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Küchengärten an der Loire : Königliches Gemüse

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Die Beete sind nach Farben bepflanzt: rote Tomaten in allen Schattierungen, gelbe wie ’Golden treasure‘, grüne wie ’Green Pineapple‘, fast schwarze wie ’Purple Calabash‘ oder ’Slovenian Black‘. Neben den Farben faszinieren die Formen – von knubbelig bis kugelglatt – und Größen: winzige wie ’Petit Moineau‘, riesige wie die sibirische ’Gregory Altai‘. Alle gedeihen ohne Regenschutz, „das sieht unschön aus, und hier in der Tourraine haben wir sehr warme trockene Sommer“, erklärt Toutain Nicolas, seit zehn Jahren Chefgärtner und Hüter der gesunden und kalorienarmen Leckereien. Zu den Antiquitäten gehören die französische Sorte ’Casque rouge‘ oder die pinkfarbene ’Brandywine‘, beide aus dem 19. Jahrhundert. Wer vorher noch nicht tomatoman war – hier wird er es garantiert.

Dass Gemüse pure Kunst sein kann, erlebt man im atemberaubenden Schlosspark von Villandry, Frankreichs berühmtestem Gemüsegarten. Der Garten ist tiefgestapelt: In neun Quadraten wächst hier ein gigantomanisches dekoratives Tableau vivant, in dem Salate, Kohlköpfe, Porree, Möhren und mehr wie Soldaten stramm Spalier stehen. Am besten besteigt man zuerst das Belvedere, um die gesamte Anlage mit dem legendären „Liebesgarten“ und dem Gemüsegarten in voller Dimension zu erfassen. Der ist ein präzis-perfektes, dekoratives Schachbrett, ein ästhetisches Gesamtkunstwerk mit romantischen Rosenlauben mittendrin. Das Gemüse kommt vorgezogen in die Beete, ist es nicht mehr picobello, wird es entfernt, teils an Besucher verschenkt. Mitte des Sommers wird neu eingepflanzt, dann vor allem Auberginen, Gurken, Sommerkohl und Kürbis, „alles, was es im 16. Jahrhundert gab, also keine Kartoffeln“, erläutert Schlossherr Henri Carvallo.

Château de Rivau ist ein Märchenschloss

Sein Großvater ließ den artifiziellen Gemüsegarten Anfang des 20. Jahrhunderts nach Plänen aus dem 16. Jahrhundert anlegen. „Es geht nicht um Botanik, sondern um Schönheit, und die liegt in Symmetrie und Harmonie.“ Nach der geordneten Gemüse-Orgie kann man sich unter schattenspendenden Linden-Alleen erholen, Weintrauben von einer Pergola grapschen, „Naschen ist ausdrücklich erlaubt“, empfiehlt Monsieur Carvallo den Besuchern. Die sind überwältigt: „Simplement magnifique“, hinterließ ein Portugiese im Gästebuch.

Das Prädikat „schlicht herrlich“ trifft auch auf Château du Rivau zu, wenngleich ganz anders. Der kleine Schlenker südlich der Loire ist alle Mühe wert, belohnt wird man mit einem Märchenschloss, das sich sanft in Getreidefelder und Wiesen schmiegt. Wuchtig und dennoch unwirklich, mit (heute trockenen) Wassergräben voll wogender, süß duftender Rosen, Zugbrücke und Rundtürmen. Aus einem baumelt ein meterlanger Zopf herab, Rapunzel lässt grüßen.

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