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Gartenhaus : Eine Laube für Kapitän Nemo

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Rahmen in metallischem Grau: Kleine Bullaugen und große Sprossenfenster lassen Licht in die Gartenlaube. Bild: Wonge Bergmann

Früher war Christian Hellwig Soldat und Waffenschmied, heute ist er ein gefragter Designer. Immer gleichgeblieben ist aber seine Liebe zu den Romanwelten von Jules Verne.

          Als er jung war, hat er Jules Vernes Roman „20 000 Meilen unter dem Meer“ verschlungen. Die Nautilus und Kapitän Nemo waren Christian Hellwigs Helden. Vielleicht stammt daher sein Faible für einen Einrichtungsstil, der ein bisschen an Fantasy gemischt mit Industriecharme und Elementen des Art déco erinnert. Auf jeden Fall hat Jules Vernes Unterseeboot die Liebe des Braunschweigers zu genietetem Stahl geweckt. Die Metallbauweise mit den charakteristischen Noppen ist typisch für den Schiffsbau oder historische Brücken.

          Im Buch und den Verfilmungen ist Nemos Lesezimmer mit mattgrauen Stahlträgern ausgerüstet, die im Halbrund Wände und Decke stützen und große Bücherregale unterteilen. Bullaugen gehören dazu, ovale Türen und plüschige Polstermöbel. Das Unterwasserzimmer des skurrilen Kapitäns hat Christian Hellwig in seinem Haus in Braunschweig nachgebaut. Da sitzt er, liest und legt die Füße hoch. Wenn er denn mal Zeit hat und zu Hause ist.

          Hellwig ist ein gefragter Designer. Mit seinen Werkzeugkoffern reist er um die Welt, richtet Küchen in Kalifornien ein, baut Eisdielen auf La Gomera, Häuser in Alaska oder hilft monatelang beim Ausbau eines Krankenhauses in Homs im bürgerkriegszerstörten Syrien. Der Vierundsechzigjährige nimmt die Aufträge an, die ihn reizen oder weil ihm die Auftraggeber sympathisch sind. Boote, Beachclubs, Minihäuser, „ich hab alles schon gebaut – nur noch kein Flugzeug“, scherzt er. Eine Homepage hat er nicht, die Aufträge kommen per Mundpropaganda zu ihm. „Wer was von mir will, schreibt mir eine Postkarte. Dann weiß ich, dass es ernst gemeint ist“, sagt er. Hellwig ist halt eigenwillig.

          Wer etwas von ihm will, schreibt ihm eine Postkarte: der Braunschweiger Designer Christian Hellwig.

          Im Süden von Frankfurt hat der Künstler nun in einem privaten Garten ein Gartenhaus errichtet, das es so in keinem Baumarkt oder von der Stange zu kaufen gibt. „Der Auftrag lautete: Es soll aussehen wie eine ausgeräumte, historische Werkstatt“, erzählt er. Hundert Tage hat er dafür gebraucht. Zu Hause in seinem Atelier in Braunschweig fertigte er die einzelnen Module vor, transportierte sie nach Frankfurt, wo er sie mit Hilfe befreundeter Helfer zusammensetzte. Und tatsächlich: Das neue Häuschen sieht aus, als hätte es immer schon dort zwischen Hortensienbüschen und Rosensträuchern gestanden.

          Bodentiefe Sprossenfenster und Türen sind in Hellwigs favorisierter grauer Metalloptik gefertigt. Doch was anmutet wie genieteter Stahl, ist in Wirklichkeit aus Holz gearbeitet und nur geschickt mit rostroten und grauen Farbschichten versehen. Aufgesetzte, halbierte Holzkugeln imitieren täuschend echt Nieten aus Metall.

          Werkstatt-Flair im Grünen: Dieses Gartenhäuschen in Neu-Isenburg bei Frankfurt gehört zu den jüngsten Projekten.

          Der Vierundsechzigjährige legt Wert auf die Details. Er hat selbstgetischlerte Türriegel aus Holz eingebaut, antike Schlösser und Griffe. Ein alter Sicherungskasten mit Sicherungen aus weißem Porzellan hängt gleich neben dem Eingang, und in der Außenwand zeigen gebrauchte Messinstrumente den Sauerstoffgehalt und Ölstand von Maschinen an, die gar nicht existieren. Die Holzbalken im Innern sind mit Kugeln und Leisten verziert. Alles wie gewünscht im Stil einer alten Werkstatt.

          Diese für ihn so wichtigen Einzelstücke treibt der Künstler bei seinen Streifzügen und Reisen auf, handarbeitet sie selbst oder lässt sie anfertigen. In der Überseestadt in Bremen hat Hellwig etwa die Inneneinrichtung eines großen arabischen Restaurants übernommen. Die Tische und Stühle dafür ließ er nach seinen Entwürfen in Marokko bauen, die Stoffe kamen aus Marrakesch, und die Stehlampen schmiedete er aus alten Gewehren. Der Braunschweiger war früher mal Soldat und Waffenschmied. Heute werden bei ihm Kriegswaffen zu friedlichen Beleuchtungsobjekten.

          Hellwig ist Autodidakt und Allround-Handwerker. Er hat als Goldschmied gearbeitet, malt, restauriert Gemälde, tischlert, schlossert und fertigt Tierskulpturen. Der Braunschweiger, selbst Vater von vier Töchtern, kommt aus einer interessanten Familie. Sein Vater war der Profifußballer Karl-Heinz Hellwig, der in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts für Arminia Bielefeld sowie Eintracht Braunschweig unter Vertrag stand und im Kader der deutschen B-Nationalmannschaft spielte. „Meine Mutter war künstlerisch begabt und hat mir vieles beigebracht.“

          Es lebe die Niete: Was aussieht wie Stahl, ist eigentlich Holz

          Die meisten von Hellwigs Arbeiten und Entwürfen entstehen im Kopf. Er zeichnet ein Aufmaß, aber dann läuft vieles freihändig. Er will Unikate schaffen, kreativ sein. „Es geht um den Weg, nicht um Dollars“, betont der Gestalter. Er will von seinem Design leben können, aber nicht unbedingt ein Vermögen machen. „Ich verschenke meine Ideen nach dem Open-Source-Prinzip.“ Das bedeutet: Jeder, dem seine Entwürfe gefallen, könne sie einfach kopieren. Hellwigs Kunst inspiriert. Die Gartenhaus-Besitzerin jedenfalls ist glücklich mit ihrer neuen Werkstatt im Grünen. Sie will dort ihr eigenes kleines Malatelier einrichten.

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