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Blattschönheiten : Es muss nicht immer eine Monstera sein

  • -Aktualisiert am

Auch der Philodendron selloum hat das Zeug zur Modepflanze. Bild: Imago

Auf der Internationalen Pflanzenmesse liegen Sukkulenten und Farne voll im Trend. Auch die Zimmertanne bringt exotisches Feeling und das Flair vom anderen Ende der Welt ins Wohnzimmer.

          3 Min.

          Es wird grün. Nicht draußen, dort dauert es noch ein wenig. Sondern im Wohnzimmer, im Bad, auf dem Schreibtisch: Feine Blätter, zarte Wedel, robustes Laub, Stacheln. Die Zimmerpflanze erlebt ihr Comeback. Nach Jahren, in denen Zamioculcas und Sansevierien – die ordentlichsten, pflegeleichtesten und zurückhaltendsten aller Gewächse – das Bild bestimmt haben, wird es nun wieder lebendiger im Blumentopf. Zumindest deutet ein Besuch bei der Internationalen Pflanzenmesse (IPM) in Essen, wo die internationale grüne Branche jährlich neue Trends präsentiert, darauf hin. Schon das IPM-Plakat ziert ein Monstera-Blatt und greift damit gleich zweierlei auf: die beliebteste Topfpflanze der vergangenen hundert Jahre und die Tendenz, sich mit ihr zu schmücken. Blousons, Sportbeutel, Handyhüllen – kaum etwas ist derzeit vor dieser Hipster-Pflanze sicher.

          Was blüht also denjenigen, die wieder mehr Leben im Topf haben wollen? Zunächst die gute Nachricht für alle, die ihren Daumen nicht ganz dem grünen Bereich zuordnen: Die Lieblinge der vergangenen Jahre, Sukkulenten wie Echeverien und Aloen, sind nach wie vor groß im Geschäft. Ob mit runden oder spitzen Blättern, rosa oder bläulich angehaucht, mit weißer Zeichnung oder richtigen Streifen. Diese Dickblattgewächse sind genügsam, verändern sich nur langsam und brauchen wenig Aufmerksamkeit. Auch Pfennigbaum (Crassula ovata) und der Chinesische Geldbaum (Pilea peperomioides) halten es wochenlang ohne Wasser aus und werden gern gekauft. Doch es gibt noch viel mehr. Etwas anspruchsvoller zum Beispiel sind die Blattbegonien. Ihr Laub hat dekorative silbrige oder rote Zeichnung, die von dezent bis wild gemustert oder auch schneckenspiralig sein kann. Hoch im Kurs: die charmante Forellenbegonie ’Polka Dot‘, die aussieht, als hätte sie beim Renovieren Farbkleckse abbekommen.

          Feines Muster auf dem Laub hat auch das Glanzkölbchen (Aphelandra squarrosa), und im Reptilien-Look kommt der Krokodilfarn (Microsorum musifolium ’Crocodylus‘) daher: Seine glatten Wedel tragen eine Äderung, die an eine Kroko-Tasche erinnert. Überhaupt Farne! Sie haben das Zeug, zu Favoriten zu werden, denn ihre feinen Wedel sind äußerst dekorativ und passen zum Zeitgeist. So ist auch unter den diversen, als IPM-Neuheiten prämierten Pflanzen, ein Farn. Das Blechnum brasiliense ’Copper Crisp‘ der Firmal Cultivaris bezirzt mit leicht gerüschten Blättern, die im Austrieb kupferfarben sind.

          Stachelige Sukkulenten in einer Fülle an Sorten

          Exotisches Feeling und das Flair vom anderen Ende der Welt bringt aber auch die Zimmertanne (Araucaria heterophylla) ins Wohnzimmer. Sie ist nicht neu, aber eher selten, da sie Platz braucht: Die Araukarie, die von der Norfolkinsel der südlichen Hemisphäre stammt, kann bis zu zwei Meter hoch werden. Ist der Platz eher begrenzt, lohnt vielleicht ein Blick auf den Kakteen-Markt. Die stacheligen Sukkulenten waren nie wirklich weg, wurden aber schon lange nicht mehr in so einer Fülle an Sorten gesichtet: ob weißstachelige Mammillaria, wundersam gerippte Polaskia (Polaskia chichipe crestata) oder Lebende Steine (Lithops). Spießig? Vermutlich vor allem für diejenigen, die sich noch an Kakteen in orangefarbenen Übertöpfen erinnern. Die Renaissance der achtziger Jahre setzt Konventionelles neu in Szene.

          Dem deutschen Gartenbau geht es gut. Laut Zahlen des Zentralverbandes Gartenbau ZVG verzeichnete die Branche 2018 ein Umsatzplus von 0,5 Prozentpunkten bei einem Marktvolumen von 8,7 Milliarden Euro. Gab es bei den Schnittblumen Verluste, was am heißen Sommer gelegen haben mag, floriert der Markt für Zimmerpflanzen. Hier stellte der ZVG ein Wachstum um 3,7 Prozent fest, das Marktvolumen erhöhte sich auf gut 0,4 Milliarden Euro. Damit liegen die grünen zwar noch deutlich hinter den blühenden Zimmerpflanzen – 1,1 Milliarden Euro –, doch deren Zahlen stiegen nur sehr gering. Der Trend geht eindeutig zur Grünpflanze.

          Und die Monstera? Sie ist weiterhin ganz vorn dabei. Ihr Siegeszug ist kaum aufzuhalten, und allmählich dürften alle Pflanzen aus den Ecken, in denen sie jahrzehntelang überdauert haben, hervorgeholt worden sein. Die Monstera freut’s. Und für alle, die für das große alte Ungetüm keinen Platz haben sollten, gibt es jetzt eine kompakte Sorte: Den Philodendron selloum ’Shangri La‘. Seine Blätter sind nicht nur geschlitzt, sondern auch gekräuselt. Ob er dem Klassiker den Rang ablaufen kann, wird sich zeigen.

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