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Garten von Versailles : Ein königliches Schlaraffenland

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Damals wie heute: Gärtner pflegen den größten Küchengarten der Welt in Versailles, den Potager du Roi. Bild: Prisma Bildagentur

Der Potager du Roi von Versailles ist der größte Küchengarten der Welt. Die Kunst der Spaliere wird hier auf die Spitze getrieben.

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          Von der obersten Terrasse aus liegt der Besucherin ein gigantisches kulinarisches Kabinett zu Füßen. Der Potager du Roi in Versailles ist der größte Gemüsegarten der Welt. Aber Größe allein macht nicht den Wert dieser Anlage aus, sondern eine traditionsreiche Geschichte und ihr köstlicher Inhalt. Alles, was das Feinschmeckerherz begehrt, gedeiht hier, obendrein hundertprozentig ökologisch angebaut. Null Chemie, nichts wird mehr gespritzt, Pestizide sind in öffentlichen Gärten Frankreichs seit drei Jahren tabu. Aber schon von 2007 an gärtnerte man im royalen Gourmetgarten rigoros anders. Da wurde der Amerikaner Antoine Jacobsohn Chefgärtner. „Als ich hier ankam, gab es nur nackte Erde.“ Für ihn ein Graus. Also ließ er zwar die alten Strukturen unangetastet, gärtnert aber seit 14 Jahren recht erfolgreich mit natürlichen Methoden. So ließ er „Unkraut“ unter den legendären langen Spalierreihen wachsen. „Das ist gut, dann gehen die Läuse dahin und nicht ins Obst“, erklärt er der Besucherin.

          Die zahlreichen Spaliere beeindrucken besonders im Potager du Roi. Da wird Natur, durch Menschenhand gezwungen, zur Kunst – an Wänden festgebunden oder als frei stehende lange Alleen, gestützt durch Metallgestelle, sind die Äste der Bäume mit Drähten fixiert. 68 verschiedene Arten, Spaliere zu formen, zeigt der königliche Küchengarten: als Kerzenleuchter, Fächer, Gabel, diagonal, horizontal, Gittermuster, doppelte U-Form, S-förmige Kurven, frei stehende Armleuchter-Spaliere, ganz raffiniert die „Palmette oblique croisée“ über drei Etagen! Alles aufwändigste Handarbeit, mit höchster Präzision und Kenntnis ausgeführt.

          Historische Apfelsorten und praktische Gründünger

          Lebende Skulpturen von oft bizarrer Schönheit, knorrige schrundige Äste mit moosiger Patina. Zwischen grünem Laub leuchtet knackiges Obst hervor, das durch die Spalierform viel mehr Sonne erhält. Bei insgesamt 450 Obstsorten, darunter auch Kiwis, Pfirsiche, Granatäpfel und Feigen, sind allein 140 Birnen- und 160 Apfelsorten. „Oh, so viel, sagen die Leute heute, doch früher gab es viel mehr Varietäten im ganzen Land“, erklärt Jacobsohn. Die Birne ’Bon Chrétien d’Hiver‘ ist ein Kleinod aus dem 17. Jahrhundert. Nicht immer leicht, sie zu erhalten. Birnenrost macht auch vor einem königlichen Gemüsegarten nicht halt. Im 19. Jahrhundert kamen damalige Novitäten wie ’Duchesse D’Angoulême‘ hinzu, die so verführerisch buttrig-saftig schmeckt, wie ihr Name klingt. „Meine Favoritin“, schwärmt der Chefgärtner. Auch die älteste bekannte Apfelsorte überhaupt, ’Api jaune‘, wächst hier, „den erwähnte schon Plinius!“

          Im königlichen Küchengarten sucht Jacobsohn das Nützliche mit dem Schönen zu vereinen, setzt also üppige Blumen zwischen die Obstbäume, Astern, Taglilien, Spinnenblumen und Gladiolen. Überall lugen purpurne Fingerhüte empor. Die strenge Geometrie der Baumreihen wird in bunten, wilden Pointillismus aufgelöst.

          Der Klee zwischen Bäumen und auf den einst sakrosankten Alleewegen sei nicht historisch, aber ein wichtiger Gründünger, der den Boden vor Austrocknung schütze und stärke. Es ist kein ordinärer Klee, sondern der aus dem Orient stammende Persische Klee (Trifolium resupinatum), dessen viele winzig rosa-violetten Blütenköpfchen locken Hummeln und Bienen in Scharen an. „Und er duftet nach wilden Erdbeeren“, verdreht der Obergärtner verzückt die Augen.

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