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Lausinvasion und Pilzbefall : „Gestresste Pflanzen werden krank“

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Lausige Mahlzeit: Marienkäfer sind im Garten willkommene Gäste. Bild: dpa

Für die meisten Plagen im Garten, ist der Mensch mitverantwortlich, sagt Bärbel Oftring. Im Interview spricht die Biologin über nervige Nacktschnecken, nützliche Pilze – und warum Gift nicht in Frage kommt.

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          Frau Oftring, in Ihrem Ratgeber „Bist du noch zu retten?“ zum Umgang mit Pflanzenkrankheiten und Schädlingen werben Sie um mehr Gelassenheit angesichts von Lausinvasionen und Pilzbefall. Sagen Sie bloß, Sie hätten sich noch nie einer Plage geschlagen gegeben.

          (Lacht.) Offen gestanden, keiner. Ich habe noch nie aufgegeben. Anders als meine Schwester, die eine schöne große Dachterrasse besitzt und vor dem Dickmaulrüssler kapitulieren musste.

          Dem Dickmaulrüssler?

          Ja, der gehört zu den Rüsselkäfern. Man schleppt sie sich meist mit dem Pflanzenkauf in Gärtnereien oder Gartencentern ein. Tagsüber verhalten sie sich ruhig, aber nachts fallen sie über die Blätter von Kübel- und Gartenpflanzen her. Die Blätter trocknen an den Bissstellen aus – und welken. Und die Larven dieser Käfer sind noch gefräßiger. Meine Schwester hat nachts mit der Stirnlampe versucht, den Dickmaulrüssler zu jagen und zu fangen. Ohne Erfolg. Lacht.

          Hatten Sie keinen Tipp für Sie?

          Die Stirnlampe war mein Tipp! Außerdem kann man den Käfern mit Holzwolle gefüllte Töpfe als Tagesversteck anbieten und sie dann darin elegant beseitigen. Meine Schwester hat außerdem gegen die Larven Nematoden, also Nützlinge eingesetzt. Hat aber alles nichts geholfen, sie hat sie einfach nicht in den Griff bekommen.

          Dafür haben Sie Verständnis?

          Ja sicher, auch wenn ich insgesamt für mehr Geduld plädiere.

          Wieso? Verlauste Rosen sind nicht schön und von Schnecken zerfressener Salat auch nicht.

          Nein. Aber viele Pflanzenkrankheiten sind eigentlich nur Symptome dafür, dass etwas Grundsätzliches nicht stimmt.

          Erklären Sie das bitte.

          Krankheiten treten auf, wenn eine Pflanze nicht genügend Gegenwehr hat. Nehmen wir als Beispiel den Echten Mehltau, eine bei uns sehr verbreitete Pilzkrankheit. Wie alle Pilze befällt er Pflanzen, die ohnehin geschwächt sind. Das ist die Aufgabe der Pilze: schwache, kranke Gewächse zu zersetzen, abzubauen und wieder dem Nährstoffkreislauf zuzuführen.

          Das heißt, man soll seinen schönen Rosenstock einfach dem Mehltau überlassen?

          Nein. Am besten entfernt man zunächst die betroffenen Pflanzenteile. Das gilt ganz grundsätzlich. Aber dann muss man versuchen, die Ursache dafür zu finden, warum es der Rose nicht gutgeht. Pflanzen, die krank werden, sind in der Regel gestresst.

          Bärbel Oftring ist Biologin und Autorin mehrerer Ratgeber zum Thema Garten.
          Bärbel Oftring ist Biologin und Autorin mehrerer Ratgeber zum Thema Garten. : Bild: privat

          Gestresst? Wie das?

          Typischerweise durch eine überreiche Stickstoffdüngung. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ wird häufig zu stark gedüngt. Dazu kommt noch die unkontrollierte Düngung über die Luft. Wissen Sie, dass Ackerflächen in den fünfziger Jahren so gedüngt waren, wie es heute Waldböden allein durch Luftdüngung sind? Pflanzen aber regieren sehr sensibel auf Stickstoff.

          Inwiefern? Stickstoff fördert doch das Wachstum.

          Ja, aber die Pflanzen wachsen im Zweifelsfall zu schnell. Härtende Zellbestandteile können sich so nicht bilden. Dadurch sind sie nicht robust und entsprechend anfällig für Krankheiten und Pilzbefall. Außerdem schwächt das ihre Abwehr im Winter. Es gibt die klare Empfehlung, ab August nicht mehr zu düngen. Im Boden ist in der Regel ohnehin genug. Mit einer Stickstoffüberdosis aber schaffen sie es weniger gut durch die kalte Jahreszeit.

          Was kann man sonst noch für gesunde Pflanzen tun?

          Die richtige Auswahl treffen. Das Angebot in Gartencenter zum Beispiel ist in dieser Hinsicht oft nicht ideal. Dort wird in der Regel überhaupt nicht darauf geachtet, was in einer bestimmten Region gut wächst. Da bekommt man in der Regel schnell hochgezüchtete Modepflanzen aus Holland. Vieles davon hält nur ein Jahr durch und wird dann weggeschmissen.

          Die Leute kaufen es aber ...

          Sicher, Nachhaltigkeit spielt da leider keine Rolle. Wir gehen zu sehr nach der Optik. Der Garten soll vor allem fürs Auge schön sein. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber diese Gärten dominieren. Ich lege Wert darauf, dass ich Pflanzen nehme, die hier heimisch sind. Wildpflanzen oder Wildgehölze. Nur, die findet man so gut wie nie in Gartencentern oder Baumärkten. Dafür tauchen Pflanzen auf, bei denen man sich erst mal kundig machen muss, was das überhaupt ist. Mit heimischen Pflanzen hat man grundsätzlich weniger Ärger. Außerdem ist der Garten Teil der Natur und Lebensraum heimischer Tiere. Die Diskussion ums Insektensterben hängt ja nicht nur mit der Landwirtschaft, sondern auch mit der Situation in unseren Gärten zusammen. Da wachsen Pflanzen, die üppigst blühen, aber keinen Nektar spenden, keine Pollen bilden. Viele Pflanzen sind kaum angefressen von Raupen, weil die Raupen diese Exoten gar nicht mögen.

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