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Grüne Gemeinschaft : Das pralle Gartenleben

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Die Prachtlibelle schätzt den Gilbweidrich. Bild: Picture-Alliance

Im Sommer kann man das geheime Zusammenspiel der Tier- und Pflanzenwelt im heimischen Garten besonders gut beobachten. Und es wird klar, dass es nicht egal ist, welche Pflanzen man sich zulegt. Ein Auszug aus dem Buch „Das Grüne Wunder“.

          Himbeeren, Stachelbeeren und Süßkirschen reifen, auch Johannisbeeren sind längst rot. Äpfel beginnen, Farbe anzunehmen. Jetzt, im Hochsommer, ist der Lavendel voll aufgeblüht, und auch die Wilde Möhre öffnet ihre Dolden. Wo Linden stehen, verbreitet sich ein süßer Duft: Sie blühen. Die Sonne hat viel Kraft. Es ist heiß, Zeit für Liegestuhl und Planschbecken. Der Garten scheint jetzt auf dem Höhepunkt zu sein mit seinen Rosen, Erdbeeren und vielversprechend rankenden Bohnen. Doch ist hier, für menschliche Augen verborgen – oder übersehen, da ungeahnt – noch viel mehr Leben, zwischen den Pflanzen und in der Erde.

          In manchen Beeten blüht jetzt, intensiv gelb, der Gilbweiderich. Mal wird er geliebt, mal gar nicht gerne gesehen. Denn die Pflanze vermehrt sich von alleine und macht sich breit. Das kann ein Fluch sein, wenn im Garten Zartes steht, das sich nicht gerne von Durchsetzungsstarkem bedrängen lässt. Ein Segen ist der Gilbweiderich allerdings für manche Insekten wie die Schenkelbienen. Zwar produziert die Pflanze keinen Nektar, bietet aber, was außergewöhnlich ist, an ihren Staubblättern außer den Pollen auch Öl an. Das benötigen diese Bienen. Sie nisten sehr verborgen unter der Erde und stellen aus den mit Öl vermengten Pollenkörnchen, die an den Beinen abtransportiert werden, kleine Proviantballen her. Von diesen ernähren sie die Larven. Das Öl verwenden sie möglicherweise auch dazu, um die Brutzelle gegen Wasser abzudichten.

          Von einer Biene, die ihr Nest baut

          Am Wollziest sind an Hochsommertagen andere Tiere zu beobachten. Schwarz-gelbe Insekten, die von der Zeichnung entfernt Wespen ähneln, fliegen zwischen den Blütenständen umher: Große Wollbienen. Kommen sie sich in die Quere, wird auch schon mal geschubst. Wollbienenmännchen bewachen ihr Territorium. Diese Solitärbienen – sie gründen keinen Staat – fliegen auf Pflanzen mit weichem, behaartem Laub, denn sie benötigen die Fasern, um ihr Nest zu bauen. Nicht nur der Wollziest, sondern auch Kranz-Lichtnelken sowie Quitten gehören dazu. Das Weibchen schabt die feinen Haare vom Laub dieser Pflanzen ab, formt sie zu einer Wollkugel und transportiert sie an einen sicheren Ort, eine Ritze, Spalte oder einen Hohlraum. Dort baut sie ein Nest daraus. Den Nektar und Pollen holen sie ebenfalls von Pflanzen wie diversen Ziest-Arten, aber auch Silberraute, oder Ysop. Männchen verteidigen diese Pflanzen gegen andere Insekten, die sie in der Luft attackieren.

          Der Wollziest versorgt die Wollbiene mit Fasern.

          Ebenfalls am warmen, sonnigen Platz wächst der Wiesensalbei. Tief in seinen blauen Lippenblüten sitzt der Nektar, der für Fliegen und Bienen schwer zu erreichen ist. Hummeln dagegen haben einen Rüssel, der hineinreicht. Damit sie aber auch genügend Pollen mitnehmen, um andere Pflanzen zu bestäuben, hat sich beim Wiesensalbei eine ganz spezielle Technik herausgebildet: Kriecht die Hummel in die Blüte, so drückt sie mit ihrem Kopf gegen die Staubblätter, die ihr den Eingang versperren. Die anderen Enden der Staubblätter ragen, halbrund gebogen, aus der Blüte hinaus. Durch einen Mechanismus werden nun diese Enden, die den Pollen enthalten, gegen den Rücken der Hummel gedrückt. Dort bleibt der Pollen kleben und wird zur nächsten Blüte transportiert. Ist diese schon länger geöffnet, kann sie befruchtet werden. Dann drücken sich nicht mehr die Staubblätter gegen den Rücken des Bestäubers, sondern die Narbe, die den Pollen vom Rücken der Hummel aufnimmt.

          Ameisen pflegen gerne Beziehungen zu anderen Insekten

          In Gärten, in denen der Große Wiesenknopf wächst, lassen sich mit Glück der Helle oder Dunkle Wiesenknopf-Bläuling beobachten – blau schimmernde Falter. Zusammengeklappte Flügel sind bräunlich und tragen schwarze Flecken mit einer feinen weißen Umrandung. Wiesenknopf-Ameisenbläulinge haben ein ungewöhnliches Leben. Ein Falter, der jetzt fliegt, hat sein Dasein im vergangenen Sommer auf einer roten Wiesenknopf-Blüte begonnen. Dort ist er als Raupe aus einem Ei geschlüpft. Er hat sich von den winzigen Blütenblättern und den angelegten Samen ernährt. Nach einigen Häutungen hat er sich zu Boden fallen lassen, um in sein Winterquartier zu gelangen: den Bau der Roten Gartenameisen.

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