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Gärten in Irlands Westen : Bepflanzt wie von Elfenhand

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Selbst ortsfremde Riesen-Natternköpfe gedeihen im Garten von Lorna MacMahon prächtig. Bild: Ina Sperl

Zwischen Felsen und Feen, Flechten und Moosen: Der Westen Irlands ist zwar für seine rauhe, wilde Natur bekannt. Sehenswert sind jedoch auch seine Gärten. Sogar subtropische Pflanzen wachsen hier.

          Wie Gestalten aus einer anderen Welt stehen die Riesen-Natternköpfe (Echium piniana) im Beet. Schlank und hochgewachsen, gespickt mit Millionen winziger Blüten, überragen sie Fackellilien, Glockenblumen und Gräser. Sie scheinen nicht recht hierher zu gehören, in den Garten von Lorna MacMahon, in Galway, im Westen Irlands. Und doch fühlen sie sich so wohl, dass sie vier, fünf Meter hoch wachsen, sich ihre Nachkommen selbst ansiedeln und den Beeten ein fremdartiges Element verleihen.

          Damit sind sie in guter Gesellschaft. Regelrecht verwunschen geht es nämlich im angrenzenden Waldgarten zu, wo Moos in dicken Teppichen Baumstämme, Felsen und Stufen überzieht. Efeu windet sich empor, Farne wachsen im Halbdunkel. Auf einer dämmerigen Lichtung steht eine asiatische Steinlaterne, die von Flechten und Moosen umrankt, so mit der Umgebung verwoben scheint, als weile sie seit Urzeiten an diesem Platz. Sollte es Wesenheiten wie Naturgeister, Elfen oder Feen geben, hier müssten sie anzutreffen sein. Oder auch am Bach, der durch den Wald rauscht. Oder an den gigantischen Felsenquadern, die wie Bauklötze eines Riesen auf dem Gelände liegen.

          Doch während manche irische Gartenbesitzer mit Feen und Elfen werben, ist Lorna MacMahon äußerst „down to earth“. Mit beiden Füßen in dieser Welt, hat sie im Laufe von 40 Jahren ihr Grundstück in ein Paradies für Pflanzen verwandelt. Sie stehen im Mittelpunkt, sollen bestmögliche Bedingungen erhalten. Die Natternköpfe zum Beispiel: hartnäckig hat sich die Gärtnerin bemüht, ihnen den Ort schmackhaft zu machen. Immer wieder säte sie neu aus, bis sie schließlich Erfolg hatte. Diese Hartnäckigkeit und Ausdauer braucht es auch, um an einem solch felsigen, unwirtlichen Ort einen Garten anzulegen – Ardcarraig Garden heißt er, gälisch für „Hohe Felsen“.

          Denn anfangs bot eine Senke den einzigen Schutz vor den Winden von der See. Dort entstanden die ersten Beete, bepflanzt mit Koniferen. Über die Jahrzehnte hinweg hat die Irin ihren Garten stetig erweitert, von 4000 Quadratmetern auf zwei Hektar. Es gab vor allem Stein, extrem trockenen Boden und Sumpf. Was fehlte, war Erde. „Ich habe mit meinem Mann einen Deal gemacht“, sagt Lorna MacMahon. „Wenn ich die Erde bekomme, die ich haben möchte, mache ich im Garten alles allein.“ Eine Abmachung, an die sie sich bis vor kurzem gehalten hat, obwohl sie seit mehr als 20 Jahren Witwe ist. Erst neuerdings holt sie sich Hilfe, wenn es darum geht, Gehölze zu beschneiden.

          Der Garten des Sisyphos

          Die Koniferen aus der Anfangszeit sind längst hoch gewachsen. Sie schaffen gemeinsam mit dem auf der anderen Seite liegenden Wäldchen ein gutes Mikroklima für allerlei Pflanzen aus der ganzen Welt, aus Australien, Südafrika, und Nordafrika – marokkanischen Silberginster zum Beispiel. Die Gärtnerin weiß um alle Vorlieben, ob trocken oder sumpfig, sonnig oder schattig. Darüber hinaus hat sie ein gutes Auge, setzt etwa goldene Etagenprimeln in die Nähe eines Ahorns, dessen Blätter den gleichen Farbton haben. Und sie liebt das Besondere. Nicht nur die Natternköpfe, sondern auch eine Kapuzinerkresse, die hoch in die Bäume rankt und deren scharlachrote Blüten eine Kaskade bilden. „Die Pflanzen sind froh, hier zu sein“, sagt sie. Das sieht man ihnen an.

          Ähnliche Herausforderungen meistert auch Carl Wright auf seinem Grundstück, rund 60 Kilometer entfernt, in Fanore, County Clare. „Dies ist der blödeste Ort der Welt, um einen Garten zu schaffen“, sagt der gebürtige Brite. Vor allem Gestrüpp und Felsen gab es und so gut wie gar keine Erde, als er sich 1998 in ein kleines baufälliges Haus verliebte. Erst wollte er nur ein bisschen Licht und Luft schaffen rings um das Gebäude. Der Gedanke, Beete anzulegen, lag ihm fern: „Ich dachte, ein typischer Garten würde bescheuert wirken in diesem Dorf“, sagt er. Denn was ihn an den meisten Gärten stört: „Sie haben keinen Bezug zur Landschaft, in der sie sich befinden.“

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