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Gärten und der Klimawandel : Grüne Frisuren

Die Gärten von Schloss Trauttmannsdorf in Südtirol vereinen Natur, Kunst und Kultur. Bild: Othmar Seehauser

Von Schlossparks bis hin zu begrünten Fassaden: Auch die bestgestalteten Gärten der Welt stehen vor neuen Herausforderungen. Im Trend liegen dabei laut der „Garden Design Review“ vor allem vertikale Gärten.

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          Im Alten Ägypten waren Gärten neben Göttern allein dem Pharao und besonders angesehenen Würdenträgern vorbehalten. Diese Zeiten gehören zum Glück der Vergangenheit an. Heute sind die städtischen Grünanlagen die wichtigsten Naherholungsgebiete für gestresste Stadtbewohner, die meisten Schlossparks stehen jedermann offen, und auch viele bekannte Privatgärten öffnen ihre Pforten für interessierte Besucher.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Trotzdem bleiben Gärten ein Luxus – und werden es immer mehr. Die zunehmend dichter bebauten Metropolen nagen am Grün. Wegen der steigenden Bodenpreise ist ein großer Garten in der Stadt für die allermeisten Menschen unbezahlbar.

          Auch der Klimawandel bleibt für die Gartenliebhaber nicht ohne Folgen: Heiße Sommer, nasse Winter und Spätfröste machen vielen einheimischen Pflanzen zu schaffen. Und die geliebte Rasenfläche wird aufgrund der steigenden Temperaturen zum Auslaufmodell.

          Inspirationsquelle für das heimische Grün

          Zeit, auf Reisen zu gehen und sich anzuschauen, wie Gartengestalter auf der ganzen Welt auf die neuen Herausforderungen reagieren – oder vielleicht auch einfach vieles beim Alten lassen. Nicht weniger als die „bestgestalteten Gärten und Parks auf dem Planeten“ zu präsentieren ist der Anspruch des kürzlich erschienenen „Garden Design Review“. Der Herausgeber will nach eigenem Bekunden in dem Buch nicht einfach nur schöne Gärten aneinanderreihen, sondern Liebhabern eine Inspirationsquelle für das heimische Grün liefern.

          Anhand von 46 Gärten und Parks in aller Welt – wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf Europa, vor allem Deutschland, liegt – fächert das Buch das gesamte Spektrum der Gartenkultur auf: Öffentliche und private Parks und Gärten werden ebenso vorgestellt wie bekannte Baumschulen und Grünflächen, die um Firmensitze herum gestaltet sind.

          Die Gärten von Cothay Manor sind im Arts & Crafts-Stil gestaltet.

          Von Baummaklern und wohlklingenden Namen

          Das Kriterium für die Auswahl wird dabei nicht immer ganz klar, weshalb sie etwas eklektisch wirkt. Im Zweifelsfall ist es ein klingender Name: Versammelt sind berühmte Anlagen wie die Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Südtirol oder das Museum Insel Hombroich und die aktuell angesagten Namen unter den Gestaltern wie Piet Oudlof oder Sophie Walker.

          Doch macht die Vielschichtigkeit des Buches auch seinen Reiz aus. Gerade hat man sich noch durch opulente Bilder geblättert, erfährt man auf der nächsten Seite, was den Beruf eines „Tree Brokers“ ausmacht: Während in der Finanzbranche der Broker Aktien und Wertpapiere zwischen Käufer und Verkäufer vermittelt, ist der Baummakler auf die Vermittlung besonderer Gehölze spezialisiert. Im Auftrag seiner Kunden sucht er in Baumschulen nach dem Solitär.

          Gestalter Reinhold Borsch schätzt Koiteiche als Quelle der Ruhe.

          In immer wieder eingestreuten Interviews schildern Gartendesigner, was sie bei ihrer Arbeit leitet. Während die Hamburger Gestalterin Vicki Hinrichs den Garten als die „Frisur des Hauses“ versteht, dem sie am liebsten eine klare Struktur gibt, fasziniert die Engländerin Sophie Walker vor allem das Ungezähmte der Natur. „Der Garten hat ein natürliches Leben, das weit über unseres hinausreicht“, ist Walker überzeugt, die am liebsten seltene Pflanzen verwendet, um den Betrachter zu überraschen.

          Vicki Hinrichs ist auf Linie: Eine geschwungene Hecke teolt das Grundstück an der Hamburger Alster.

          Darüber hinaus geben kurze Essays einen Einblick, mit welchen Herausforderungen Gartengestalter, ob privat oder professionell, konfrontiert sind: Wie der Klimawandel unsere Städte zunehmend in Hitzewüsten verwandelt und welche wichtige Rolle Pflanzen dabei für das Stadtklima spielen, wird ebenso behandelt wie das Phänomen der urbanen Landwirtschaft.

          Als Beispiel für den neuen Umgang mit Grün in der Stadt dient der französische Botaniker Patrick Blanc. Er gilt als Erfinder der vertikalen Gärten, die an steilen Wänden ohne Erde wachsen. Während auch Efeu oder Wein an Hausfassaden ranken, werden Blancs Pflanzen davor gehängt. Auch wenn seine Gärten nicht zu betreten sind – alleine ihr Anblick sorgt in der Stadt für Erholung, und gut fürs Stadtklima sind sie noch dazu.

          Garden Design Review“ von Ralf Knoflach (Hrsg.), Text in Englisch, Deutsch, Französisch, teNeues, Kempen 2018.

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