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Schattengärten : Im Halbdunkel wächst mehr als man denkt

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Auch an beschatteten Plätzen blüht etwas, vor allem im Frühling. Bild: Verlag E. Ulmer

Im Garten zählen nur die Sonnenseiten? Weit gefehlt. Im Dunklen kann es so schön sein.

          Efeu und Moos, allenfalls ein bisschen Sauerklee. In schattigen Gartenecken sieht es meist eintönig aus. „Da wächst ja nichts“, heißt es dann. Wo keine Sonne hinkommt, ist es dunkel, im besten Fall kühl und feucht. So etwas verspricht zwar an heißen Sommertagen Erholung. Die restlichen Monate scheint Schatten in unseren Breiten aber ein Nachteil zu sein. Diese Plätze haben offenbar einfach Pech, weil Bäume oder Wände den Weg zum Licht verstellen. Rittersporn und Petunien, Sonnenhüte und Rosen wollen dort einfach nicht wachsen. Das macht den Schatten zum Problem.

          Allerdings zu einem, das selbstgemacht ist – durch Ahnungslosigkeit und verschlossene Augen angesichts des Reichtums der Pflanzenwelt. Denn ein Blick in den Wald zeigt: Der Schatten lebt. Abgesehen vom tiefen Nadelwald, wo nur weniges genügend Wasser und Nährstoffe findet, ist der Raum unter Bäumen höchst lebendig und bietet eine vielfältige Flora. Hier wachsen Gräser, Pilze und Bärlauch, hier blühen Buschwindröschen, Lerchensporn, Leberblümchen und Fingerhüte.

          Dass sich sogar ganze Waldgärten anlegen lassen, zeigt die Britin Beth Chatto mit ihrem Woodland Garden, einem Teil ihrer Gartenanlage in Colchester, Essex. Als vor 30 Jahren ein Sturm Schneisen in ein Eichenwäldchen auf ihrem Grundstück schlug, nutzte sie die Gelegenheit, um dort Neues zu wagen. Zu den verbliebenen Eichen pflanzte sie Gehölze wie Hartriegel und Ilex, Hamamelis und Magnolien, schließlich Bodendecker wie Kriechender Beinwell (Symphytum ibericum) und Großblättriges Schaumkraut (Pachyphragma macrophyllum). Im Frühjahr blühen die Gehölze, Narzissen und Buschwindröschen, im Herbst Japanische Anemonen, Alpenveilchen und Herbstzeitlosen. Der Waldgarten beweist, dass es nur darauf ankommt, die geeigneten Pflanzen für einen Standort zu finden – für ihr Credo „right plant, right place“ ist Beth Chatto bekannt.

          Erfahrene Gärtner sehen den Schatten sogar oft eher als Segen denn als Fluch. „Schatten ist total einfach“, sagt Hermann Gröne, Gartengestalter und Staudenexperte. Nicht nur allein wegen der großen Auswahl an attraktiven Pflanzen, sondern vor allem, weil es sich besonders pflegeleicht arbeiten lässt: Eine geschlossene Bodendecke kann man hier problemloser erzeugen als in der Sonne. Dabei muss man nicht zu Dickmännchen (Pachysandra terminalis) greifen, die zum Standardrepertoire gehören und Flächen zwar hübsch, aber etwas phantasielos begrünen. Eine schöne Bodendecke entsteht zum Beispiel auch mit zauberhaften Elfenblumen (Epimedium), mit der goldgelb blühenden Waldsteinia oder mit dem niedrigen Kaukasus-Beinwell (Symphytum grandiflorum). Wenn die Pflanzabstände richtig gewählt sind, kann der Platz nach zwei Jahren so zugewachsen sein, dass er kaum noch Pflege benötigt.

          Blattformen, Strukturen, Grüntöne

          „Rittersporn oder Phlox dürfen Sie hier nicht erwarten“, gibt Gröne zu bedenken. Aber die braucht man auch gar nicht. In den Schattenbeeten des Staudenkenners stehen unter anderem Saruma oder auch Herzblattwurz (Saruma henryi), eine kleine Staude mit weich behaartem Laub und hellgelben Blüten. Oder die Geißbart-Hybride „Horatio“ (Aruncus aethusifolius), deren weiße Blütenrispen vor dunklem Hintergrund fast grafische Wirkung entfalten. Im Spätsommer hat die Wald-Aster (Aster divaricatus) ihren Auftritt, die ein Meer aus kleinen Blütensternen bilden kann.

          Blattformen und unterschiedliche Grüntöne bilden den Schwerpunkt in solchen Gartenbereichen. „Was im Sonnenbeet die Blüten, übernehmen im Schatten die unterschiedlichen Laubstrukturen“, sagt Gartenexpertin Katrin Lugerbauer. Zarter Frauenhaarfarn (Adiantum venustum) neben Elfenblumen (Epimedium), samtiger Frauenmantel (Alchemilla mollis) zwischen gerippten Hosta, der gefiederte Straußenfarn (Matteuccia struthiopteris) vor dem kräftigen Schaublatt (Rodgersia podophylla) – alles interessante Kombinationen fürs Halbdunkel. Viele Beete der Österreicherin, die gerade ein Buch („Schattenstauden. Die dunkle Seite Ihres Gartens“) im Ulmer Verlag veröffentlicht hat, kommen mit wenig Sonne aus. Orte, die sie nie als problematisch wahrgenommen hat, eher im Gegenteil. Denn die Pflanzen wachsen dort nicht so üppig, müssen nicht viel zurückgeschnitten werden. Sie können sich Zeit lassen, wie zum Beispiel der Maiapfel (Podophyllum peltatum) oder die Dreiblattlilie (Trillium), da sie weniger Konkurrenz haben, die sie übertrumpfen müssen. Vor allem aber blüht es schon ab Februar in den Bereichen, die später von Laubbäumen und Sträuchern beschattet werden.

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