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Japanischer Garten in Irland : Olivenbaum und Steinlaterne

  • -Aktualisiert am

Wer seltene Pflanzen sucht, wird in Tramore zwar nicht fündig. Wer einen schönen Ort zum Verweilen sucht, schon. Bild: Lafcadio Hearn

Glückliche Sommer soll Lafcadio Hearn in Tramore verbracht haben. Ein Garten widmet sich dem Leben des Schriftstellers. Doch davon abgesehen, ist dieser Garten aber nicht nur für Literaturfans interessant.

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          Am kleinen Bach ist es am schönsten. Über Felsen fließt das Wasser glucksend bergab, gesäumt von Funkien, die im Sommer hohe blaue Blüten tragen. Hier unter den alten Bäumen, die Schatten werfen, ist es ruhig. Ein Ort, um sich hinzusetzen, das Auge über Azaleen und Farne gleiten zu lassen oder über die tiefer unten gelegene kleine Brücke. Oder auch, um sich durch eine Geschichte Lafcadio Hearns in eine andere Welt versetzen zu lassen. In die des Fischerjungen Urashima Taro zum Beispiel, der eines Tages auf hoher See eine Schildkröte fängt und sie freilässt. Daraufhin trifft er die Tochter des Drachenkönigs, in die er sich unsterblich verliebt und heiratet. Als er nach einigen Tagen wieder an Land zurückkehrt, sind dort mehr als tausend Jahre vergangen. Urashima Taro, verwirrt und getäuscht, öffnet ein Kästchen, das er von seiner Gemahlin unter dem Versprechen erhalten hat, es stets verschlossen zu halten. Ein Todeshauch entweicht. Urashima altert binnen eines Augenblicks und stirbt. Es ist ein altes japanisches Märchen, schaurig schön, das Hearn Ende des 19. Jahrhunderts in seiner Erzählung „Der Traum eines Sommertags“ aufgriff.

          Schön schaurig wirkt die Vorstellung im Garten unter den Bäumen, wo ein Todeshauch glücklicherweise so fern scheint wie die Märchenzeit. Mit etwas Phantasie lässt sich in einem mit schwarzem Schlangenbart umpflanzten Felsen am Bach jedoch die Form einer Schildkröte erkennen. Und das ist durchaus beabsichtigt. Denn dieser Garten, im kleinen Ort Tramore im irischen County Wicklow gelegen, ist ganz dem Schriftsteller gewidmet. Lafcadio Hearn lebte vor rund 120 Jahren in Japan und berichtete von dort aus einem Land, das sich erst ganz allmählich dem Westen öffnete. Ursprünglich vom amerikanischen Magazin „Harper’s Weekly“ als Reporter entsendet, blieb er dort, wurde Lehrer und später Professor für Englische Literatur an der Universität Tokio. Er heiratete die Japanerin Setsuko Koizumi, mit der er vier Kinder hatte, und nahm den Namen Koizumi Yakumo an.

          In seinen Werken schildert er eindrücklich das Leben im Fernen Osten, das im Westen noch weitgehend unbekannt war. Er schrieb über blinde Straßensängerinnen, die ihre Zuhörer zu Tränen rühren, und über Japanerinnen, die ihr Gesicht mit dem Kimonoärmel bedecken, wenn sie auf Reisen ein Nickerchen machen. Er beobachtet den Alltag in den Hafenstädten und die Entwicklung des Handels. In der Meiji-Zeit unter Kaiser Mutsuhito wandelte sich das Land rasant. Es übernahm den gregorianischen Kalender, baute Eisenbahnen und entwickelte sich zu einer wirtschaftlichen wie militärischen Macht. Hearn galt als Vermittler zwischen den Kulturen, in Japan kennt ihn noch heute jedes Schulkind.

          Rund 20.000 Besucher kommen jährlich

          In Irland dagegen gehört Hearn-Lektüre nicht unbedingt zum Schulstoff. Exotisch nimmt sich daher dieser Garten im Südosten der Grünen Insel aus. Doch immerhin: Lafcadio Hearn hat einmal in Tramore gelebt. Mehr als 160 Jahre ist das her. Seinem Urenkel Bon Koizumi schien dies jedoch ein würdiger Ort, um des Vorfahren zu gedenken. Der Literatur-Professor hat sich mit dem Werk und Leben Hearns auseinandergesetzt und 2012 auf einer Europa-Reise die Stationen seines Ahnen besucht. Das waren einige, denn Lafcadio Hearn hatte schon in der Kindheit ein recht bewegtes Leben: Geboren auf der griechischen Insel Lefkas als Sohn einer Griechin und eines Irischen Militärarztes, wurde er mit zwei Jahren zu seiner Großmutter nach Dublin gebracht.

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          Die Eltern trennten sich, die Mutter ging nach Griechenland zurück. Unter der Obhut seiner Großtante Sarah Brenane verbrachte er die Sommer seiner Kindheit im Badeort Tramore, wohin die Großtante später ganz umsiedelte. Eine Zeitlang besuchte er auch Schulen in England. Mit neunzehn verließ er schließlich Irland für immer – die Großtante schickte ihn in die Vereinigten Staaten, wo er Schriftsteller wurde und von wo aus er später nach Japan ging.

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