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Küchengärten an der Loire : Königliches Gemüse

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Typisch Patricia Laigneau, die Schlossherrin sprudelt über vor Kreativität und Phantasie. Als die Kunsthistorikerin und Landschaftsarchitekten 1993 mit ihrem Mann das Schloss aus dem 15. Jahrhundert erwarb, wollte sie Besucher mit „lebenden Bildern in Märchenwelten“ entführen. Chapeau – genial geglückt! Der magische Park voll hingetupfter Blumen und skurriler Kunst wäre eine eigene Geschichte wert. Ihr Küchengarten, der sich im Innenhof vor der Kulisse des Schlosses ausbreitet, bildet ein lässig- lebendiges Stillleben: zwei große Hochbeete als Viertel-Tortenstücke, von dünnem Eisengeflecht gerahmt. Darin wächst munter alles, was Feinschmeckern mundet. Vor allem Raritäten: „Wir pflanzen historische Sorten des Loire-Tales, die leider langsam aussterben, sich jedoch durch sehr eigenen Geschmack auszeichnen“, sagt die leidenschaftliche Künstlerin und Gärtnerin. Sie zählt auf: „Bohnen wie ’Contesse de Chambord‘, und ’Le flagolet de Tours‘, die alte Kohlsorte le choux de Saint-Saëns‘, der Kürbis ’Sucrine de Beryll’Turnip‘ und die süße Melone von Tours, ’melon sucré de Tours‘.“

Ein mäanderndes Band von Pracht und Genuss

Vieles wird zur Selbstversorgung und für das kleine Restaurant gepflanzt, „aber auch die Schönheit ist wichtig“, betont sie, „denn in Rivau herrscht wahre Harmonie der Farben“. Darum scheren sich die Pfauen wenig, respektlos gefräßig staksen sie durch’s Gemüsebeet, stoßen ihre schrillen Schreie aus und ignorieren hochmütig die Schlossbesitzerin. Deren Kürbis-Festival mit mehr als 80 Sorten lockt im Herbst Besucher von weit her, die das verzauberte Ambiente genießen – und die elysische Ruhe. Die fünf Pfauen hocken dann hoch in den Ästen der majestätischen Zeder, stumm schmollend.

Gemächlich geht es zurück entlang der Loire, dieses flachen, trägen und längsten Flusses des Landes. Er zieht sich als mäanderndes Band von Pracht und Genuss dahin, inzwischen mit Welterbe-Rang. „Leben wie Gott in Frankreich“ ist Symbol für leibliche Genüsse, Wein, Gemüse und Früchte. Viele der 300 Loire-Schlösser besitzen einen Küchengarten. Auch Chenonceau, nach Versailles Nummer zwei im Ranking mit jährlich einer Million Besucher. Die sind vor allem angetan von der skandalumwitterten Geschichte der Bewohnerinnen im 16. Jahrhundert, Katharina von Medici, und ihrer verhassten Rivalin und Mätresse ihres Mannes, Diane de Poitiers. Sie lustwandeln durch das „Schloss der Damen“ und deren zwei sich gegenüberliegende Gärten.

Doch nicht minder prachtvoll ist der Potager, 1980 nach alten Plänen neu angelegt und Genuss für alle Sinne. Hier vereint sich in opulenter Liaison, was schon Geheimrat Goethe schätzte: das Nützliche mit dem Schönen, Blumen und Gemüse in üppigster Fülle. Die Blumen spenden romantisches Flair, und wer behauptet, Gemüse könne nicht auch schön sein?

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