https://www.faz.net/-gz7-9ppgi

Gartengestaltung : Junes blühende Schatzkiste

  • -Aktualisiert am

Naturalistisch anmutendes Gesamtkunstwerk Bild: Sibylle Pietrek

In Irland hat eine Gartengestalterin ein Reich geschaffen, das dem verblassten Mythos britischer Gartenkunst neuen Glanz verleiht.

          Im Wettbewerb um prachtvolle Gärten kann die Republik Irland durchaus mithalten mit England und Schottland. Zahlreiche historische Paradiese locken auf die Insel. Unter den zeitgenössischen Gärten gilt jener von June Blake als der absolute Hotspot. Gartenfans jeglichen Alters und aus der ganzen Welt pilgern ins Städtchen Blessington, gut dreißig Kilometer südwestlich von Dublin. Hier, in den Wicklow Mountains, mitten im „Garten von Irland“, liegt Junes überbordende Schatzkiste auf sanft hügeligem Terrain. Nur etwas mehr als ein Hektar groß, aber prall gefüllt mit den prachtvollsten Stauden und Gehölzen.

          Gerade einmal siebzehn Jahre alt, bezaubert dieses Gartenreich durch eine originelle, unkonventionelle und sehr inspirierende Neuinterpretation des uralten Themas Garten. Die klassischen Mixed Borders, so heißen im Englischen Rabatte, die vom Frühling bis zum Herbst blühen und als Kür englischer Gartengestaltung gelten, sucht man bei June Blake vergebens.

          Die Gärtnerin hat den verblassten Mythos britischer Gartentradition in eine dynamische, zeitgenössische Szenerie transformiert. Was auf den ersten Blick wie ein wahnwitzig wuchernder Dschungel wirkt, entpuppt sich beim zweiten Hinschauen als eine ausgesprochen gelungene Melange von Vertrautem und Exotischem. Dahinter stecken Talent, Kalkül und Kenntnis. Am besten lässt sich June Blakes Stil so beschreiben: informell formal.

          Schon eingangs demonstriert die Besitzerin vor dem Haupthaus aus grauem Granit, ein beeindruckendes Exemplar viktorianischer Architektur von 1865, ihr Gespür für Ausgefallenes. Markantes Willkommen ist eine Lärche, die in dramatisch halsbrecherischer Schräglage zum Hingucker geworden ist. Wo normale Menschen zur Axt gegriffen hätten, ehrte June den Baum als von der Natur gestaltete Skulptur. Darunter lädt nun ein kleiner Sitzplatz ein, gerahmt von üppigen Stauden wie Schafgarbe, etlichen Storchschnabel-Sorten, Wiesenknopf und Ehrenpreis.

          Der Garten von June Blakes ist formal in unterschiedlich große Beete, Quadrate und Rechtecke aufgeteilt, teils mit Trockenmauern aus grauen Steinen dezent gefasst.

          Im Frühling rauscht hier eine Orgie aus 20.000 Tulpen in der Skala Rot-Orange-Violett – „diesen Mix mag ich besonders“, gesteht die Schöpferin – bis hin zu fast Schwarz mit ’Black Hero‘ und ’Ronaldo‘, durchpflügt von Wellen weißer ’Thalia‘-Narzissen. Neben dem Haupthaus gruppiert sich auf der einen Seite ein U-förmiges Ensemble aus alten Stallungen, nach einstigem Zerfall nun mustergültig saniertes Gästehaus.

          Auf der anderen Seite, vorbei an Teestube und lauschigem Innenhof, liegt der Garten. Er ist formal in unterschiedlich große Beete, Quadrate und Rechtecke, aufgeteilt, teils mit Trockenmauern aus grauen Steinen dezent gefasst. Schmale Wege führen hindurch. Welchen soll man nehmen? Es sieht alles verlockend aus. „Wenn Blumen, gleichgültig welcher Farben und Formen, zusammenstehen, kann niemals ein Bild der Disharmonie entstehen.“ So befand einst Maler Vincent van Gogh. Von wegen, leider stimmt das längst nicht in jedem Garten. In Blessington aber trifft es hundertprozentig zu.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Immer mehr, immer größer, immer schneller: Autos auf den Straßen von Berlin.

          Wandel der Mobilität : Augen auf vorm Autokauf!

          Ob Auto, Bahn oder Fahrrad – Mobilität ist individuell und abhängig von Bedürfnissen und Lebensumständen. Doch jeder sollte bereit sein, sich zu hinterfragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.