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Park von Clos Lucé : Dem Mythos Leonardo ganz nah

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Die letzten Lebensjahre vor seinem Tod am 2. Mai 1519 verbrachte da Vinci im Schloss Clos Lucé mit seinem verwunschenen Park. Bild: LEONARD DE SERRES/ ONLYFRANCE.FR

Vor 500 Jahren starb Leonardo da Vinci im französischen Amboise an der Loire. Im Park von Clos Lucé kann man auch heute noch auf den Spuren des Genies wandeln.

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          So könnte es gewesen ein: Ein verheißungsvoller Frühlingsabend des Jahres 1518. Nachtigallen tirilieren, von der nahen Loire weht ein leichter Wind herüber, die majestätische Silhouette des Königsschlosses Amboise zeichnet sich gegen den Nachthimmel ab. Duft von Oleander und Zypressen würzt die milde Luft. Leonardo da Vinci kehrt nach einem Spaziergang durch den Park zurück auf eine Bank im Garten. Er schaut in den Sternhimmel, trinkt Wein aus dem Pokal vor ihm und philosophiert. „Ich glaube, die Menschen finden das Glück dort, wo es gute Weine gibt“, lautete einer seiner vielen überlieferten Gedanken über die Gesundheit.

          Da hatte der große Künstler fürwahr Glück, denn zwei Jahre zuvor, 1516, fand der gebürtige Italiener eine neue Heimat im französischen Amboise an der Loire. Der junge König Franz I., ein Freund der Musen und großer Bewunderer Leonardos, holte ihn als ständigen „Artist in Residence“ an seinen Hof. Der Künstler, kreativ in allen Disziplinen – Gelehrter, Maler, Architekt, Philosoph – logierte, in Sichtweite des nur 400 Meter entfernten Schlosses Amboise, in einem eigenen Schlösschen mit verwunschenem Park, Clos Lucé.

          500 Jahre nach da Vincis Tod am 2. Mai 1519 werden der Künstler und die Renaissance in ganz Europa gefeiert. Zu dumm für die Italiener, dass ihr Superstar, 1452 im toskanischen Dörfchen da Vinci geboren, seine letzten drei Lebensjahre ausgerechnet in Frankreich verbrachte. Doch 1516 war der Gönner des Künstlers, Papstbruder Giuliano de Medici gestorben, und der junge französische König Franz rollte dem von ihm schon lange verehrten da Vinci den roten Teppich aus. Der nahm die Einladung nur zu gern an.

          Eine Büste im Park erinnert an den berühmten ehemaligen Bewohner.

          Im Alter von 64 Jahren überquerte er auf einem Maulesel die Alpen, im Gepäck Notizbücher, Manuskripte und drei wertvolle Gemälde, darunter die „Mona Lisa“. Er ließ sich im Herbst 1516 in Amboise nieder, wo er bis zu seinem Tod blieb. Als „Erster Maler, Ingenieur und Architekt“ des Königs arbeitete er an zahlreichen Projekten und richtete seinem Mäzen glamouröse Feste aus.

          Die Franzosen schmälern daher heute Italiens Stolz auf die im Jubiläumsjahr gefeierte Ikone und vereinnahmen den Mythos da Vinci ungeniert als französisches Kulturgut. So feiert das liebliche, schlösserreiche und als Unesco-Welterbe geadelte Tal der Loire da Vinci vor allem in Amboise und seinem dortigen letzten Zufluchtsort Clos Lucé. Der Besuch von Schloss und Park lohnt sich aus vielen Gründen. Denn während man im Pariser Louvre da Vincis Meisterwerk Mona Lisa vor lauter selfie-klickenden Menschenmassen kaum noch genießen kann, ist man dem Meister an der Loire hautnah und authentisch auf den Fersen. Der romantische Landsitz Cloux, heute Chateau du Clos Lucé, ist ein eleganter Bau mit zartroter Ziegel-Backstein-Fassade, Türmchen und hohen Kaminen aus dem 15. Jahrhundert. Er ist eingebettet in einen sieben Hektar großen Park mit altem Baumbestand, mächtige Laubbäume rahmen das Anwesen.

          Mit heutigen Mitteln in die Vergangenheit

          Direkt vor dem Schloss liegt eine bepflanzte Terrasse im typischen Renaissance-Stil, geometrische, mit Buchs gerahmte Quadrate, aus denen weinrote Rosen leuchten, dazu Formschnitt-Figuren aus Eibe als Kegel und Kugel, Pyramide, Bienenkorb, in großen Terrakotta-Kübeln schrauben sich Eiben in Korkenziehern hoch. Vor der Fassade ragen dunkelgrüne nadelspitze Säulen-Zypressen in den Himmel. Eine Allee führt hügelabwärts zum Park und an einer großen Platane beginnt mit „Leonardos Garten“ ein faszinierender Parcours.

          Hier geht es auf in die Vergangenheit, aber mit originellen heutigen Mitteln. Ein Freiluftmuseum, das verblüfft, erstaunt und im besten Fall Erkenntnis bringt. Oder wie es François Saint Bris, dessen Familie das Schloss seit 1854 besitzt, in seiner Besucherbroschüre mit einem Quantum Pathos formuliert: „Mögen Sie durch das universale Denken da Vincis das Licht finden, das Ihren Geist erhellt!“

          Dafür geht es erst einmal ins Dickicht. Üppige Vegetation begleitet einen Lehrpfad, ein blühendes Herbarium, in dem 30 Pflanzen zu sehen, zu tasten und zu riechen sind, die da Vinci in seinen Zeichnungen festhielt. Beispielsweise zahlreiche Heilpflanzen und Kräuter wie Salbei, Thymian, Rosmarin, zu jeder Pflanze sind auf kleinen Tafeln des Künstlers Gedanken und seine Zeichnung dazu zu lesen. Dann versinkt man geradezu in geheimnisvoll dschungelartigem Gelände, einem feuchten Sumpfökosystem mit entsprechender Flora wie dem Mammutblatt (Gunnera manicata) und seinen dickfleischigen, Riesen-Rhabarber ähnelnden Blättern.

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