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Rhododendron im Garten : Oh, ihr Laubschönen

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Für Freunde der starken Töne ist Rhododendron genau das Richtige. Bild: Marion Nickig

Rhododendren sind wahre Blütenwunder. Doch sie haben weit mehr zu bieten als Farbpracht im Mai. Wer auf Sorten mit dem richtigen Blattwerk setzt, hat das ganze Jahr an ihnen Freude.

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          Einfach prächtig, diese Bälle, die aus vielen einzelnen zarten Blüten geformt sind. Jetzt zur Blütezeit überwältigen Rhododendren mit Explosionen von Blüten in Farben wie kostbare Edelsteine, Violett, Rosa, Lachsfarben, Zitronengelb, Purpur, Rot und elegantes strahlendes Weiß. Mal kräftig, mal in hauchzarten Pastelltönen, manchmal auch zweifarbig. Keine Hecken schenken grandioseren Anblick zur Blüte und bieten gleichzeitig blickdichten ganzjährigen Sichtschutz.

          Die immergrünen Rhododendren sind das noble grüne Bollwerk der Bourgeoisie. Nirgends eleganter zu bewundern als an der Hamburger Elbchaussee, wo die anglophilen Hanseaten sich hinter ihren hohen Büschen diskret verschanzen. In Südengland wiederum gibt es nichts Romantischeres, als im Mai gemächlich über schmale kurvenreiche Landsträßchen zu zockeln, beidseitig gerahmt von haushohen Wällen aus blühenden Rhododendren.

          Das Gewächs ist seit langem ein Klassiker im Garten und gilt für viele als unverzichtbares Highlight, ob als Solitär oder wogende Hecke. Doch die exotische Extravaganz der Blüten ist gleichzeitig sein Makel: zwei Wochen ein kurzer farbenfroher Rausch – und dann? Fünfzig Wochen grüne Langeweile. Nein, wer so mäkelt, schaut nicht genau hin – und kennt jene Sorten nicht, die mit interessantem Laub in vielen Nuancen und Formen punkten und damit völlig neue Akzente und Gartenbilder schaffen. Da schimmern Blätter silbrig, glänzen bronzefarben oder geheimnisvoll stahlblau, haben zimtfarbene Unterseiten und alle samtig-pelzig behaarte Oberseiten.

          Krank? Kein bisschen! Der Überzug ist ein natürlicher Blattschutz der Pflanze.
          Krank? Kein bisschen! Der Überzug ist ein natürlicher Blattschutz der Pflanze. : Bild: Marion Nickig

          Die Rede ist von Rhododendren mit Indument-Blattwerk. „Laubschöne“ nennt sie liebevoll Hartmut Schepker. Der Direktor des Bremer Rhododendronparks ist ein echter „Rhodoholic“ und missionarisch aktiv, um die Attraktivität dieser noch als Geheimtipp geltenden Spezialitäten möglichst vielen Gartenbesitzern ans Herz zu legen. Denn sie sind alle Schönheiten auf den zweiten Blick mit viel Potential weit über die Blühphase hinaus.

          „Das ist kein Pilz!“

          Angefangen hat es vor rund dreißig Jahren ausgerechnet in Skandinavien. Ein schwedischer Rhododendron-Anhänger verblüffte in einem Artikel mit dem Bekenntnis: „Wir lieben Rhodos vor allem wegen ihrer Blätter.“ Zwei erfahrene dänische Züchter, Svend Hansen und Jens Birck, erwarben Saatgut von den schönsten Indument-Wildarten aus dem Himalaja, um sie in langer liebevoller Züchtung zu kultivieren. Es entstand eine komplett neue Reihe von Sorten, die alle den Beinamen „Dane“ erhielten. Auch andere Züchter, darunter Deutsche wie Holger Hachmann, widmeten sich der Kultivierung von neuen Blatt-Beauties. Die berühmteste, der Superstar, stammt aus der Mitte des 20. Jahrhunderts: ’Koichiro Wada‘ vom gleichnamigen japanischen Züchter. Er entdeckte 1934 die Wildart Rhododendron yakushimanum und schuf daraus eine Auslese, die im Mai/Juni mit zarten dunkelrosa Knospen, die geöffnet reinweiß verblassen, begeistert. Die Oberseite der Blätter ist silbrigweiß bis beige, behaart im Austrieb, wandelt sich später in tiefstes Dunkelgrün, die Unterseite hat samtige rotbraune Beharrung. Ein kleines Gesamtkunstwerk, das 1947 auf der Chelsea Flower Show London eine Sensation war. Damit begann der Siegeszug der Yakushimanum-Hybriden, die dank guter Winterhärte, ihres langsamen, kompakten Wuches, verbunden mit enormer reizvoller Blütenfülle, gerade heute in den immer kleiner werdenden Gärten geschätzt werden.

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