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Küchengärten an der Loire : Königliches Gemüse

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Für Nicholas Tomlin ist es das unbedingt, erklärt er beim Gang durch sein Reich. Der Amerikaner ist seit zwei Jahren Directeur Botanique, keine leichte Aufgabe. Denn dieser Küchengarten muss nicht nur Augenweide sein, sondern auch das anspruchsvolle Schloss-Restaurant beliefern, „ziemlich tricky, exakt anzubauen, was der Küchenchef will“, sagt er. Gerade experimentiert der Obergärtner mit diversen Salatsorten mit kleinen aparten Blättchen, „sehr knusprig“, wie ‘Scarolle’. In der „Dessert-Ecke“ überraschen grüne Johannisbeeren, deren Aroma das der Schwarzen und Roten vereint. Für die Optik auf dem Teller baut er Mangold mit Stängeln in Rot, Weiß und Gelb an, und weiße Auberginen ’Blanche Ronde à OEuf‘, eine alte französische Sorte. Dazu 15 Paprikasorten, sechs Porreesorten auch und 30 Kürbissorten.

Schloss Talcy ist mehr wehrhafte Burg als Schloss

Des Gourmetgärtners absoluter Favorit ist der Grünkohl ’Red Bor‘ mit purpurn leuchtenden Stängeln. Deswegen begehrt sie auch der schlosseigene Florist für seine exquisiten Bouquets. Der Küchengarten ist floraler Fundus für den Floristen, der gerne beim Gemüse wildert. Dahlien, Bronzefenchel, Hortensien und Zierlauch, leuchtend gelbe Steppenkerzen vis-à-vis von grünen Puffbohnen, daneben ragen imposante jadegrüne Blütendolden der Echten Engelwurz (Angelica archangelica) gen Himmel. Ein aparter Kontrast zu den scharf gezackten Blättern von Karden und Artischocken. Zartrosa Rosen paaren sich mit mannshohen Skulpturen der Eselsdistel (Onopordium acanthium) und ihren markanten silbrig-grauen filzigen Blättern. „Ein Küchengarten ist eine Welt für sich“, sinniert Nicholas Tomlin und lässt den Blick liebevoll über seine Schützlinge gleiten. Die dank Pferdemist und ökologischem Anbau grandios gedeihen.

Ein Kleinod, viel weniger spektakulär und dennoch sehenswert, liegt auf dem Rückweg kurz vor Orléans: Schloss Talcy, mehr wehrhafte Burg als Schloss aus dem 16. Jahrhundert, ist verborgen in einem winzigen Dorf. Spätnachmittags ist man mit Glück der einzige Besucher im großen, etwas tiefer gelegenen und von Mauern umgebenen barocken Küchengarten. Vor 21 Jahren wurde er nach historischen Plänen neu angelegt. Schlemmereien wie überdimensionale Artischocken gedeihen geschützt in großen Buchs-Quadraten.

Die Besonderheit neben einer Fülle von Beerenobstsorten sind aufwändig geformte Obst-Spaliere mit historischen Apfel- und Birnensorten, die nach alten Techniken und Formen kultiviert werden. Wem die eingestreuten Blumen nicht reichen, der wird im mit kostbarem Original-Mobiliar aus dem 17. und 18. Jahrhundert ausgestatteten Schloss entzückt sein vom Esszimmer im ersten Stock: Auf kostbaren handgemalten Leinentapeten aus der Epoche Ludwig XV. ranken anmutige Blumenornamente auf türkisem Grund. Und am Brunnen im Innenhof betört eine zartroséfarbene Kletterrose. Benannt nach dem Renaissance-Dichter Pierre de Ronsard. Dessen Liebe zu Cassandra, Tochter des damaligen Schlossbesitzers, blieb unerwidert, inspirierte ihn aber zur herzergreifenden Sonetten-Sammlung „Les Amours“.

Alles, was seit einigen Jahren en vogue ist – Selbstversorger-Garten, Urban gardening, saisonale und regionale Erzeugnisse, die Wiederentdeckung historischer Obst- und Gemüsesorten und deren Vielfalt –, in den neuen, alten Küchengärten entlang der Loire ist es paradiesisch vereint. Das Außergewöhnliche ist neben Nutzen und Schönheit die gloriose Vergangenheit als malerischer Rahmen.

Die Reise wurde ermöglicht durch Atout France, den Touristenbüros Loiretal, Loir-et-Cher und Touraine.

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