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Max Liebermann : Ein Bild von einem Garten

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Im Sommer blühen Pfingstrosen und  Rittersporn im Bauerngarten

Der Blick schweift von der Terrasse über den zwei Meter tiefer gelegenen großen grünen Rasen, der alles vereint, drei schmale Wege geleiten zum Ufer, „geradezu sogartig wird man ans Wasser geführt“, schwärmt Immenhausen. Am Uferrand recken sich noch einige stattliche Birken aus dem Rasen, im Herbst bildet ihr Laub filigranen goldenen Vlies. Robinien und Ahorne, Trauerweiden und Kastanien – nichts steht hier zufällig, für Licht-und Schatten-Spiele und Farbeffekte auf der Leinwand. Ein schmaler Steg führt aufs Wasser. Vis-à-vis liegt links das legendäre Strandbad Wannsee mit seiner langgestreckten 1930er-Jahre-Architektur, seit Liebermanns Zeiten und bis heute „Badewanne“ der Hauptstadt. Segelboote gleiten lautlos vorbei, Möwen krächzen in der Luft. Links lädt ein sechseckiger Tee-Pavillon zur Siesta ein. Ein paradiesisches Panorama – die Gemälde davon hängen heute in berühmten Museen wie der Hamburger Kunsthalle und der Berliner Nationalgalerie.

Links von der Terrasse führt der Weg zum Wasser durch drei verschieden große geometrische Garten-Kabinette, eingefasst von hohen Hainbuchen-Hecken. Sie sind, nach barocken Vorbildern, Lichtwarks Schöpfung. „Jedes ist anders gestaltet, bietet auf kleinem Raum große Vielfalt“, erläutert Immenhausen. Im ersten besticht asketische Strenge, ein Karre aus zwölf Linden, deren Kronen hoch gestutzt sind und die wie grüne Säulen über die äußeren Hecken ragen. Diverse Nuancen von Grün, darüber der Himmel, ein Ort für Kontemplation. Der mittlere, größte Salon hat in der Mitte ein ovales Beet, mit Funkien gefasst und knallrotem Indischen Blumenrohr (Canna) im Sommer. Der dritte Salon ist sinnlich-schwelgerischer mit einer Rosenlaube als Herzstück. Durchschreitet man den letzten schmalen Buchenbogen, begleitet bis zum Ufer ein Naschgarten mit Beerensträuchern und Obstbäumen.

Zurück zum Haus begrüßt den Ankömmling auf der Gartenterrasse der Fischotterbrunnen vom Berliner Bildhauer August Gaul. Die Replik des verschollenen Originals, das Max seiner Frau Martha Weihnachten 1909 schenkte, ist für heutige Besucher ein beliebtes Selfie-Motiv. Am seitlichen Haupteingang vorbei geht es dann in den Bauerngarten, der sich entlang einer schmalen Sackgasse erstreckt. Im Frühling berauschen Hunderte von Frühlingsblühern, eine Augenweide bietet der Sommer mit üppigen klassischen Blumen des Bauerngartens, Pfingstrosen, Rittersporn, Ziersalbei, Flammenblume, Lobelien – alles, was faszinierende Farben schenkt, im Herbst Dahlien in glühenden Tönen.

„Der Garten ist Ihr Garten.“

Auf den Gemälden sind nicht einzelne Blumen erkennbar, sondern satte Abstufungen von Farbnuancen. „Kein anderes Haus in Wannsee kann solche Blumenbeete haben“, schreibt eine Zeitung 1927, „Max Lieberman begleitet uns durch den Vorgarten mit seinen blühenden, duftenden, farbenglühenden Lieblingen, mitten drin die Staffelei, an der er vor wenigen Stunden gearbeitet hat.“

Bis auf die Staffelei ist auch dieser Teil heute fast wieder wie früher. Man flaniert an langen schmalen Rabatten mit Blumen und Gemüse vorbei auf die weiße Gartenbank am Ende zu. Von dort kann man durch die Türen des Hauses bis aufs Wasser schauen – was für eine Sichtachse! Der Blick ist ein lebendes Gemälde, vor allem mit der grünen Girlande aus acht Lindenkronen, die sich vor die Fassade schiebt, den Garten abschließt und das Gärtnerhäuschen links leicht verdeckt.

Traumlage: 1909 erstand der Maler das letzte Filetstück am Wannsee.

In diesem Herbst gediehen Stangenbohnen, Grünkohl, Zwiebeln, Artischocken, aber es fehlten die fetten violett-purpurnen Köpfe des Rotkohls. Die malte Lieberman auf einem Gemälde im berüchtigten „Steckrüben-Winter“ 1917, als es wegen der Hungersnot im Kriegswinter sogar ein Kohlfeld auf dem sakrosankten Rasen zur Wasserseite hin gab.

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