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Vintage im Garten : Ruinös, aber schön

  • -Aktualisiert am

Herzstück des 1400 Quadratmeter großen Gartens, den sich mehrere Generationen teilen, sind die Mauerreste einer Villa. Ursprünglich zum Abriss bestimmt, prägen sie heute den Charakter der sensibel gestalteten Anlage. Bild: Sibylle Pietrek

Neu ist nicht immer besser: Auch alte Steine lassen sich bestens in Szene setzen. Das zeigt ein ungewöhnlicher Garten in Düsseldorf.

          Zwei schlanke Säulen markieren den Eingang. Sie flankieren einen Plattenweg, gesäumt von Rosen und Buchshecken. Wer diesen Weg betritt, findet sich auf einmal mitten in einem ummauerten Garten wieder. Feigen wachsen hier, Hanfpalmen, ein knorriger Olivenbaum und sehr viele Rosen. Rechterhand schimmert es grün hinter einem offenen Türrahmen, linkerhand geht es zu einer geräumigen Orangerie, die vor der Ziegelwand steht. Geradeaus öffnet sich der Blick in einen Park – durch große Fenster und Flügeltüren, die hölzerne Läden aus weißen Lamellen haben.

          Dies ist mehr als ein ummauerter Garten, dies ist ein Garten in einer Ruine. Ein Innenhof. Drei Wände zeugen noch von dem Haus, das hier einst stand. Da, wo die vierte stand, wachsen nun schmale Eibenhecken, hier befindet sich der Haupteingang.

          Mit viel Feingefühl zum Erhalt der Südfassade

          Dieser Garten in Düsseldorf entspringt einer Vision. Als der Landschaftsarchitekt Volker das Anwesen das erste Mal sah, erkannte er schnell, was für ein Schatz ein altes Haus auf einem Grundstück sein kann. Zuvor hatte er den Nachbargarten gestaltet, dann bat ihn die Familie, sich auch dieses Teils anzunehmen. Er verbindet die Gärten des Elternhauses und des Neubaus der jungen Generation. Als Püschel den Auftrag annahm, stand hier noch eine rund hundert Jahre alte, dreistöckige Direktorenvilla, die zu einer Ziegelei gehört hatte. Fünfzehn Jahre lang stand die Villa leer und war wegen einer kaputten Wasserleitung marode. „Sie sollte abgerissen werden, der Auftrag war schon erteilt“, erinnert sich Volker Püschel. Viel zu schade, befand der Landschaftsarchitekt. „Denn das Haus hatte den Charme eines verwunschenen Schlosses. Es war nahezu komplett von Efeu, wildem Wein, Glyzinien und Rosen überwachsen.“

          Wie es hier einmal aussehen könnte, habe für ihn von Anfang an auf der Hand gelegen, erzählt er. So überzeugte der Planer die Bauherren, den schönsten Teil des Gebäudes stehen zu lassen: die Südfassade, auf deren Terrasse eine ganz besondere Atmosphäre herrscht. Von einer Kletterhortensie überwachsen, trennt sie heute einen Gemüsegarten und Kinderspielplatz vom Innenhof ab. Doch aus statischen Gründen konnte die Fassade nicht ohne seitliche Mauern stehen. So entschieden die Projektpartner, die drei Außenwände bis auf eine Höhe von 3,50 Metern stehen zu lassen. Zwar musste das Gestein behandelt werden, um der Witterung standzuhalten. Doch wurde behutsam und mit viel Feingefühl vorgegangen. Es finden sich hier noch die ursprünglichen Fensterbänke, Details wie Lichtschalter blieben erhalten, und an der alten Eingangstür sind sogar noch uralte Klingelschilder vorhanden.

          Ruinen haben eine jahrhundertealte Tradition in der Gartengestaltung. Als in der Renaissance das Interesse an der Antike erwachte, wurden auch bauliche Überreste vergangener Zeiten populär. Auf der Grand Tour reisten junge, wohlhabende Männer nach Rom und Griechenland, besuchten historische Stätten und lernten die romantisch wirkenden Relikte antiker Gebäude kennen. Zurück brachten sie nicht nur Bilder dieser Orte, sondern auch eine Sehnsucht: nach Atmosphäre, nach Tiefe, nach Vergänglichkeit.

          Bausätze für künstliche Ruinen

          Barockmaler wie Nicolas Poussin und Claude Lorrain griffen antike Themen in ihren Bildern auf und erschufen mit dem Pinsel idealisierte Landschaften. Tempelruinen, Mauerreste, zerborstene Säulen fügten sich in diesen Bildern in die Landschaft ein, bildeten Fixpunkte und klare Kontraste zu den natürlichen Formen der Vegetation. Die Gemälde wiederum dienten als Inspiration für die Landschaftsgärten. Der Brite Capability Brown etwa schuf Gärten und Parks, in denen Tempel oder andere architektonische Elemente den Blick leiteten, Achsen bestimmten und Aussichtspunkte boten.

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