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Weiße Gärten : Auf Lichtfang

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Wer Raum für etwas Farbe lassen möchte, kann dennoch gut mit weißen Einzelstücken spielen. In einem Hausgarten vermag schon ein einziger, gekonnt inszenierter weißer Akzent für einen Hingucker sorgen: Ein Solitärgehölz wie die Sorte ’Variegata‘ des Etagen-Hartriegels (Cornus controversa) kommt mit seinen weiß gemusterten Blättern am besten zur Geltung, wenn sich seine Begleiter optisch zurücknehmen: Eine Unterpflanzung aus Blattschmuckstauden wie Elfenblumen (Epimedium) und eine grüne Hainbuchenhecke (Carpinus betulus) bilden den dezenten Hintergrund. In diesem Fall lohnt es sich, der weiß gezeichneten Pflanze ein wenig Platz zu spendieren.

Monochrome Gartenkunst: Der „Weiße Garten“ von Sissinghurst Castle

Doch es geht auch anders. Weiß kann im Blumenbeet durchaus als teamfähiger Begleiter dienen und mit seiner Klarheit die Farben der anderen Pflanzen betonen. Selbst ein bekennender „Weiß-Skeptiker“ wie der für seine Farbfeuerwerke bekannte Christopher Lloyd setzte weiße Blüten ein. In seinem Garten von Great Dixter, der nur rund 20 Kilometer südlich von Sissinghurst liegt, vermied der 2006 verstorbene Gartenkünstler zwar großflächige, reinweiße Beete – doch als eingestreute Kontrastgeber, die ihre Wirkung im Wechselspiel mit anderen Pflanzen entfalten, setzte er sie gezielt ein. Weiße Schmucklilien (Agapanthus) mit rosa Lichtnelken (Lychnis coronaria) und purpurfarbener Melde (Atriplex hortensis var. Rubra) gefielen ihm ebenso wie die weiße Form der Jungfer im Grünen (Nigella damascena), die sich selbst aussät und mit ihren Blütensternchen zwischen den Stauden vagabundiert.

Ideal ist Weiß in den halbschattigen bis schattigen Lagen

Wer Weiß in dieser Form als belebenden Akzent einsetzen möchte, fängt am besten klein an und pflanzt nicht zu viele verschiedene Sorten auf einmal. Ein erster, einfacher Schritt kann schon bald getan werden. Wenn vom späten Sommer an wieder bunte Päckchen mit Blumenzwiebeln angeboten werden, könnten diesmal weiße Tulpen wie die Sorten ’Purissima‘ oder ’Sapporo‘ im Einkaufskorb landen und ab September in die Beete gesteckt werden. Es ist verblüffend, wie schon ein paar eingestreute weiße Blüten die Farben der übrigen Frühblüher zum Leuchten bringen.

Geradezu ideal ist Weiß in den halbschattigen bis schattigen Lagen eines Gartens, die gar nicht oder kaum von der Sonne beschienen werden. Hier setzt der Ton willkommene Akzente und wirkt keineswegs grell, sondern sorgt für belebende Lichtreflexe. Da viele Vorgärten nach Norden orientiert sind, bietet sich ein Beet in Weiß gerade rund um den Eingang an. Viele weiß gezeichnete Blattschmuckstauden sind zudem ausgesprochene Schattenkinder. Eine besonders große Vielfalt offerieren die unterschiedlichen Funkien (Hosta) mit Sorten wie ’Fire and Ice‘ oder ’Francee‘. Auch die weiß gemusterten Blätter des Kaukasus-Vergissmeinnichts (Brunnera macrophylla) ’Jack Frost‘ reflektieren das Licht.

Pauschale Empfehlungen sind mit Vorsicht zu genießen

Puristen mögen einwenden, dass es im Frühling blau und nicht weiß blüht, doch die beiden Töne vertragen sich bekanntermaßen ausgezeichnet, und die Blätter überdauern die Blüte über Monate hinweg. Auch in den nach Süden orientierten Stellen des Gartens erfüllt Weiß die Funktion eines Lichtfängers und ist für Feierabendgärtner, die ihre Beete häufig erst in der Dämmerung betrachten können, besonders wertvoll. Zumal einige Pflanzen in den Abendstunden nicht nur leuchten, sondern auch duften. Die Nachtviole ’Alba‘ (Hesperis matronalis) und die Königslilie (Lilium regale) sind Beispiele für diesen Doppeleffekt.

Ob Weiß im eigenen Garten zum Protagonisten oder zum Begleiter wird, muss jeder selbst entscheiden. Pauschale Empfehlungen, die einen Garten in Weiß als Ausweis für Stilsicherheit und guten Geschmack empfehlen, sind mit Vorsicht zu genießen. Wer den Garten als Vehikel nutzt, um andere zu beeindrucken, der nimmt sich womöglich selbst die Freude an ihm. Die Lust am Ausprobieren, gepaart mit einer Prise Gelassenheit, lässt oft die schönsten Bilder entstehen. Und falls eine orangefarbene Ringelblume durch die weiße Rabatte irrlichtert oder eine weiß blühende Dahlie im Beet als zu grell empfunden wird, kann der geschmackssichere Gärtner einfach zur Schere greifen und die abgeschnittenen Blüten zum Strauß in der Vase arrangieren.

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