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Chaumont-sur-Loire : Grünes mit Aha-Effekt

  • -Aktualisiert am

Flower Power heißt das diesjährige Motto. Bild: Domaine de Chaumont-sur-Loire

Chaumont-sur-Loire ist Provinz – doch in Sachen Gartenkunst Weltklasse. Trotzdem kommen gerade auch Hobbygärtner auf ihre Kosten.

          Waren Sie im Frühling schon auf der Chelsea Flower Show in London? Die als die „Oscar“-Veranstaltung für Gärten gilt? Standen endlos Schlange? Vor den Schaugärten, um einen Blick zu erhaschen auf mehr oder weniger exzentrisches Grün? Um Sandwiches oder Erdbeeren zu ergattern? Oder wenigstens ein Glas vom süffigen Sommerdrink „Pimm’s“, um damit den Frust über die jedes Jahr wachsende Drängelei und Überfüllung herunterzuspülen? Dabei machte sich der Brexit schon bemerkbar: weniger Sponsoren, statt siebzehn nur noch acht Schaugärten, Schrumpf-Programm auch anderswo. Die Alternative: Eines der schönsten Garten-Festivals auf dem europäischen Festland findet im französischen Chaumont-sur-Loire statt und ist die Antithese zum glamourösen, aber auch mit einem Quantum Dekadenz getränkten Chelsea.

          Dort, im Herzen Frankreichs, wird ebenfalls Gartenkunst inszeniert, aber ganz anders. Chaumont-sur-Loire ist Provinz und dennoch in Sachen Gartenkunst ganz vorne. Ein pittoreskes Dörfchen im Zentrum der Loire-Region, mitten im Unesco-Welterbegebiet, zweihundert Kilometer südwestlich von Paris. Zum kleinen Ort gehört das imposante Märchen-Schloss Chaumont, turmbewehrt malerisch auf einem Felsen hoch über der Loire und dem Dorf thronend. Im Park von Schloss Chaumont ist alles vereint, was das sehnsüchtige Herz begehrt: Altes Schloss trifft auf Kunst, Natur und grüne Avantgarde. Ein Gesamtkunstwerk, das sich in einer unglaublich lässigen Atmosphäre präsentiert. Kein Gedrängel, nirgends. Dafür ist das Gelände mit seinen 32 Hektar viel zu groß, und gut ein Drittel davon füllt das Festival.

          Erinnern an die Blumenkinder

          Das geschichtsträchtige Renaissance-Schloss erwarb im 16. Jahrhundert Katharina von Medici als exquisiten Verbannungsort für Diane de Poitiers, die Mätresse ihres verstorbenen Mannes König Heinrich II. Anfang des 18. Jahrhunderts weilte die berühmte Madame de Staël als Gast im Schloss und verfasste hier ihr scharfsichtiges Sittenbild „Über Deutschland“. Später machten eine Zuckerfabrikanten-Erbin und ihr prinzlicher Gatte aus dem Schloss eine Luxusresidenz, bis die Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren ein abruptes Ende setzte.

          Der Staat übernahm 1935 das Anwesen, seit 2008 gehört es der Region Centre-Val de Loire. Schon seit 1992 findet das Internationale Garten-Festival statt, jedes Jahr unter ein Thema gestellt. Es ist eine Experimentierwiese für grüne Trends, immer noch ein Geheimtipp, aber längst Mekka für alle, die neugierig und offen sind für phantasievolle, exzentrische, utopische, märchenhafte, verträumte, magische Visionen in Sachen Gartengestaltung. Bewerbungen für die jährlich bis zu rund 30 neuen Gärten kommen aus aller Welt. Nicht nur von Landschaftsarchitekten, bewusst wenden sich die Veranstalter an Künstler aus allen Disziplinen. So war schon Filmregisseur Peter Greenaway dabei. Für dieses Jahr wählte die Jury unter Vorsitz der Schauspielerin und Regisseurin Coline Serreau 21 internationale Künstler aus, darunter auch aus Korea und China.

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