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Gartenfotografie : „Von oben sieht auch Kompost spannend aus“

  • -Aktualisiert am

Ungewohnter Anblick: Der Schwanenbrunnen auf der Insel Mainau umrahmt von blühenden Zierkirschen. Bild: Martin Staffler

Martin Staffler fotografiert Gärten aus der Vogelperspektive. Ein Gespräch über die richtige Flughöhe und warum manchmal auch unschöne Dinge zutage treten.

          3 Min.

          Meist werden Gärten vom Boden aus fotografiert. Nun zeigt der Fotograf und Journalist Martin Staffler private und öffentliche Anlagen aus der Vogelperspektive. Möglich macht es seine mit einer Kamera ausgerüstete Drohne.

          Was muss ein Garten haben, damit Sie mit Ihrer Drohne anreisen?

          Formale Strukturen sind immer hilfreich für gute Fotos aus der Vogelperspektive. Sei es ein geometrisch angelegter Garten mit Wegesystem, mit Heckenstrukturen. Das kann man von oben gut erkennen, das gliedert und strukturiert das Bild. Je nach Flughöhe können aber auch die Beete toll aussehen – grobe und feine Blattstrukturen ergeben spannende Effekte. Da können Gräser im Beet wie eine Seestern-Kolonie wirken. Ich habe auch zum Beispiel die Lotosfläche im Arboretum Ellerhoop fotografiert. Sonst fallen eher die Lotosblüten ins Auge, aus der Luft dagegen ist es die Struktur der Blätter auf dem Wasser.

          Aus der Nähe sind Farben und Blüten wichtig. Aus der Höhe nicht?

          Von oben kommen vor allem Grün und Braun zum Tragen, die Pflanzen und die Erde stehen im Vordergrund. Besonders im Frühling. Einzelblüten bedeuten eher eine Nuance in der gesamten Farbgebung. Selbst Rot sieht man nicht mehr so deutlich. Wenn man die Farben und Details haben will, muss man dichter rangehen, also aus fünf bis zehn Metern fotografieren. Herbstlaub in Orange, Gelb und Rot kommt allerdings auch aus der Höhe sehr plakativ rüber. Im Herbst ist außerdem alles dichter eingewachsen, da sieht man weniger Erde im Beet.

          Violette Pracht: Wechselfloorbeet am Gärtnerhaus des Hermannshofs in Weinheim.
          Violette Pracht: Wechselfloorbeet am Gärtnerhaus des Hermannshofs in Weinheim. : Bild: Martin Staffler

          Was hat Sie beim Fotografieren am meisten überrascht?

          Mich hat überrascht, was alles an unschönen Sachen zutage tritt! Im Garten hat man sonst links und rechts etwas zu gucken, man sieht vor allem das, was in der ersten und zweiten Reihe steht. Wenn man drüberfliegt, ist eiskalt zu sehen, was weiter hinten versteckt ist. Gartenschläuche zum Beispiel oder Lücken in der Bepflanzung. Und was man sonst nicht so wahrnimmt, wie Gullydeckel mitten auf dem Weg. Bei manchen Bildern habe ich mir die künstlerische Freiheit genommen, so etwas behutsam wegzuretuschieren. Es wäre schade, wenn ein Gullydeckel ein ansonsten tolles Bild ruiniert.

          Ist es nicht auch eine Chance zu zeigen, was man sonst nicht sieht?

          Ja. Auch eine Arbeitsecke kann von oben spannend aussehen, etwa der Kompost- und Arbeitsbereich im Garten der Herrenmühle Bleichheim. Oder die Gärtnerei im Hortvs von Peter Janke in Hilden. Direkt von oben fällt auch die Dreidimensionalität weg, das ist mitunter irritierend, aber grafisch sehenswert. Ein Baum liegt optisch auf einmal auf der gleichen Ebene wie Zwiebelblumen oder der Wegebelag. Generell ist es natürlich so, dass man als Fotograf aus der normalen Perspektive, vom Boden aus, mehr machen kann. Das Bild von oben ist für mich eher eine spannende Ergänzung. Für Gartengestalter und Freunde toller Gärten ist das interessant als lebendig gewordener Garten- und Pflanzplan, für andere Leute schön und oft überraschend anzusehen. Und die Gegenüberstellung der Normal- zur Vogelperspektive hilft manches Mal bei der Orientierung.

          Geordnete Struktur: Rosenbeete im Rosenneuheitengarten Beutig in Baden-Baden.
          Geordnete Struktur: Rosenbeete im Rosenneuheitengarten Beutig in Baden-Baden. : Bild: Martin Staffler

          Welche Bedingungen brauchen Sie, um Ihre Drohne steigen zu lassen?

          Das Wetter muss stimmen. Schon bei leichtem Wind lässt sie sich nicht mehr richtig steuern. Niederschlag jeder Art beeinträchtigt die Sensoren. Knallige Sonne ist ohnehin nie gut für Fotos, auch wenn der Schattenwurf meist gar nicht im Bild ist. Nach Einbruch der Dämmerung ist es nicht mehr erlaubt. Man braucht einen Drohnenführerschein und muss die Regeln kennen. Es gibt unglaublich viele Einschränkungen, etwa um Flughäfen, Krankenhäuser, Strommasten, Bundesstraßen, Autobahnen und Wohngebiete. Und natürlich braucht man immer die Einverständniserklärung der Gartenbesitzer und Parkleiter.

          Wo stößt die Drohne an ihre Grenzen?

          Größere Gärten wie den Hortvs in Hilden bekomme ich senkrecht von oben gar nicht drauf, da muss ich ein wenig in die Schräge gehen. So etwas wie das 17 Hektar große Arboretum Ellerhoop passt natürlich nie auf ein einziges Bild. Höher als 100 Meter kann die Drohne nicht steigen. Dafür zeigen wir eben einen Blick, den die Besucher von unten nicht haben.

          Gibt es Gärten, die von oben besser als von unten aussehen?

          Eine freche Frage! Da kenne ich kein Beispiel. Ich würde eher von Gleichwertigkeit sprechen: Wenn es darum geht, ob ein Garten von oben genauso viele spannende Eindrücke wie von unten bietet, nenne ich den Garten der Familie Münstermann, den Camenhof. Der hat viele formal getrennte Gartenzimmer. Das fand ich auch von oben eine super Geschichte.

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