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Landschaftsarchitektur : „Dichte bedeutet für Bäume Stress“

Wie steht es um unsere Bäume? Kiefern in einem Wald bei Eberswalde. Bild: dpa

Alle Welt redet plötzlich über Bäume, Enzo Enea beschäftigt sich seit rund drei Jahrzehnten mit ihnen. Im Interview spricht der Landschaftsarchitekt über schlechte Böden, Grünflächen als Prestige – und die Baumart, die dem Klimawandel trotzen wird.

          3 Min.

          Alle Welt redet plötzlich über Bäume, Enzo Enea beschäftigt sich seit rund drei Jahrzehnten mit ihnen. Der Schweizer Landschaftsarchitekt hat einen auf der Bonsai-Technik basierenden Wurzelschnitt entwickelt, der es ermöglicht, auch sehr alte und große Bäume umzusiedeln und auf kleiner Fläche zu halten. Damit hat er auf der diesjährigen Art Basel provoziert. Im Eingang einer der Hallen zeigte der bei internationalen Prestigeprojekten gefragte Planer unter dem Titel „Use/Abuse“ (Gebrauch/Missbrauch) acht Olivenbäume, riesig und uralt. Der älteste stammt aus dem Jahr 1380. Enea hatte sie auf Tiefladern aus Süditalien ankarren lassen. Dort standen die Bäume mit nach der Art der japanischen Bondage-Technik Shibari verschnürten Wurzelballen wie traurige Riesen in fremder Umgebung – als Sinnbild für die Abhängigkeit der Menschen von der Natur und Mahnung, wie schonungslos sie mit ihr umgehen. Aber muss man dafür ausgerechnet hochbetagte Olivenbäume in eine Baseler Messehalle bringen? Enzo Enea, den wir auf seinem Unternehmenssitz am Zürichsee treffen, findet: ja.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Aktion „Use/Abuse“ soll auf das fragile Gleichgewicht zwischen Zivilisation und Natur aufmerksam machen. Aber sind ausgerechnet Olivenbäume aus Süditalien, wo ein Bakterium ein Massensterben dieser Bäume auslöst, die beste Wahl, um die Begrenzung der Natur durch den Mensch zu zeigen?
          Unbedingt. Die Olive ist ein starkes Symbol. Wir Menschen nehmen vom Olivenbaum viel: seine Früchte, das Öl, wunderbares Holz - und zudem auch Emotion. Außerdem hat diese Art einen archaischen Charakter und ist ausgesprochen robust. So halten wir es grundsätzlich mit der Natur. Wir nehmen viel, engen sie aber gleichzeitig immer mehr ein. Deshalb die Schnüre.

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