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Von Japan lernen : Warum Moos dem Garten gut steht

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Die wird gefördert durch sanftes Dämmerlicht. Gerahmt von Rhododendren, spenden innen asiatische Gehölze wie Japanische Ahorne, Scheinkamelie (Stewartie), Radbaum (Trochodendron aralioides) und der mediterrane Storaxbaum (Styrax officinalis) ein gefiltertes lichtes Blätterdach. Das markanteste am Moos ist für Linda Zimmermann, die den Moosgarten aus rein ästhetischen Gründen schuf: „Es ist unglaublich widerstandsfähig, nicht kaputtzukriegen, selbst nach größter Trockenheit wird es mit wenig Feuchtigkeit sofort wieder lebendig und rasant grün.“

Die Gärten des Tofuku-ji-Tempels in Kyoto zeigen, wie man Moos effektvoll einsetzt.
Die Gärten des Tofuku-ji-Tempels in Kyoto zeigen, wie man Moos effektvoll einsetzt. : Bild: Getty

Saurer Boden ist gut

Auch in Rastede in Niedersachsen hat die Bildhauerin Sibylle Stautz den Genius loci ihres schattigen Waldgartens genutzt. Dort gedeihen nun silbergrünes Bäumchenmoos (Thamnobryum), hell- oder olivgrünes Tamarisken-Thujamoos (Thuidium tamariscinum), gelbgrün dichtgefiedertes Federmoos (Ptilium crista-crastensis), sattgrün Steifblättriges Gabelzahnmoos (Dicranum tauricum) und das dichte Polster bildende weiß-grüne Weißmoos (Leucobryum glaucum). „Das Farbspiel der Grüntöne bei Licht und Schatten ist so sinnlich und faszinierend.“

Ihr Plädoyer für die graziösen grünen Winzlinge: „Moose sind einfach in ihrer Art, werden kaum wahrgenommen, doch sie sind von unglaublichem Zauber, in Formenvielfalt und Charakter sehr unterschiedlich.“ Ausladende sattgrüne Polster und mikrokleine Hügelchen verbreiten in ihrem Garten eine verwunschene Stimmung, schmiegen sich in einen Boden aus feingehäckselter Pinienrinde.

„Saurer Boden ist gut, Mutterboden und Dünger sind schlecht“, ist ihre Erfahrung. Und wenn es im Sommer zu heiß wird, erfrischt sie die Moose per Gießkanne mit einer sanften Dusche Regenwasser, „bloss kein kalkhaltiges Wasser, das bringt den Exitus“, warnt die Gartenbesitzerin. Weitere Pflege brauche es nicht, nur aufliegendes Laub solle entfernt werden.

Als Patina auf Trögen und Skulpturen ist Moos auch in deutschen Gärten geduldet.
Als Patina auf Trögen und Skulpturen ist Moos auch in deutschen Gärten geduldet. : Bild: Marion Nickig

Unter Naturschutz

Auch Stautz kombiniert Moos mit Farnen und schwarzem Schlangenbartgras (Ophiopogon planiscapus niger). Das erzeuge einen frappierend geheimnisvollen Effekt. „Durch Schwarz bekommt das ruhige, ebenmäßige Moos eine ganz andere Präsenz.“ Ihre Favoritin ist das Frauenhaarmoos (Polytrichum formosum), es wächst in den Wäldern vor ihrer Haustür.

Doch Vorsicht, nur wenige Moose dürfen für den privaten Gebrauch, sehr behutsam, aus dem Wald entnommen werden. Der Rat von Moos-Maniac Doktor Martin Hellbach, der über die geheimnisvollen Sporenpflanzen promovierte: „Außerhalb von Schutzgebieten können häufige Arten wie das Schöne Frauenhaarmoos oder das Bäumchenmoos (Climacium dendroides) in kleinen Mengen gesammelt werden.“ Nach der aktuellen Bundesartenschutzverordnung stehen die Moosgattungen Hylocomium, Leucobryum und Sphagnum unter Naturschutz. Also am besten mit Bestimmungsbuch und Lupe auf die Moos-Pirsch! Oder Moos bestellen.

Nur wenige Gartenbesitzer siedeln die grünen Kissen gezielt an.
Nur wenige Gartenbesitzer siedeln die grünen Kissen gezielt an. : Bild: Marion Nickig

Zahlreiche Fuktionen

Hellbach erläutert, warum es nicht nur aus ästhetischen Gründen sinnvoll ist, selbst im kleinen Garten Moos anzusiedeln: „Aus ökologischer Sicht übernehmen Moose eine Vielzahl von Funktionen im Lebensraum Garten.“ Sie könnten große Mengen an Wasser nach dem Regen speichern, zurückhalten und für ihre Umwelt wieder verfügbar machen. Dies wirke kühlend auf die Umgebung. Zudem seien sie in der Lage, die negativen Auswirkungen extremer Wetterlagen abzumildern.

Hinzu komme, dass Moose als Baumaterial für Hummeln, Vögel und kleine Säugetiere wie Igel dienten. Überdies seien die Pflanzen resistent gegen Bakterien und Pilzbefall. Und Hellmann nennt noch einen Vorzug: „Moose werden von zahlreichen Kleinstlebewesen besiedelt, die weit am Anfang der Nahrungskette eine wichtige Grundlage für unsere Ökosysteme darstellen. Wenn wir uns das bewusstmachen, könnte es in Zeiten von Klimawandel und Artensterben für eine breitere Akzeptanz dieser kleinen grünen Pflanzen im Garten sorgen.“

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 Für Einsteiger in die Materie eignet sich das neue Buch „Der Moosgarten“ von Michael Altmoos (Pala Verlag), ebenso Jan-Peter Frahms „Moose. Eine Einführung“ (Weissdorn-Verlag). Für Moos-Liebhaber: „Mosses of Europe“ von Michael Lüth oder „The magical world of moss gardening“ von Annie Martin. Um Moosgärten zu sehen, muss man nicht unbedingt nach Japan reisen, wo „Moss watching“ der neueste Hype ist. In Deutschland etwa gibt es den Moosgarten „Nahe der Natur“ im rheinland-pfälzischen Staudernheim (www.nahe-natur.com). Zudem präsentieren etliche botanische Gärten wie in Berlin und Tübingen Moose aus aller Welt, und im Teutoburger Wald lockt Deutschlands einziger öffentlicher Moos-Erlebnispfad. Mehr Infos zur Bryologie (Mooskunde) bietet ferner die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa .

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