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Küchengärten an der Loire : Königliches Gemüse

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Kohl als Kunst und Schmuck zeigt der Schlosspark von Villandry. Bild: Château et Jardins de Villandry

Ein einfacher Küchengarten? Nicht wenn er zu einem Schloss an der Loire gehört. Dort kann Gemüse auch pure Kunst sein. Denn Adel verpflichtet schließlich.

          Zwei steinerne imposante Löwen bewachen den Eingang zum Schlaraffenland. Zwischen ihnen hindurch führt eine Freitreppe über die Leda-Terrasse hinunter in den Potager, den Küchengarten von Schloss Valmer. Hier gedeiht auf einem Hektar alles, was das Herz von Gourmets höher schlagen lässt. Der Küchengarten wurde im Jahr 2000 nach alten Plänen aus dem 15. Jahrhundert gestaltet: vier Quadrate, je in vier Parzellen unterteilt, hohe Mauern schenken ein schützendes Mikro-Klima. Chefgärtner Richard Savaete präsentiert stolz seine Schätze. Darunter vor nicht allzu langer Zeit vergessenes, nun sogar von Sterneköchen wieder geschätztes Gemüse wie Topinambur, mit gelben Blüten an hohen Stängeln: „Billige Produktion, teure Verarbeitung“, grinst er, denn es ist höchst aufwändig, die knubbeligen Wurzeln zu säubern. Im Kartoffel-Karree reift die köstliche lilafarbene ’Amandine‘ („leider sehr fragil gegen Pilze“), blitzen knallorangene Tagetes („gut gegen schädliche Nematoden“).

          Hier wird komplett ökologisch angebaut, mit eigenem Kompost und umweltfreundlichem Dünger. „Unkraut ist eine Pflanze, die da wächst, wo man sie nicht haben möchte“, sagt Richard entspannt. Faustdicke Schichten Stroh schützen gegen Schnecken und andere Schädlinge, insektenfreundliche Blumen locken überall als blühende Buffets zwischen Gemüse und Obst. Das wächst vor allem an kunstvollen niedrigen Spalieren, die als Zäune etliche Beete rahmen. Im „Nasch-Quadrat“ sprießt die frühe Erdbeere ’Duchesne‘ mit großen Früchten, kleine sehr aromatische beschert ’Versaillaise‘ (Fragaria ananassa), eine seltene Sorte von 1850. Unter den zahlreichen Sorten Johannisbeeren (Ribes nigrum) ragt die pechschwarze ’Noir de Bourgogne‘ heraus, wegen ihres exquisiten Aromas begehrt für den Likör Crème de Cassis.

          Der Potager von Schloss Chenonceau wurde 1980 nach alten Plänen neu angelegt. Bilderstrecke

          Mehr als 500 Jahre alt ist die Historie von Valmer. Das große, 1524 auf einer Burg erbaute Schloss wurde 1948 durch Feuer zerstört, unversehrt blieb das 1647 errichtete Petit Valmer, in dem die Eigentümerfamilie des Grafen de Saint-Venant wohnt. Wie auf einem gigantischen grünen Tablett präsentieren sich Schloss und Gärten in pastoraler Anmut. Acht terrassierte Renaissance-Gärten mit Brunnen, Skulpturen und Amphoren fügen sich in leichter Hanglage zwischen Wiesen, Felder und Weinberge. Auf 30 Hektar werden süffiger weißer Vouvray und Touraine Rosé angebaut. In der Boutique rechts vom dreigiebeligen Eingangsportal kann man sie verkosten (und kaufen), bewacht von der gutmütigen Jagdhündin namens Bacchant. Auch ohne Wein wird man ganz trunken von so viel Schönheit und dem Duft vieler Rosen und Kräuter.

          In La Bourdaisière wachsen mehr als 700 Sorten Tomaten

          Im mauerumrahmten Küchengarten von Schloss La Bourdaisière hingegen verwirrt ganz anderer Gaumen-Genuss die Sinne: Tomaten! Fast nichts als Tomaten, mehr als 700 Sorten. Ein weltweit einzigartiger Rekord, ein Ende der Passion ist nicht abzusehen. Hausherr Prince Louis Albert de Broglie ist Tomaten-Maniac: „Ein wunderbares Gemüse und leicht anzubauen“, notabene ungespritzt, Hybrid- und Gen-Tomaten sind tabu. Längst wurde er als „Tomatenprinz“ eine Berühmtheit. In seinem „Schatzkasten“ winden sich die lukullischen Nachtschattengewächse an dunklen Holzstangen hoch.

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