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Der „Jardin Plume“ : Wie eine Feder im Wind

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Ein Paradies für Insekten: Wegen der mannshohen Gräser wird der Garten auch der „Federgarten“ genannt. Bild: Flora Press

Der französische „Jardin Plume“ überzeugt durch Naturnähe und Diversität. Er ist einer der spektakulärsten Gärten in der Normandie – barock und gleichzeitig modern. Noch ist er ein Geheimtipp.

          Er ist einer der spektakulärsten zeitgenössischen Gärten der Normandie, wenn nicht ganz Frankreichs. Aber große Hinweisschilder? Fehlanzeige. Das Mekka der Garten-Avantgarde versteckt sich am Rande des Dörfchens Auzouville-sur-Ry, sechzehn Kilometer östlich von Rouen. Verborgen hinter Hecken, neben einem großen Getreidefeld – wer nicht aufpasst, rauscht vorbei. Unscheinbar auch der schmale Eingang in einer Hecke, an altem Holzpfosten ein kleines schwarzes Schild, darauf schwungvoll in Weiß „Jardin Plume“ gepinselt. Man passiert links eine Gärtnerei, rechts einen alten Fachwerk-Ziegelschuppen als rustikales Empfangsgebäude. Danach geht es in den eigentlichen Garten, den man nur mit Superlativen beschreiben kann.

          Der „Jardin Plume“, der „Federgarten“ wegen der vielen wogenden mannshohen Gräser, entzieht sich jedem gängigen Stil. Ist anders. Ist barock. Und doch ganz modern. Ist weit mehr als ein Gräser- oder Präriegarten. Obendrein komplett ökologisch (bis auf die wegen des Pilzes mit Chemie gespritzten Buchshecken, die elementares Stilmittel sind). Ansonsten vereint er alles, was Anhänger eines naturnahen Gartens ersehnen. Das aber wird veredelt durch eine eigenwillige Formensprache in origineller und virtuoser Ästhetik. Prägend ist eine wuchernde Fülle von vielen ein- und zweijährigen Pflanzen sowie Gräsern und außergewöhnlichen Stauden, in harmonischem Kontrast zu rasiermesserscharf manikürten Formschnitt-Hecken aus Buchs und geometrischen Parterres. Ein grandios gelungener Spagat zwischen Tradition und Avantgarde, ein neues Kapitel Garten im 21. Jahrhundert.

          Vorbilder aus England und den Niederlanden

          Als Sylvie und Patrick Quibel das Gelände 1996 kauften – insgesamt drei Hektar, davon 1,5 Hektar Garten –, war dort nur eine Obstwiese mit alten Apfelbäumen. Sie blieb erhalten und bildet mit ihren knorrigen skulpturalen Bäumen das Herz. Dort hinein wurde als Matrix ein Schachbrettraster von kurzgeschorenen Rasenflächen und großen Gräserkarrees gelegt. Dies Zusammenspiel von formaler Strenge der rechtwinkligen Achsen und den sich stets leicht im Wind wiegenden Grasquadraten erzeugt einen ganz eigenen Reiz. Eines der Quadrate, nah am privaten Haus, ist eine wie aus dem Rasen ausgestochene Wasserfläche, in der sich das schlichte holzverschalte Gebäude und ein bizarr verästelter Baum am Rande poetisch spiegeln. Dazu der normannische stahlblaue Himmel mit seinen meist bilderbuchschönen weißen Wattewolken. Kontemplative Ruhe strahlt dieses bis an den Horizont reichende Areal aus. Vorbilder bei der Gestaltung waren der Garten von Christopher Lloyd, Great Dixter (East Sussex), und die naturnahen Pflanzungen des Niederländers Henk Gerritsen, Mitbegründer der „New Dutch Wave“. „Sein Garten war eine Revolution, so toll, so natürlich, das hatte großen Einfluss auf uns“, erinnert sich Patrick.

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