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Naturstein : Ein Garten voller Schwergewichte

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Rund 1200 Quadratmeter ist dieser Garten groß, seit einigen Jahren erweitert Berg ihn auf beiden Seiten, so dass weitere 1800 Quadratmeter hinzugekommen sind. Im Osten entsteht gerade ein neuer Gartenteil, geplant sind unter anderem ein Wäldchen aus Paulownien, schnell wachsenden Blauglockenbäumen, sowie Gewächshäuser. Die westliche Seite hat Peter Bergs Sohn Daniel, der beruflich in die Fußstapfen seines Vaters tritt, mit großen Felsen gestaltet. Wie zufällig liegen sie auf dem Gelände, befestigen aber den Hang und bieten gleichzeitig natürliche Stufen, aber auch Sitzflächen, durch die sich dieser Garten erschließen lässt. Dazwischen blühen weiße Sonnenhüte und immer wieder große Büschel wohlriechender Bergminze (Calamintha). Von hier aus öffnet sich ein weiter Blick ins Tal, auf den Ort Westum und die umgebende Landschaft.

Beständigkeit und Struktur

Für Berg ist Stein das Beständige, die Struktur. „Wenn ich keine Struktur habe, habe ich keinen Kontrast zu den Pflanzen. Das formale Element passt gut zur Natur.“ Mit dieser Gegensätzlichkeit spielt er. Gerade deshalb ist auch der Raum zwischen Felsen oder Findlingen von großer Bedeutung. Stauden wachsen dort, aber auch kleine Gehölze. Moos verleiht Patina. Weiche Grasbüschel säumen Wege. Hauswurz sprießt in Mauerritzen. Inspirationsquelle ist die Natur. Entscheidend ist, dass beim Design die Proportionen stimmen. Bis ein bleistiftdünnes Bäumchen neben einem wuchtigen Felsen etwas hermacht, können etliche Jahre vergehen. Berg setzt daher in so einem Falle gerne ältere Gehölze.

Mit Schiefersteinen aus einem stillgelegten Weinberg begann seine Leidenschaft. Er lernte, solche Mauern wieder aufzubauen. Dann begann er, gebrauchte Steine zu sammeln: Platten aus der Kölner Rheinpromenade zum Beispiel, in seinem Garten finden sich aber auch solche, die ehemals auf einem Koblenzer Bahnhof lagen. Die weißen Linien, die auf den Bahnsteigrand hinweisen, sind blass, aber noch zu erkennen. Gebrauchsspuren sind willkommen.

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Vielerlei Gestein eignet sich für die Gestaltung, in vielerlei Form – vom Findling bis zum feinen Kies. Die meisten Menschen bevorzugen helle Farbtöne, stellt der Designer fest. „Aber Creme macht sich zu wichtig.“ Außerdem wird auch Helles mit der Zeit grau – und das ist immer noch die Farbe, die am allerbesten zum Grün der Pflanzen passe. Granit dagegen, der widerstandsfähigste und gemusterte, bisweilen schillernde Stein, eignet sich seiner Ansicht nach gar nicht: „Da geht das Grün unter.“ Basalt, sehr hart und glatt, hingegen ist willkommen. Sandstein ebenfalls, er ist weicher, dennoch robust. Grauwacke, auch eine Sandstein-Art, ist beständiger und farblich zurückhaltend. In Kalkstein kann Wasser eindringen, das ihn bei Frost aufplatzen lässt – das Material will also mit Bedacht gewählt sein.

Das Setzen von Steinen ist eine hohe Kunst

Ob es dann naturbelassen oder bearbeitet verwendet wird, hängt ganz vom Garten ab, von der Umgebung, vom Haus und den individuellen Wünschen. Stein passt auf jedes Grundstück, ob groß oder klein, selbst Felsen können auf kleinem Raum Zeichen setzen. Stein bestimmt den Charakter des Ortes. Und, das ist Berg wichtig: Stein darf Patina ansetzen – die Zeichen der Zeit sollen sichtbar sein.

Besondere Aufmerksamkeit brauchen Felsen, wenn sie richtig zur Geltung kommen sollen, ob an einer Böschung, als Solitär, als Sitzplatz. „Steine müssen Individuen sein“, sagt Peter Berg. „Aber sie müssen auch zusammenpassen.“ Wer im Steinbruch einkauft, braucht ein feines Gespür für das Bild, das erzeugt werden soll. In Japan ist das Setzen von Steinen eine hohe Kunst, die nur Meistern vorbehalten ist. Diesen kunstvollen Umgang – auch mit Gehölzen – nimmt der Designer zum Vorbild. Eine solche Ästhetik, die Harmonie und Ruhe ausstrahlt, strebt er an.

Und Langlebigkeit. Gärten, die mit Naturstein gestaltet sind, sind darauf angelegt, Jahrzehnte zu überdauern. Ihre Struktur ist, wenn sie handwerklich gut gebaut ist, beinahe unvergänglich. Dann bietet sie den Rahmen, Gewächse in Szene zu setzen. Beide verhelfen sich gegenseitig zum großen Auftritt. Neben dem Stein zeigt sich das Werden und Vergehen, das Wachsen und Blühen, auch das Sterben der Pflanzen. Manchmal lässt er ihnen keinen Platz, manchmal hüllen sie ihn ein. Doch kann er jederzeit wieder freigelegt werden. Denn Stein ist für die Ewigkeit.

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