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Von Japan lernen : Warum Moos dem Garten gut steht

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Der Saiho-ji-Tempel ist auch als Kokedera-Tempel, also Moos-Tempel, bekannt. Bild: Getty

Während Japans Gartenkünstler die Landpflanze als Ornament schätzen, wird sie bei uns geschmäht. Dabei ist es nicht nur aus ästhetischen Gründen sinnvoll, Moose anzusiedeln.

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          Wir Gartenmenschen sind widersprüchliche Wesen. Beim Waldspaziergang bewundern wir mit Moos bedeckte Baumrinden und Wurzeln, Felsen und Steine, die malerische Aura samtgrüner Teppiche. Wenn das samtige Polster Gartenmauer, Steinquader, Trog oder eine Skulptur ummantelt, sprechen wir von „Patina“. Wie romantisch. Im eigenen Garten dagegen rücken wir den grünen Gewächsen mit Chemie zu Leibe, vernichten sie im sakrosankten Rasen und schrubben sie aus sämtlichen Fugen des Plattenweges. Warum eigentlich?

          Es gibt gute Gründe, Moos im Garten nicht nur zu dulden, sondern anzusiedeln. Moose sind schon ästhetisch eine Bereicherung. Größere Partien dieses winzigen Schattengewächses vermitteln eine beruhigende, geradezu meditative Atmosphäre. Zu bewundern vor allem in Japan, dem Land der Moosgärten. Dort ist das flauschige fossile Pflänzchen seit vielen Jahrhunderten traditionell ein kostbares und aufwendig gepflegtes Gestaltungsmittel, Moosgärten gelten als höchste Stufe der Gartenkultur.

          In den alten Tempelgärten in Kyoto überwältigen gigantische monochrome Polster mit magischen Szenerien. Im wohl berühmtesten Moosgarten der Welt, im „Saiho-ji“-Garten aus dem 14. Jahrhundert, gedeihen auf 35.000 Quadratmetern rund 120 verschiedene Moose, darunter viele Arten Weißmoos (Leucobryum glaucum).

          Sehenswert sind auch die Gärten der Tofuku-ji-Tempel-Anlage: Im Sokushin-Garten dürfen Besucher im Herbst die Moosfelder bewundern. Und im Nord-Garten fasziniert der schachbrettartige angelegte Moosgarten von Japans großem Gartenkünstler des 20. Jahrhunderts, Mirei Shigemori, der mit diesem Werk eine Revolution auslöste. Oft wird in der japanischen Gartenkultur spezielles Moos als Ornament an Steinen eingesetzt. Das Weiche vereint sich mit dem Harten. Dieser symbolbeladene Dialog der Natur wird sogar in Japans Nationalhymne besungen: „Bis ein Steinchen zum Felsen wird, an dem Moos wächst“.

          In Zeiten von Klimawandel, Waldbaden und neuer Naturliebe rückt die Miniatur-Schönheit auch in der westlichen Welt wieder mehr ins Bewusstsein. Die amerikanische Naturforscherin und aktuelle Bestseller-Autorin Sy Montgomery („Einfach Mensch sein“) geriet auf einer Expedition durch Papua-Neuguinea angesichts uralter hoher Bäume ins Schwärmen, die sie mit gutartigen Hexenmeistern mit Bärten aus Moos verglich.

          Montgomery zitierte den britischen Kunsthistoriker und Mitglied der Arts-and-Crafts-Bewegung John Ruskin (1819 bis 1900), der die unscheinbaren urzeitlichen Moose „die erste Segnung der Erde“ genannt hatte. Ruskin verwies damit auf die lange Geschichte dieser winzige Sporenpflanzen, die sich vor etwa 400 bis 450 Millionen Jahren aus Grünalgen entwickelt hatten. Aktuell sprechen Wissenschaftler von rund 16.000 bekannten Arten, die sich in drei Hauptgruppen unterteilen, Horn-, Laub- und Lebermoose. Jenseits komplizierter botanischer Gruppierung sind allein viele Namen wie aus dem Märchenbuch: Schönschnabelmoos, Großer Runzelbruder, Rauhes Kurzbüchsenmoos, Schönes Frauenhaarmoos oder Echtes Goldmoos.

          Nicht kaputtzukriegen

          Im nordrhein-westfälischen Mülheim hat Linda Zimmermann in ihrem parkartigen Garten eine Partie dem Moos gewidmet. „Schon als Kind beim Waldspaziergang fand ich Moos verführerisch.“ Heute ist diese Moos-Ecke ihr Lieblingsplatz: „Er strahlt kontemplative Ruhe aus, besitzt eine liebenswerte Atmosphäre und kühlere Temperatur.“

          Aus ihrem angrenzenden Waldgarten entnahm sie aus den entlegensten Ecken zwei Arten Widertonmoos (Polytrichum commune/formosa) „das schenkt schwellende Hügel“, Rotstengelmoos (Pleurozium schreberi), Ordenskissenmoos, auch bekannt als Echtes Weißmoos (Leucobryum glaucum). Sie fügte einige Farne hinzu, setzte Schneeglöckchen – „die tun es erstaunlich gut im Moos, vielleicht wegen seiner antibakteriellen Wirkung“ – und Hunds-Zahnlilie (Erythronium) hinein, „alles sehr sparsam, um die schöne Wirkung des Mooses zu erhalten“.

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