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Max Liebermann : Ein Bild von einem Garten

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„Ihr Garten“, schreibt Lichtwark 1911 an Liebermann, „beschäftigt mich eigentlich unausgesetzt. Ich gehe darin spazieren, stelle mir vor, wie dies und das wirken würde ... als ob es mein eigener Garten wäre.“ Liebermann antwortet: „Ich weiss wohl, wie viel ich Ihrer tätigen Mitwirkung an dem Garten zu verdanken habe, und danke Ihnen herzlichst für Ihre geradezu aufopfernde Teilnahme an dessen Gelingen. Der Garten ist Ihr Garten.“ Durch diese Zusammenarbeit, schreibt Martin Faass in seinem Buch „Neue Gärten“ über den Liebermann-Garten, „entstand ein einmaliger Garten, der in seiner Konzeption wie kaum ein zweiter in Deutschland die Prinzipien des Reformgartens zur Anschauung bringt“.

80.000 Besucher aus aller Welt

Liebermann verlässt oft sein Haus am Pariser Platz in Berlin, genießt und arbeitet unbeschwert im Sommerdomizil, „meinem Schloss am See“. Voll schöpferischer Energie verewigt er in mehr als 200 Ölgemälden, Pastellen und Skizzen Szenen aus dem Garten, ein mit den Jahreszeiten sich ständig wandelndes, fruchtbares Motiv. Von 1920 bis 1932 Präsident der Preußischen Akademie der Künste, wird er danach zu ihrem Ehrenpräsidenten ernannt. Als die Akademie nach der Machtergreifung 1933 keine Werke jüdischer Künstler mehr ausstellt, erklärt Lieberman öffentlich seinen Austritt. 1935 stirbt der große Künstler, verfemt und verbittert, zwei Jahre später werden sämtliche seiner Werke der Berliner Nationalgalerie beschlagnahmt. Seine Witwe Martha bleibt in Berlin, muss 1940 Grundstück und Haus samt Inventar für 160.000 Reichsmark an die Reichspost verkaufen, ohne über den Erlös verfügen zu dürfen. 1943 erhält sie die Aufforderung zur Deportation nach Theresienstadt, sie entzieht sich dem fünf Tage später durch eine Überdosis Veronal.

Die Bilder dienten als Vorlage für die Sanierung.

1945 bis 1971 ist die Villa Krankenhaus, es folgt Leerstand und die Diskussion über ihren Abriss. Ab 1972 vermietet das Bezirksamt sie dann an einen Taucherclub, der Bauerngarten ist Parkplatz. Durch den Einsatz des Berliner Gartendenkmalpflegers und Bürgerengagement wird immerhin 1987 der völlig vernachlässigte Garten unter Denkmalschutz gestellt. „Das war mutig“, sagt Immenhausen, der immer wieder forderte, das Haus als Museum zu öffnen. „Warum? Liebermanns Bilder sind doch im Museum“, war die Antwort. Dann kam der Mauerfall, 1992 initiierte eine Privatgalerie eine Ausstellung mit hochkarätigen Bildern in der Liebermann-Villa. „Durch das überwältigende Medienecho begriffen viele Berliner, was hier ist!“ 1995 gründete Immenhausen mit 14 Gleichgesinnten die Liebermann-Gesellschaft. Die engagierten Bürger ließen nicht locker, nach zähem Ringen konnten sie die Villa 2002 übernehmen. Haus und Garten des großen Künstlers waren „total heruntergekommen, sein Atelier zerstört, eine Bar im Kaminraum, Kino im Obergeschoss, Aquarien“.

Im Sommer 2006 wurden der nach Gemälden und historischen Quellen rekonstruierte Garten und die Villa als Museum eröffnet. „Vorher hat uns kaum ein Politiker unterstützt, danach waren sie alle stolz, was sie geleistet hätten“, sagt Immenhausen. Ohne den enormen bürgerliche Einsatz wäre es wohl nie dazu gekommen. Und ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer, „wäre es auch jetzt nicht machbar, wir bekommen weiter keinen Cent öffentlichen Zuschuss“. Alles wird finanziert durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder, Veranstaltungen.

80.000 Besucher aus aller Welt wandeln jährlich durch den Garten und die Villa. Dort hängen etliche kostbare Gemälde, teils Dauerleihgaben, teils Geschenke. Es weht eine besondere Aura an diesem authentischen Ort, wo man dem berühmten Maler so nah wie nirgends sonst sein kann. Eine Erfolgsstory sondergleichen.

Liebermann-Villa am Wannsee, täglich außer dienstags geöffnet. www.liebermann-villa.de

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