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Schneeglöckchen im Garten : Eine Blüte als Frühlingsbote

  • -Aktualisiert am

Das Schöne an den Schneeglöckchen: Sie sind immer so fröhlich. Bild: © Marion Nickig

Der britische Schneeglöckchenpapst Joe Sharman über gute Sorten, Zwiebeln für 600 Euro und die Versessenheit der Deutschen.

          Weiße Blüten, dunkelgrünes Laub: Jetzt ist Schneeglöckchensaison. Galanthophile treffen sich bei Schneeglöckchentagen, zum Beispiel im Kloster Knechtsteden in Dormagen. Dort begegnet man auch „Mr Snowdrop“ Joe Sharman, der britische Schneeglöckchenzüchter ist immer dabei, um seine Pflänzchen an den Mann zu bringen.

          So viele Schneeglöckchen! Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich kaum. Wo soll man denn da anfangen?

          Ich habe 500 Sorten. Das reinweiße ’E.A. Bowles‘ gehört zu den besten überhaupt, und auch die Sorte ’Grumpy‘ ist sehr gut. Damit machen Sie nichts falsch.

          ’Grumpy‘ hat eine grüne Zeichnung, die an ein mürrisches Gesichtchen erinnert. Was macht denn ein gutes Schneeglöckchen aus?

          Es bleibt schön aufrecht, schaut dich an. Es performt immer, und jeder mag es. Und wem das alles zu weiß-grün ist: Inzwischen gibt es auch goldgelbe Sorten. ’Wendy’s Gold‘ zum Beispiel, oder meine neuere Sorte ’Golden Fleece‘.

          Die kostet 300 Euro, für ein einziges Zwiebelchen im Topf...

          Bei Ebay habe ich sogar mal eins für 1390 Pfund versteigert. Und ich sage Ihnen auch, warum die so teuer sind: Es dauert fünf Jahre, bis ein Schneeglöckchen blüht. Dann kreuze ich es, und es dauert wieder fünf Jahre. Ist dann eine vielversprechende Pflanze dabei, muss ich sie vermehren, im Schnitt acht Jahre lang. Wenn man eine Zwiebel kauft, stecken also 18 Jahre Arbeit darin. Teilen Sie 1390 mal durch 18 – das ist dann gar nicht mehr so viel.

          Was ist an ’Golden Fleece‘ so besonders?

          Sie hat nicht nur einen goldgelben Fruchtknoten und goldgelbe Zeichnungen auf den inneren, sondern auch auf den äußeren Blütenblättern. Das gibt es sonst nicht, höchstens mit grüner Zeichnung. Aber die sieht man im Garten von weitem kaum.

          Wer zahlt solche Summen? Sie kommen ja extra aus England zu Schneeglöckchentagen nach Deutschland.

          Die Nachfrage ist riesig, ich verkaufe fast immer alles. Bei meinem ersten Mal vor acht Jahren bin ich mit einem Auto gekommen, dann mit zweien, inzwischen habe ich einen großen Transporter. Die Deutschen sind sehr versessen. Es gibt Galanthophile, die fünf- bis sechshundert Euro für eine Zwiebel bezahlen.

          Haben die Deutschen einen anderen Geschmack als die Briten?

          Nein, ich beobachte die gleiche Leidenschaft wie bei uns. In den Niederlanden gibt es auch eine große Nachfrage, in Frankreich weniger. Fragen Sie mich aber nicht, ob das genetisch bedingt ist!

          Wieso haben Sie sich auf Schneeglöckchen spezialisiert?

          Als echter Plantsman habe ich mich für alles interessiert. Und im Winter gibt es nicht viel außer Schneeglöckchen. Ich habe schon Mitte der 1980er Jahre angefangen. Damals gab es nur eine kleine Gruppe von Galanthophilen, man traf sich bei „Snowdrop lunches“ mit 20, 30 Leuten. Ich habe das breiter aufgestellt und Veranstaltungen mit 300 Leuten organisiert. So ist das Interesse nach und nach gewachsen.

          Warum haben es Ihnen die Pflänzchen so angetan?

          Sie sind immer so fröhlich. Draußen ist es eisig, und dann ist da diese wunderbare, reinweiße Blüte, die sagt: Der Frühling kommt!

          Sie züchten seit Jahrzehnten – gibt es noch irgendetwas, das Sie reizt?

          Natürlich. Ich arbeite an einer besonderen Form. Bei den Galanthus nivalis poculiformis sind die inneren Blütenblätter genauso groß wie die äußeren, eine perfekte Glockenform. Jetzt stellen Sie sich das mal gefüllt vor, mit 20 Blütenblättern und einer goldenen Zeichnung...

          Und Ihr Tipp für Anfänger?

          Beginnen Sie mit den erschwinglicheren Sorten. Kaufen Sie nur wenige und lernen Sie sie kennen: Wo fühlen sie sich in Ihrem Garten wohl, was brauchen sie? Dann tasten Sie sich an die Teureren heran. Aber Vorsicht: Die gewöhnlichen Galanthus nivalis sind oft mit Botrytis, einem Grauschimmelpilz, infiziert. Teure Sorten sollten Sie lieber weit weg davon setzen.

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