen sie Geduldige mit ihrem hohen Alter. Eine Pflanze kann durchaus 75 Jahre am gleichen Platz stehen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Markus Söder und sein Vize Hubert Aiwanger nach einer Kabinettssitzung im Münchner Hofgarten.

Streit um Impfungen : Aiwanger wirft Söder Falschbehauptung vor

Nach der letzten Kabinettssitzung vor der Sommerpause hatten sie noch versucht, Einigkeit zu demonstrieren. Doch der Streit zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten und seinem Vize ist nicht vorbei – im Gegenteil.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.