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Schattengärten : Im Halbdunkel wächst mehr als man denkt

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Denn Schatten ist nicht immer gleich. Er wandert im Tages- und Jahreslauf, kann tief sein, von Mauern, und licht von Bäumen und Sträuchern. Für die meisten Pflanzen ist es ideal, wenn er in die Mittagszeit fällt, Sonne am Morgen und Abend zulässt. An vielen Stellen ist er erst nach dem Laubaustrieb vorhanden, vorher fällt genügend Licht auf die Erde. Das nutzen die Gewächse aus, die schnell zur Blüte kommen und sich im Sommer zurückziehen. Dazu gehören Schneeglöckchen und Bärlauch, Blausterne (Scilla sibirica), Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und Hohler Lerchensporn (Corydalis cava). „Richtig bepflanzt, können diese Flächen bis in den Mai hinein bunt blühen“, sagt Lugerbauer. Und sind alles andere als eintönig. Da ist das verwunschen wirkende Salomonssiegel mit kleinen Blütenglöckchen an langen Trieben, da sind die Frühlings-Platterbsen, die immer auch einen Überraschungseffekt ins Beet bringen. Sie verkreuzen und versamen sich bunt durcheinander. Im Sommer wird es zwar ruhiger, doch selbst dann gibt es noch Blüten: von Lilien, Astilben, Wiesenrauten (Thalictrum). Wer mit wenig Mitteln einen lang anhaltenden Effekt schaffen will, pflanzt Christrosen, Farne und Hosta. Sie sehen über Monate gut aus.

Wo wirklich keine Sonne hinkommt, sind Blattschmuckstauden gefragt. Auch sie brauchen jedoch Licht zur Photosynthese – notfalls die Bäume etwas auslichten, rät Gartenexpertin Katrin Lugerbauer. Hier lassen sich zum Beispiel der Hirschzungenfarn (Asplenium scolopendrium) mit Großblättrigem Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera macrophylla), Gewöhnlicher Haselwurz (Asarum europaeum) und Schwarzfrüchtigem Christophskraut (Actaea spicata) kombinieren. Am etwas helleren Standort wachsen violett blühender Knotiger Storchschnabel (Geranium nodosum), Felsen-Storchschnabel und Goldnesseln (Lamium).

Wo kein Rasen wächst, haben es Stauden schwer

Was wächst, hängt aber nicht nur vom Licht, sondern auch vom Boden ab. „Graben Sie ein Loch und schauen Sie, wie weit sie kommen“, rät die Gärtnerin. „Dann sehen Sie auch, wie die Erde beschaffen ist.“ Ist sie feucht und krümelig? Beste Bedingungen für ein Schattenbeet! Denn Stauden, die aus dem Wald stammen, mögen nicht zu trockenen, humosen Boden und hohe Luftfeuchtigkeit. Andernfalls empfehlen die Experten nachzuhelfen. Eine Humusschicht aufbringen und gegebenenfalls regelmäßig erneuern. Manche Pflanzen geben sich später mit dem trockenen, kargen Boden zufrieden, wenn sie einen guten Start erhalten haben. Doch Vorsicht: Nicht jeder Baum schätzt eine flächendeckende frische Humusschicht auf seinen Wurzeln. Lieber nur stellenweise arbeiten.

Regelmäßiges Gießen kann eine Möglichkeit sein, den Standort attraktiver zu machen. Viel Trockenheit verträgt aber die Horstige Ungarwurz (Waldsteinia geoides) mit gelben Blüten und wintergrünem Laub, hat Hermann Gröne festgestellt. Die Waldmarbel (Luzula sylvatica), ein Gras mit glänzenden Halmen, sowie die Falsche Alraunenwurzel (Tellima grandiflora) mit zierlichen hohen Blütenständen über Blattrosetten breiten sich schnell aus, wenn ihnen der Standort gefällt.

Generell gilt: Wo kein Rasen mehr wächst, wird es auch für Stauden schwierig. Da hilft nur Ausprobieren, am besten mit Stauden, die schon im Garten vorhanden sind. Wer Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) hat, setzt probehalber welchen an die schattige Stelle. „Experimentieren Sie“, regt Lugerbauer an. Denn viele Pflanzen kommen auch an Orten zurecht, die für sie nicht ideal sind. Wenn sie aber aufhören zu wachsen oder sich so sehr nach dem Licht strecken, dass sie sich dabei hinlegen, ist es ein klares Zeichen: Sie gehören dort nicht hin.

Wirklich schwierig wird es unter hohen Nadelbäumen, Fichten zum Beispiel. Allenfalls Disteln oder einzelne Fingerhüte suchen sich hier ein Plätzchen, Gräser oder Sauerklee. Ähnlich ist es im dichten Wurzelnetz von Birken. Dort sind Halt, Wasser und Nahrung knapp und Versuche, etwas anzusiedeln, zum Scheitern verurteilt. Für solche Beete hat Katrin Lugerbauer einen Trick. „Stellen Sie Kübel mit Hosta, Farnen, kleinen Rhododendron hin.“ Die Töpfe wiederum lassen sich mit Efeu kaschieren, das meist sowieso vorhanden ist. So wird selbst der kargste Schatten grün.

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