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Englische Gartenkultur : Als die Ladys das Gärtnern übernahmen

  • -Aktualisiert am

Mit Leidenschaft und Sachverstand: Die Schülerinnen der Waterperry School of Horticulture Bild: Waterperry Archive

Was wäre England ohne seine Gärtnerinnen? Eine davon war Mary Spiller, legendäre Gartenexpertin der BBC. Ihre Karriere verdankte sie einer ganz besonderen Schule.

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          Sie schlenderte ruhigen Schritts über den Kiesweg, schaute mit wachen, aber auch kritischen Blicken über die Beete und ließ schnell wissen, dass es hier und da immer noch besser geht. Mary Spiller, die Ende Oktober im Alter von 95 Jahren gestorben ist, hat als Gärtnerin Geschichte geschrieben. Anfang der achtziger Jahre war sie die erste Moderatorin im berühmten TV-Magazin „Gardeners’ World“, das die gartenvernarrten Briten bis heute mit Tipps rund ums Gärtnern versorgt. Es war ein Ritterschlag für Spiller und der Beginn einer neuen Epoche für BBC-Fernsehgärtner.

          Spiller selbst hatte sich in jungen Jahren nie Gedanken über ihre spätere Berufung gemacht. „Als ich 18 Jahre wurde, war Kriegszeit. Es gab für mich nur zwei berufliche Möglichkeiten“, erzählte Spiller vor einigen Jahren bei Dreharbeiten fürs deutsche Fernsehen. „Ich konnte die britische Armee im Innendienst unterstützen oder den Menschen bei der Landarbeit helfen. Die sogenannte Land-Armee war mir lieber, aber mein Vater sagte: Mary, du bist eine so zierliche Erscheinung. Die harte Arbeit wird dir nicht guttun. Deshalb suchte er eine Alternative und fand sie im horticultural training course for women in Wheatley.“

          Die legendäre Gartengestalterin Mary Spiller

          Der Ort unweit von Oxford gilt als Wiege der „Lady gardeners“ und erzählt eine der schönsten Geschichten der an Anekdoten reichen britischen Gartenkultur im 20. Jahrhundert. Denn die dortige Waterperry School of Horticulture hat ausschließlich Frauen die Leidenschaft fürs Gärtnern nähergebracht. Schon andere Einrichtungen hatten Gärtnerinnen für sich entdeckt. Im Swanley Horticultural College wurden schon in den frühen neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts Studentinnen zugelassen. 1903 erweiterte Gräfin von Warwick ihr Studley Horticultural and Agricultural College for Women. Weitere Schulen schossen wie Pilze aus dem Boden. Waterperry aber hinterließ die aufregendsten Spuren. Selbst bei Mary Spiller war die anfängliche Skepsis schnell gewichen. „Allmählich wuchs meine Liebe zu diesem Beruf, auch wenn ich unterschätzt hatte, wie aufwendig die Ausbildung war. Wir mussten viel lernen in diesen zwei Jahren – von Gemüse- und Obstanbau über Blumenzucht bis hin zu Gartendesign.“ Auf diese allumfassende Ausbildung legte die strenge Gründerin der Schule, Beatrix Havergal, größten Wert.

          Die Tagesabläufe der Waterperry Girls waren streng getaktet

          Das Schulgeld sorgte für Einnahmen, der Verkauf von Obst, Gemüse, Blumen bescherte Umsatz und sollte die Junggärtnerinnen überdies darin schulen, nicht nach dem Einpflanzen mit dem Denken aufzuhören. Nirgends wurde so akkurat auf die Mischung von theoretischem Wissen und praktischem Können geachtet. Hinzu kam die Wahrnehmung der Schule als Produzent für hochwertige Stauden, Kräuter, Obst und Gemüse. Für Spiller bedeutete dieser Bildungsansatz den wesentlichen Mehrwert. Die zwei Jahre waren für sie eine aufregende, anstrengende, aber doch sehr glückliche Zeit. In ihrem Jahrgang waren lediglich zwölf junge Mädchen, es war eine „große Familie“, in der gelernt und gegärtnert, aber auch gemeinsam die Freizeit verbracht wurde.

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