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Piet Oudolfs Garten schließt : Stille Tage in Hummelo

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Trockene Kugeldisteln vor dem Studio des Designers
Trockene Kugeldisteln vor dem Studio des Designers : Bild: Ina Sperl

Bald kamen Tausende Besucher

Dem Ehepaar ging es um eine neue Art des Gärtnerns, die sich bald an natürlichen Vorbildern orientierte. Auf der Suche nach interessanten Gewächsen knüpften sie unter anderem Kontakt zum deutschen Pflanzenzüchter Ernst Pagels, der für seine Auslesen von Gräsern, vor allem Chinaschilf, bekannt war. Die Freundschaft mit Henk Gerritsen, der gemeinsam mit seinem Partner Anton Schlepers einen sehr naturnahen Garten in Priona führte, wirkte sich auf Piet Oudolfs Stil aus: Ein neuer Blick für die Struktur von Pflanzen, die auch in den Wintermonaten eine Rolle spielt, kam hinzu. Wichtig für den Austausch unter diesen Gärtnern, die den „Dutch Wave“ und das „New Perennial Movement“ begründeten, waren die „Open Days“, die Piet und Anja von 1983 bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts veranstalteten. Spezialisierte Gärtnereien stellten dort aus, bald kamen Tausende Besucher. Doch so interessiert die Kollegen und die Gartenszene waren, Kunden und Öffentlichkeit taten sich zunächst nicht ganz leicht mit diesem neuen Stil, den sie im neu als Schaugarten angelegten Bereich vor dem Haus kennenlernen konnten. Was Gräser und abgestorbene Pflanzenteile im Beet zu suchen haben, verstanden viele Menschen zunächst nicht.

Der Hof, getaucht in Herbstfarben
Der Hof, getaucht in Herbstfarben : Bild: Piet Oudolf

Über die Jahre hinweg wandelte sich der Stil, näherte sich den naturnahen Bildern immer mehr an, was auch im Vorgarten zu sehen ist. Zunächst war er noch eher formal gehalten mit Beeten in einer Rasenfläche und markanten, wellenförmigen, geschwungenen Eibenhecken, die vor einigen Jahren nach einer Überflutung weichen mussten. Weite Staudenbeete ersetzen heute große Teile des Rasens. Entstanden sind Flächen, in denen man eintauchen kann in die Wogen von Präriegras, Wasserdost und Duftnesseln.

Heute ist Oudolf so gefragt wie nie, sein Stil bekannt und beliebt – auch international. Nicht nur aus Europa, auch aus den Vereinigten Staaten kommen die Kollegen zu Besuch. International sind auch die Auftraggeber. „Ich habe viel zu tun, habe noch viel Energie“, sagt er. Viel Neues könne er nicht mehr annehmen, aber hin und wieder sagt er dann doch ja, am liebsten, wenn es ein öffentliches Projekt ist. Derzeit arbeitet er an Gärten am Singer Museum in Laren, das Kunstwerke aus der Zeit von 1880 bis 1950 zeigt, sowie am Kunstmuseum Voorlinden in Wassenaar. In Leiden gestaltet er die Außenbereiche der Meelfabriek, ein Projekt, in dem alte Industrieanlagen in Lofts und Geschäfte umgewandelt werden. Ganz nebenbei erwähnt er, dass er auch für das Königshaus tätig ist und den Garten am renovierten Palast, Huis ten Bosch im Nordosten Den Haags, entworfen hat. „Das ist natürlich eine Ehre!“

Im Süden Londons plant Oudolf den Garten für ein „Maggie’s Center“ am Royal Marsden Hospital, in Kopenhagen die Grünanlagen für das Sternerestaurant Noma – ein temporärer „pop up“-Garten aus diesem Jahr wird nun in eine dauerhafte Gestaltung umgewandelt. Auch in den Vereinigten Staaten hat er sich einen Namen gemacht. Zu seinen großen Projekten wie der Highline in New York und dem Lurie Garden in Chicago kommt nun ein weiteres: ein öffentlicher Garten auf der Belle Isle in Detroit, Michigan. Im vergangenen Jahr erschien auch „Five Seasons“, ein Dokumentarfilm über sein Leben und Werk. Darin würdigt ihn auch sein amerikanischer Kollege, der Landschaftsarchitekt und Botaniker Rick Darke: Seine Arbeit lehre uns, „was zu sehen, das wir bisher nicht sehen konnten“.

Oudolf hat mit seinem ganz eigenen Stil die Gartenwelt verändert. Hummelo war der Ort, von dem alles ausging. Dass er nun die Tore schließt, hält er für verschmerzbar: „Es gibt ja viele Gärten von mir zu sehen, nicht nur in den Niederlanden.“

Der Garten ist noch bis zum 27. Oktober donnerstags, freitags und samstags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. www.oudolf.com

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