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Gartenpflege : Immer Arbeit mit dem Rasen

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Rasen erleichtert die Gartenarbeit nicht zwangsläufig... Bild: dpa

Wer glaubt, Rasen erleichtert die Gartenarbeit, der irrt gewaltig. Dafür kann das Grün viel mehr als vermutet.

          Natur ist so unbequem. Der Rasen ist hart, uneben und feucht und zudem wimmelt es von grässlichen schwarzen Insekten.“ Der 1900 gestorbene irische Autor Oskar Wilde konnte der Entspannung auf gepflegten Grün offensichtlich nicht viel abgewinnen. Heute würde ihm da – zumindest hierzulande – wohl kaum jemand zustimmen. Wer einen Garten hat, der hat fast immer auch ein Grasstück, und auch der öffentliche Raum ist ohne Wiesen- und Rasenflächen nicht mehr denkbar.

          Bis zu 140.000 Menschen sollen sich an einem Sommertag allein im Englischen Garten in München tummeln. Die beliebte Anlage ist im Stil alter englischer Landschaftsgärten angelegt und gehört zu den größten Parkanlagen der Welt. Doch gleich, in welche Stadt man blickt, fast alle schmücken sich mit attraktiven Parks – sei es der 1999 unter großer Aufmerksamkeit neu eröffnete Lustgarten in Berlin, der Große Garten in Dresden oder das Maschsee-Gelände in Hannover. Geschäftsleute verbringen hier ihre Mittagspause, Kinder und Hunde nutzen die Wiesen zum Toben, nachmittags picknicken Familien, abends grillen und feiern Jugendgruppen.

          Und auch wo es keine Riesenanlagen gibt, Grünplätze sind heutzutage aus fast keinem Stadtteil wegzudenken. Genaue Zahlen, wie viele städtische Grünflächen es gibt und welche Städte am meisten zu bieten haben, fehlen zwar, wie Gert Bischoff, Professor für Landschaftsbau an der FH in Erfurt bedauert. In einem ist sich der Fachmann, der auch als Rasensachverständiger arbeitet, jedoch sicher: Die Tendenz ist eindeutig steigend. Im öffentlichen Raum wie in den privaten Gärten grünt es großflächig – und „Betreten verboten“-Schilder sind auf dem Rückzug.

          Dabei ist Rasen nicht gleich Rasen. Seitdem der deutsche Bischof und Naturgelehrte Albertus Magnus Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals den Begriff „Rasen“ verwendete, die satte Grasnarbe als Erholungsfläche „zum Erfrischen der Augen“ beschrieb und Tipps zur Anlage gab, hat sich viel getan. Im Mittelalter wurden die Grassoden zumeist vor der Stadt abgestochen und in die Gärten gebracht. Großflächig ausgesäte Rasenflächen legte man erst rund 200 Jahre später in den italienischen Renaissancegärten in der Umgebung von Florenz an.

          Erst danach folgten die berühmten Barockgärten Frankreichs, mit denen der Adel seine Macht über die Natur demonstrierte, und die englische Landschaftsgärtnerei. Doch auch wenn der englische Rasen bis heute als Synonym für guten Rasen gilt, Pionier der Rasengräserzüchtung war ein Amerikaner. James Bradford, der aus Olcott in Connecticut stammt, experimentierte Ende des 19. Jahrhunderts mit sogenannten Schwingelarten und Straußgräsern und legte damit den Grundstock für moderne Züchtungen. Zuvor waren es überwiegend verschiedene Kleearten und deutsches Weidelgras, die die Landschaften mit grün überzogen.

          Es existieren keine verbindlichen Standards

          Heute beschäftigen sich ganze Forschungszweige damit, Rasen für jede Gebrauchsform zu perfektionieren. So gibt es allein für Golfplätze unzählige Mischungen, und der Rasen auf Fußballplätzen ist ohnehin eine Wissenschaft für sich. Es gibt sogar eine Deutsche Rasengesellschaft e.V., die sich zum Ziel gesetzt hat, nicht nur die Fachwelt zu vernetzen, sondern auch die Verbraucher in allen Fragen der Rasenpflege aufzuklären. „Fachleute aus den unterschiedlichen Teilbereichen der Rasenwissenschaft und der Rasenpraxis bieten Hilfestellung bei den vielfältigen Möglichkeiten zum Thema Rasen“, heißt es dort.

          Der Wissensstand ist hoch, was die Sache für den Laien nicht einfacher macht. Neben einer Vielfalt von Samenmischungen, drängen Rollrasen und Hybridrasen, Mischungen aus Natur- und Kunstrasen, auf den Markt. Da es keine verbindlichen Standards gibt, kann jeder Saatguthersteller Rasensamen unter jeder beliebigen Bezeichnung verkaufen. Locken auf der Packung Werbeversprechen wie „strapazierfähig“ oder „pflegeleicht“, heißt das nichts. Kenner raten daher zumindest auf die Kennzeichnung RSM (siehe Kasten) zu achten.

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